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Illertissen

26.02.2014

Der gelbe Sack als rotes Tuch

Der gelbe Sack ist bei der überwältigenden Mehrheit der Illertisser Stadträte nicht willkommen. Sie lehnten es ab, das System in der Stadt einzuführen.
Bild: Wolfgang Widemann

Illertissen will die Beutellösung nicht einführen, aber um Nachbarschaftshilfe bitten

Der gelbe Sack? Für die breite Mehrheit des Illertisser Stadtrates kommt die Einführung nicht in die Tüte. Bei der jüngsten Sitzung sprachen sich nur vier Kommunalpolitiker für dieses System aus, das die meisten Kommunen im Landkreis bereits eingeführt haben. Damit entschieden sie wie eine recht knappe Mehrheit von Bürgern, wie jüngst eine Befragung ergab. Doch die hatte ihre Tücken.

Die Umfrage lief über zwei Schienen, über die Internetseite der Stadtverwaltung sowie das kommunale Amtsblatt. Die Resonanz blieb sehr gering, wie Kämmerer Markus Weiß einräumte. Es hatten gerade mal 700 Menschen teilgenommen, was auf die Zahl der Haushalte hochgerechnet eine Beteiligungsquote von zehn Prozent ergebe. Würde man das aber auf die Anzahl der Wahlberechtigten über 18 Jahren hochrechnen – rund 12200 Menschen – wären es nur noch 5,7 Prozent. Davon sprachen sich 373 Teilnehmer gegen den gelben Sack aus, 291 waren dafür. Zum Vergleich: Bellenberg hat zu diesem Thema eine direkte Bürgerbefragung durchgeführt, alle Wahlberechtigten angeschrieben und eine Rücklaufquote von 67 Prozent erzielt. Eine Mehrheit von 53 zu 47 Prozent sprach sich für das Sacksystem aus.

SPD-Fraktionschef Wolfgang Ostermann machte sich für die Beutellösung stark und rechnete vor, wie viel Sprit pro Jahr verfahren werde, wenn jeder Haushalt seine Wertstoffe zum Recyclinghof in Au bringt. Er nahm als Beispiel den Ortsteil Jedesheim mit 847 Haushalten und kam auf 10000 Liter Treibstoff jährlich. Das sei ein unglaublicher Verbrauch und eigentlich ein „Witz auf Rädern“. Dabei gingen aber selbst in seiner Dreier-Fraktion die Ansichten auseinander, denn Andreas Fleischer fand es abschreckend, wie Altenstadt aussieht, durch das er jahrelang zur Arbeit fuhr, wenn die Säcke draußen lagen. Ihm sei auch von Rattenproblemen berichtet worden.

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Helga Sonntag (ÖDP/AB/Grüne) argumentierte, das sei doch ein bewährtes System und nicht die unökologischste Lösung. Man müsse auch an die Menschen denken, die keine Möglichkeiten hätten, ihre Wertstoffe wegzufahren, weil sie kein Auto besitzen. Eine einsame Befürworterstimme kam von Amalie Speiser aus der CSU: „Irgendwie müssen wir doch zu unseren Abfällen stehen.“ Sie fragte sich allerdings, ob es nicht sinnvoller wäre, wenn die Tiefenbacher zum nahe gelegenen Wertstoffhof von Bellenberg führen. So etwas könne im Zuge der interkommunalen Zusammenarbeit geregelt werden. Das ist jedoch nach Ansicht von Bürgermeisterin Marita Kaiser leichter gesagt als getan, denn die Verteilung der Kosten lasse sich alles andere als einfach lösen.

Eine breite Mehrheit argumentierte grundsätzlich gegen den gelben Sack, etwa die Freien Wähler und die CSU. Der schärfste Widerstand kam von der Bürgerliste. Dieter Baur glaubt, dass mit der Sacklösung das allgemeine Sortierbewusstsein schwinde. Gerhard Reisinger sprach gar von der „primitivsten Methode“, wiederverwendbares Material zu sammeln. Er regte an, ein neues System zu schaffen, bei dem Illertissen sogar eine Pilotfunktion übernehmen könnte. An den bestehenden Containerstandorten in Illertissen und den Ortsteilen solle auch ein Behälter für gelbe Säcke aufgestellt werden. Eine solche Lösung wird es nach dem Urteil von Kämmerer Weiß nicht geben, denn der Landkreis werde ein solches zusätzliches System nicht unterstützen. Helga Sonntag fand die Idee aus hygienischen Gründen absurd: „Ich möchte kein Anwohner sein, wenn die Säcke zwei Wochen drin sind, wenn das stinkt und die Ratten rumspringen.“ Ein mit Schmunzeln quittiertes Argument für den guten alten Wertstoffhof kam von ihrem Fraktionskollegen Wilhelm Schulte. Das sei samstags ein beliebter Treff, da sei schon manche politische Allianz geschmiedet worden. In diesem Fall war die Allianz klar gegen den Sack, aber dafür, etwa in Bellenberg nachzufragen, ob der dortige Wertstoffhof mitbenutzt werden könne.

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