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Therapie

12.11.2014

Der heilende Kuss der Delfine

Vom Delfin geküsst: Anastasia Weiss und ihr Therapiedelfin haben eine Beziehung zueinander aufgebaut. Auf Curacao leben Delfine in natürlicher Umgebung und sind deswegen umso hilfreicher für die Patienten.
Bild: dolphinaid

Wie zwei Schwestern im Wasser der Karibik zu einem besseren Leben finden

Es gibt da eine Redensart, die für Erika Weiss so treffend wie kein Anderer das Schicksal ihrer Mädchen beschreibt: „Ein glückliches Kind verändert nicht die Welt, aber die Welt verändert sich für ein glückliches Kind.“ Ihre Töchter Ansatasia und Sofie sind behindert und in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt. Doch jetzt haben sie neue Lebensenergie getankt, dank der Kraft aus dem Wasser: Die Mädchen werden von Delphinen therapiert. „Seither haben sie absolut einen großen Fortschritt gemacht“, sagt Erika Weiss aus Illerrieden.

Die heute elf Jahre alte Sofie ist mit ihrer Zwillingsschwester Jana viel zu früh auf die Welt gekommen, bereits in der 25. Woche. Zunächst waren sie wohlauf, aber am fünften Tag nach der Geburt zeigten sich bei Sofie Symptome einer Infektion, es kam es zu Komplikationen. Nach einer Blutung war die Entwicklung des Kleinhirns – das Zentrum für Bewegungsplanung und -kontrolle – eingeschränkt. Seitdem hat Sofie große Schwierigkeiten beim Gehen, Sprechen und bei allen anderen Bewegungen.

Ihre drei Jahre jüngere Schwester Anastasia, die mit offenem Rücken zur Welt kam, ist auf den Rollstuhl angewiesen, spricht schwerfällig und ist geistig verlangsamt. Beide Mädchen bekamen von Anfang an jeden Tag sehr unterschiedliche Therapien. „Wenn andere Kinder zum Spielen oder in den Sportverein gehen, müssen meine Kinder ihre Therapietermine wahrnehmen“, berichtet Erika Weiss. Die Mutter begleitet die Kinder zu den Anwendungen, sie trainiert mit ihnen und sucht nach neuen Wegen, das Leben der Kinder zu verbessern. Es sind angefüllte Tage. Da ist es gut, dass sie mit der volljährigen Tochter Kristine eine selbstständige junge Frau zur Seite hat.

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Die Mutter hat schon so vieles ausprobiert – und dann stieß sie auf die Delphintherapie. Sie wird über die Gesellschaft „dolphinaid“ angeboten, deren Schirmherr Seine Königliche Hoheit Prinz Leopold von Bayern höchstselbst ist. Diese Organisation gibt nach eigenen Aussagen „Eltern nicht nur Hoffnung auf ein selbständigeres Leben ihrer Kinder. Sie schafft auch die Voraussetzung für den späteren Einsatz klassischer, medizinischer Therapien“.

Schon dreimal war Erika Weiss mit ihren Kindern auf der Halbinsel Krim bei einer Therapie mit den eleganten Meeressäugern, aber „erst die Zeit, die wir im Curacao Dolphin Therapy Center verbringen durften, hat uns echt weitergebracht.“ Dort werden die Delfine nicht wie andernorts in Becken gehalten, sondern leben in einer Bucht der Karibik, die von der offenen See nur durch Netze abgegrenzt ist. „Das Wasser ist sehr salzig und 25 Grad warm. Die Delfine leben hier in einer artgerechten Umgebung. Das wirkt sich auf die Therapie aus, weil die Tiere natürlich reagieren.“

Erika Weiss erklärt auch, dass sie, als sie mit der ganzen Familie in Curacao war, gelernt haben, „welcher Zauber von den Delfinen ausgeht“. Jedes Kind bekommt ein spezielles Tier als „Therapeuten“ zugeordnet, auch Eltern und Geschwister dürfen einen Tag mit ihm verbringen. „Als Erwachsener hat man zuerst Angst vor den doch recht mächtig wirkenden Tieren, die eine ganz harte Haut und sehr viel Kraft haben.“ Wie die Mutter feststellte, haben die Kinder diese Scheu aber nicht und machen ihrer Ansicht nach nur deshalb so gute Fortschritte, weil sie mit dem Delfin, der ihnen immer wieder einen Vorlage und einen Anreiz gibt, mitspielen und sich mit ihm bewegen. Dadurch bilden sich im Hirn der Mädchen offenbar frische Nervenverbindungen, so erklärt es deren Arzt. Offenbar hat sich einiges getan, Erika Weiss hat beobachtet, „dass bei den Kindern ein Knoten geplatzt ist: Sie sind ganz anders geworden und können manchmal sogar ohne Rollator gehen“.

Nach den drei Operationen, die sie dieses Jahr hinter sich gebracht haben, ist nun wieder eine Delfintherapie auf Curacao geplant. „Die Kinder wollen jeden Abend die DVD von der Therapie mit den Delfinen anschauen“, sagt Erika Weiss, die selbst weiß, dass Fortschritte für ihre Töchter längerfristig nur mit den Delfinen möglich sind. Das allerdings ist sehr teuer: insgesamt fallen Kosten von etwa 20000 Euro an. Deswegen versucht sie mit eigenem Gespartem, diversen Kuchenverkaufsaktionen und tatkräftiger Hilfe einer Freundin, die ihren Schmuckverkauf teils ihr zugute kommen lässt, den Löwenanteil der Summe zu stemmen. „Wir sind aber auf liebe Menschen angewiesen“, betont sie.

Weitere Informationen über die Delfintherapie gibt es bei Erika Weiss unter 07306 9264080

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