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Soziales

25.02.2015

Deutsch lernen statt Kuchen essen

Seit zwei Jahren geben Lehrerin Romy Schlachter-Zeh und der ehemalige Rektor Werner Zanker Asylsuchenden in Vöhringen nicht nur Deutschunterricht – sie helfen den Männern auch, sich im Alltag zurechtzufinden.
Bild: Ursula Katharina Balken

Seit zwei Jahren helfen die beiden Lehrer Romy Schlachter-Zeh und Werner Zanker Asylsuchenden in Vöhringen bei der Jobsuche. Was sie dabei bislang erlebt haben

Sie wirken im Stillen und tun mehr für Integration als mancher, der nur davon redet. Frauen und Männer kümmern sich seit nunmehr zwei Jahren in Vöhringen um Menschen aus Mali, die sich in Deutschland bessere Lebensbedingungen erhoffen. Sie unterrichten die Asylsuchenden nicht nur in Deutsch und Mathematik, sondern lehren sie auch, mit dem Alltag zurechtzukommen. Die ehrenamtlichen Helfer Romy Schlachter-Zeh und Werner Zanker erzählen, welche Erfahrungen sie in den ersten beiden Jahren gemacht haben.

Wenn Romy Schlachter-Zeh an ihre erste Begegnung mit den Asylsuchenden denkt, muss sie lachen. Einen Kuchen hatte sie mitgebracht, der zu ihrem Erstaunen aber gar nicht das erhoffte Interesse fand. Vielmehr waren es die Wörterbücher, die sie an diesem Tag auf den Tisch gelegt hatte. „Kuchen kennen die Afrikaner wohl nicht so wie hier bei uns. Aber die Wörterbücher waren genau das Richtige.“ Für die Lehrerin war klar, dass die Männer aus Mali zunächst nur eines wollten: Deutsch lernen.

Werner Zanker, der nach zwei Jahren Deutschunterricht jetzt den Schwerpunkt mehr auf Mathematik legt, zeigt sich mit dem Ergebnis seiner Arbeit zufrieden. Wie Romy Schlachter-Zeh ist auch er noch immer genauso motiviert wie zu Beginn. „Menschen, die hier sind und so lange sie hier sind, brauchen Hilfe, also versuchen wir, zu helfen, wo es geht.“ Ermutigend sei zudem, dass sich auch in anderen Gemeinden und Städten bereits Menschen zusammengefunden hätten, um den Asylsuchenden beizustehen.

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Romy Schlachter-Zeh erzählt, dass sich einer der Männer den Arm gebrochen hatte und Physiotherapie verordnet bekam. Also habe sie sich aufgemacht, um sich im Landratsamt die Ausgaben für die Behandlung genehmigen zu lassen. Zudem habe sie einen Physiotherapeuten ausfindig machen und Termine vereinbaren müssen. Manches klappe schon ganz gut, darin sind sich Romy Schlachter-Zeh und Werner Zanker einig. Einkaufen etwa sei für die Männer kein Problem mehr. Mit manchen könne man sogar schon eine Unterhaltung führen und wenn es nicht perfekt klappt, denn würden immer noch Hände und Füße helfen. „Wo es allerdings hapert, ist mit dem Rechnen. Das zu vermitteln, ist unwahrscheinlich schwierig“, sagt Zanker.

Dass zwei Malier bereits einen Job haben, freut die Helfer besonders. Einer der Männer arbeitet als Spülkraft in der Imbissecke einer Metzgerei in Pfuhl. Er fährt selbstständig mit dem Zug nach Neu-Ulm. Dort nimmt er den Bus nach Pfuhl, wenn das Geld dafür reicht. Die Fahrtkosten müssen aus der finanziellen Unterstützung bezahlt werden, die das Landratsamt den Asylsuchenden gewährt. Reicht das Geld nicht, geht es zu Fuß nach Pfuhl „und das ist ein ganz schönes Stück zu laufen“, bemerkt Zanker.

Bereits eine feste Stelle hat auch ein anderer Mann – und zwar im Caritas-Centrum Vöhringen. Zuerst war er dort dem Hausmeister zur Hand gegangen. Dabei hatte er so viel Geschick bewiesen, dass er jetzt schon kleinere Reparaturen ausführen kann. Die Stadt Vöhringen bietet zwei Asylsuchenden zudem die Chance, im Team des Bauhofs mitzuarbeiten. „Das wird nicht ganz einfach sein“, meint Romy Schlachter-Zeh. „Denn jetzt müssen sie sich an einen strukturierten Arbeitstag gewöhnen.“ Als Wartende auf Arbeit hätten sie diesen zuvor ja nicht gehabt.

Seit etwa sechs Wochen sind nun wieder neue Männer aus Mali in Vöhringen angekommen. „Das heißt, wir fangen mit ihnen wieder ganz von vorn an“, sagt Werner Zanker. Das heißt: Die Helfer bringen den Menschen bei, wo und wie eingekauft werden kann, sie helfen ihnen, Formulare auszufüllen und all die Dinge zu tun, mit denen Neuankömmlinge überfordert sind. Erfreulich für Romy Schlachter-Zeh und Werner Zanker: Die Zahl der ehrenamtlichen Helfer hat sich auf acht erhöht. Nicht alle sind Lehrer, manche kümmern sich darum, mit dem komplizierten Alltag in Deutschland zurechtzukommen oder bei Behördengängen behilflich zu sein.

Das Fazit ihrer Erfahrungen bringen die beiden Lehrer Schlachter-Zeh und Zanker so auf einen Nenner: Manche lernten schnell und seien hoch motiviert, anderen seien Grenzen gesetzt. Das sei nicht ungewöhnlich, wenn man in Betracht zieht, dass von den Männern aus Mali kaum einer eine Schule besucht hat. Da sei Geduld gefragt.

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