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24.06.2009

"Deutsche Mädchen sind launisch"

Illertissen Ein Jahr allein in einem fremden Land - nicht jeder kann sich das vorstellen. Juan Sebastian Ulloa Torres schon. Er hat sich auf das Erlebnis "Auslandsjahr" eingelassen und kam Ende August vergangenen Jahres zur Familie Kraus nach Illertissen. Sebastian ist 19 und kommt aus Quito, der Hauptstadt Equadors, wo er mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester lebt. In Illertissen hat er die elfte Klasse am Kolleg der Schulbrüder besucht und nahm dort am Unterricht teil. Nun hat er seine Heimreise angetreten. K!ar.Text hat ihn noch davor interviewt.

Wie bist Du auf die Idee gekommen ein Auslandsjahr zu unternehmen?

Sebastian: Mein Onkel hat drei Jahre lang in Deutschland gewohnt. Er hat mir von der schönen Landschaft und den freundlichen Menschen hier erzählt. Ich habe mich bei einer Organisation für ein Auslandsjahr beworben und kam dann nach Illertissen.

Du sprichst jetzt relativ gut deutsch. Wie war es am Anfang?

"Deutsche Mädchen sind launisch"

Sebastian: Schon in Equador habe ich mir deutsche Texte und Musik angehört, so konnte ich ein paar Worte verstehen. Allerdings war es schon schwer, sich auszudrücken. Im Laufe der Zeit wurde es dann besser.

Schmeckt Dir das deutsche Essen?

Sebastian: Jawohl! Am liebsten mag ich Spätzle. Auch deutscher Kuchen, wie Rhabarber-Torte, ist total lecker. Die meisten Gerichte sind aber so ähnlich wie in Equador, mit viel Fleisch und Gemüse.

Du hast jetzt über zehn Monate eine deutsche Schule besucht. Welche Unterschiede zwischen hier und der Schule in Equador fallen Dir besonders auf?

Sebastian: In Equador tragen die Schüler Schuluniformen. Außerdem ist das Schulsystem anders. Was mir noch auffällt ist, dass der Unterricht in Deutschland so theoretisch ist. In Equador macht man sehr viel Praktisches. Die Lehrer sind in beiden Ländern toll.

Hören die Jugendlichen in Equador die gleiche Musik?

Sebastian: Die Jugendlichen hören so ungefähr die gleiche Musik. In Equador kommt aber auch noch traditionelle, equadorianische Musik und Tanzmusik wie Salsa-Rhythmen dazu.

Und wie sieht es mit der Kleidung aus?

Sebastian: Die Deutschen sind, was ihre Kleidung anbelangt, verrückter. Manchmal sieht das gut aus, manchmal schlecht. Aber eigentlich ist der Kleidungsstil gleich.

Hand aufs Herz: Wo gibt's die süßeren Mädels, in Deutschland oder in Equador?

Sebastian: Hier haben die Mädels hübschere Gesichter, in Equador schönere Figuren. Mir gefallen die equadorianischen Mädchen besser. Ich finde, dass die Mädels hier so launisch sind - mal total gut drauf, dann wieder nicht.

Gibt es Unterschiede zwischen der Mentalität der Menschen?

Sebastian: Grundsätzlich sind die Menschen hier viel chilliger. Es gibt nicht so viel Stress. Die Leute machen mehr Sport und fahren öfter in Urlaub. Was besonders auffällt, ist die unterschiedliche Einstellung zur Sexualität: In Equador wäre es einfach undenkbar, dass meine Freundin bei mir übernachtet oder dass ich dieses Thema auch nur anspreche. Andererseits ist das Verhältnis von Eltern und Kindern in Equador besser: Oft unternehme ich etwas mit meinen Eltern und meinen Kumpels zusammen. Ich gebe meinen Eltern auch in der Öffentlichkeit ein Küsschen oder umarme sie. In Deutschland ist das anders. Es gibt so eine Art Trennung zwischen den Generationen. Den Jugendlichen sind ihre Eltern oft peinlich.

Wie würdest Du den Lebensstandard vergleichen?

Sebastian: In Deutschland hat der Großteil der Menschen genug Geld zum Leben. In Equador gibt es große Unterschiede: Es gibt die ganz Armen und die Reichen.

Welche besonderen Erinnerungen werden Dir von Deutschland im Gedächtnis bleiben?

Sebastian: Vor allem meine vielen Reisen. Ich war zum Beispiel in Barcelona, Frankreich, Rom, München, Frankfurt, Hamburg und Berlin. Ganz wichtig ist auch, dass ich auf dem Oktoberfest war. Und ich habe Schnee gesehen! Den gibt's in Equador nur auf den Bergen.

Was hat Dir hierzulande nicht so gut gefallen?

Sebastian: Die Jugendlichen hier müssen 16 oder 18 sein, um richtig Party machen zu können. Das ist echt schade.

Was wirst Du vermissen?

Sebastian: Auf jeden Fall die Infrastruktur. Hier gibt es so viele Möglichkeiten sich einigermaßen günstig fortzubewegen, egal ob Bus, Zug oder Flugzeug. Natürlich werde ich auch meine Gastfamilie, meinen Gasthund, meine Freunde und die ganzen freundlichen Menschen in Deutschland vermissen.

Was machst Du dann in Equador?

Sebastian: Ich habe geplant, zu studieren.

Und würdest Du noch mal nach Deutschland kommen?

Sebastian: Auf jeden Fall!

Interview: Christina Schmid

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