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01.04.2008

Deutschlands einzige Altenheimbrauerei

Der Kleinbauermarkt findet heuer erstmals zwei Tage statt: Am 19./20. April dreht sich auf dem Südlichen Münsterplatz alles um den Gerstensaft aus der Region. Kleinere bis kleinste Braustätten treten gemeinsam auf, um auf die Geschmackswelten ihrer Biere aufmerksam zu machen.

Thalfingen (mde) - Erstmals zwei Tage findet heuer der Kleinbrauermarkt statt: Am 19./20. April dreht sich auf dem Südlichen Münsterplatz alles um den Gerstensaft aus der Region. Kleinere bis kleinste Braustätten - elf Stück an der Zahl - treten gemeinsam auf, um auf die Geschmackswelten ihrer Biere aufmerksam zu machen. Die Illertisser Zeitung will den Bekanntheitsgrad der Brauer unterstützen und startete eine Serie, in der in loser Folge kleine Unternehmen mit ihrer ganz individuellen Brautradition vorgestellt werden. Heute: Deutschlands einzige Altenheimbrauerei in Thalfingen.

"Desch a Bier, des wird von mir seliggschprocha", lacht Ernst Selig, einer der Bewohner des Elchinger Seniorenheimes "Haus Tobit" in Thalfingen, als ihm "Hausbrauer" Thomas Lill eine Kostprobe des frisch gebrauten "Pumators" kredenzt, jenem würzigen Tropfen edlen Gerstensaftes, der von ihm zusammen mit seinen "Pumpaufs" Tobias Lindner und Daniel Rueß im Keller des Altenheimes gebraut wird. "Ja des isch mei Lieblingsbier, des macht wirklich selig", bestätigt Mitbewohnerin Anna Bauer die Beurteilung ihres Tischnachbarn. Auch die übrigen Heimbewohner, die sich zur Brotzeit gerne ein Bierchen gönnen, sind begeistert vom "Pumator" aus Deutschlands einziger Altenheimbrauerei.

Den Namen "Pumator" gab Thomas Lill seinem Bier, weil ihn seine Freunde wegen seiner sportlichen Vergangenheit "Puma" nannten und sein Bier ein kraftvoll-blumiges Aroma hat.

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Etwas mehr als 20 Hektoliter braue er im Jahr, sie werden im Seniorenheim von den Altenheimbesuchern getrunken oder bei Festen ausgeschenkt. Alle acht Wochen werde ein Sud angesetzt.

Wie alle Brauer haben auch die Drei aus dem Seniorenheim ihre speziellen Rezepturen, die auf dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 basieren, nach dem Bier nur aus Hopfen, Malz und Wasser zu brauen ist. Ganz wollten sie ihr Brau- und Würzgeheimnis nicht lüften, aber so viel konnte die IZ über den "Pumator-Maibock" erfahren: Man nehme 42,5 Kilogramm Pilsner Malz aus Giengen, 25 Kilogramm Pale-Ale-Malt, 8,9 Kilogramm Melanoidin Malz, 8 Kilogramm Caraaroma aus Bamberg, feinste Hefe und ausgesuchte Spalter Edeltropfen und dann kann es mit dem Brauen losgehen. Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Aber, dass das Rezept zu einem wirklich schmackhaften Erlebnis führt, stellen jedes Jahr Hunderte Fans beim traditionellen Maibockfest im Haus Tobit fest.

1988 braute Thomas Lill in einem emaillierten Waschkessel und Holz-Kohle-Feuerung sein erstes Bier. 70 Liter Jahresausstoß waren nicht mehr als ein Tropfen für die durstigen Kehlen von Verwandten, Freunden und Bekannten. Vier Jahre später entwickelte er nach traditionellen Brauverfahren, wie zum Beispiel das kalte Einmischen am Vortag und unter Verwendung diverser Spezialmalzsorten eigene Bierrezepturen. Mit seiner Tätigkeit als Haustechniker bekam er im Elchinger Seniorenzentrum die Möglichkeit, mit zwei Läuterbottichen, die aus einer alten Gulaschkanone entstanden, eine professionelle Bierherstellung einzurichten.

2004 beteiligte er sich erstmalig an der jährlichen Bierprämierung anlässlich der Haus- und Hobbybrauertage. Sein "Pumator" erreichte auf Anhieb den "Deutschen Meistertitel" im Bereich Exportbiere sowie die Höchstpunktzahl bei der Verkostung nach DLG und damit den Gesamtsieg in den drei möglichen Bierkategorien. In der Folgezeit verfeinerte er sein Brauverfahren und optimierte seine Rezepte mit ausgesuchten, regionalen Rohstoffen oder beim Brauwasser-Enthärtungsgrad.

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