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Babenhausen

11.11.2017

Die Bauernrebellen sind los

Wer versteckt sich denn da im Wald? Es ist einer der Babenhauser Bauernrebellen, die zur Faschingszeit ihr Unwesen treiben wollen.
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Wer versteckt sich denn da im Wald? Es ist einer der Babenhauser Bauernrebellen, die zur Faschingszeit ihr Unwesen treiben wollen.
Bild: Narrenzunft Bauernrebellen

In Babenhausen hat sich eine Narrenzunft formiert. Am heutigen Faschingsauftakt verraten die Gründer, welche Geschichte hinter den Figuren steckt und was sie künftig vorhaben.

Zuletzt haben die Bauernrebellen in einem längst vergangenen Krieg von sich reden gemacht – nun sind sie zurück. Es handelt sich um rund 20 Gestalten, die sich zur Zeit noch im Verborgenen versammeln. Im Fasching aber werden sie sich im Fuggermarkt zeigen.

Hinter den Bauernrebellen stecken Andrea und Joachim Englisch, die in Osterberg wohnen. Die beiden haben im Frühjahr eine Narrenzunft gegründet – die erste seit vielen Jahren in Babenhausen. Der letzte Faschingsumzug, veranstaltet von Babenhauser Vereinen, fand in den 1980ern statt.

Familie Englisch war lange Mitglied einer Ehinger Narrenzunft und dort sogar im Vorstand aktiv. „Mit vier Kindern ist uns das aber irgendwann zu stressig geworden“, sagt die 35-jährige Mutter. So keimte bei dem Paar die Idee auf, eine eigene Narrenzunft zu gründen – vor ihrer Haustür. Auf der Facebook-Seite „Spotted Babenhausen“ fragte es zuerst anonym, ob auch andere Faschingsfans Interesse an einem solchen Verein haben. Die Rückmeldungen waren positiv: „Wir haben viele Likes bekommen, viele Leute wurden markiert, manche haben ‘Gute Idee’ drunter geschrieben. Dann haben wir uns quasi geoutet“, erzählt Andrea Englisch.

Es folgten mehrere Telefonate. Auch Babenhausens Bürgermeister Otto Göppel fragten die Englischs nach seiner Meinung: „Er hat gesagt, er findet es gut, dass Babenhausen auch auf diese Weise belebt werde – sofern es mit Brauchtumspflege verbunden sei.“

Dieses Ziel verfolgen die beiden Fasnachts-Fans. „Wir wollen keine Party-Zunft sein“, sagen sie. Sie suchten nach einer Geschichte mit Bezug zu Babenhausen. Im Zuge ihrer Recherche wendeten sie sich an den Heimatforscher Dieter Spindler und an den Historischen Verein Babenhausen – und so gelangte das in Altdeutsch geschriebene Buch „Die roten Fähnlein und der Bauernrebell Augustin Schlegel“ in ihre Hände. „Es spielt zu Zeiten des Bauernkriegs in der Region, zum Beispiel in Oberschönegg und Kirchhaslach“, erzählt Andrea Englisch. Glaubt man der Überlieferung, waren es die ansässigen Bauern einst leid gewesen, vom Adel unterdrückt zu werden. Sie schlossen sich daher 1524 zusammen, um sich zu wehren und im Günztal zu plündern. Augustin Schlegel war der Anführer des Babenhauser „Haufens“. Er wurde letztlich gefangen genommen und verbannt, heißt es bis heute.

Die Protagonisten waren gefunden. „Mithilfe des Buches hat sich entwickelt, wie wir aussehen wollen. Es sind Skizzen entstanden, die wir einer Schneiderin gezeigt haben“, sagt der 43-jährige Joachim Englisch. Die Bauernrebellen werden eine braune Hose, ein beiges Hemd, Stiefel, eine Weste mit Holzknöpfen und eine Mütze tragen. In der Hand halten sie Mistgabeln, Rechen oder Schlegel.

Kernstück ist aber die Maske, auch Larve genannt. Ein Maskenschnitzer aus der Nähe von Ravensburg stellt diese her. Sechs Wochen hat es gedauert, bis im Sommer ein Prototyp fertig war. „Jede Maske ist gleich und doch individuell, zum Beispiel die Zähne und Haare“, sagt Englisch. „Nur Augustin Schlegel sticht heraus mit seinen roten Haaren und dem roten Bart.“ Nicht er selbst, als Zunftmeister, werde in diese Rolle schlüpfen, sondern sein Vize – „Der ist größer.“

Während das „Häs“ der Bauernrebellen Form annahm, wuchs die Größe der Gruppe: Momentan zählt die Narrenzunft 20 Mitglieder – Neulinge wie jahrelange Faschingsfreunde. Die Hälfte davon sind Kinder. So reicht das Alter von eins bis 68 Jahren. „Wir sind sehr darauf bedacht, dass Familien dabei sind. Schließlich muss der Nachwuchs gefördert werden“, sagt Andrea Englisch.

Der Großteil der Aktivitäten läuft noch im Hintergrund ab: Die Mitglieder treffen sich regelmäßig zu Sitzungen, um etwa zu klären, wie das Emblem aussehen oder was in der Vereinssatzung stehen soll. „Das ist viel Arbeit. Noch bekommen die Leute nicht viel von uns mit“, sagt der Zunftmeister.

Das könnte sich in der kommenden Faschingssaison ändern. „Wir haben etwas vor in Babenhausen – was, wird noch nicht verraten.“ Fest stehe zwar, dass die Bauernrebellen 2018 noch bei keinem Umzug in der Region mitlaufen werden. Dies sei zu kurzfristig. Jedoch seien etwa Brauchtumsabende denkbar. „Uns als Verein ist es wichtig, uns in Babenhausen einzubringen. Auch bei Aktionen, die nichts mit Fasnacht zu tun haben“, sagt Joachim Englisch.

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