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Illertissen

18.11.2015

Die Betrüger mit der Computer-Maus

Immer mehr Menschen werden Opfer von Betrügern im Internet. Das weiß auch die Illertisser Polizei aus leidvoller Erfahrung.
Bild: Jochen Lübke/dpa

Immer mehr Menschen werden Opfer von Betrügern im Internet - das weiß auch die Illertisser Polizei aus liedvoller Erfahrung. Auch, weil viele zu leichtgläubig sind.

Und das gelingt tagtäglich, wie die Beamten der Illertisser Polizei aus leidvoller Erfahrung wissen. Pro Woche melden sich mindestens drei Bürger, weil sie Opfer von Internet-Betrügern geworden sind. Obwohl das schon seit Jahren so geht – mit steigender Tendenz – wundern sich Dienststellenleiter Franz Mayr und Kollege Helmut Walter, Experte für Online-Kriminalität, immer noch und immer wieder über die Leichtgläubig- und sinnigkeit mancher Zeitgenossen. Mayr: „Wenn manche Menschen glauben, sie können ein vermeintliches Schnäppchen machen, verfallen sie in eine Art Fieber. Irgendwie schaltet dann der Kopf aus, der gesunde Menschenverstand ist offenbar weg.“

Dabei würde allein der gesunde Menschenverstand die Alarmglocken schrillen lassen, wenn ein angeblicher Verkäufer – wie vor nicht allzu langer Zeit geschehen – ein Luxus-Wohnmobil, das laut Liste 430000 Euro kostet, für schlappe 20000 Euro den Besitzer wechseln soll. Mayr: „Entweder handelt es sich um ein Schrottfahrzeug oder es stimmt etwas anderes nicht.“ Sprich: Der Camper wurde geklaut oder der Verkäufer ist ein Betrüger. Beim Wohnmobil war Letzteres der Fall, Opfer war ein Ehepaar aus dem Raum Illertissen. Helmut Walter hat einen ganz einfachen Tipp bereit, wenn gar zu tolle Schnäppchen locken: „Geschenkt wird einem nichts.“

Vorsicht bei Konten im Ausland

Vorsichtig sollten Kaufwillige auch bei den Fotos sein, mit denen die Ware angepriesen wird. Die Bilder müssen ja nicht den Tatsachen entsprechen. Beispielsweise die Aufnahmen eines Baggers, den ein Litauer an den Mann bringen wollte. Ein und dasselbe Bild tauchte mehrfach in einschlägigen Plattformen auf – und illustrierte jeweils andere Bagger.

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Noch vorsichtiger sollten Internet-Käufer sein, wenn sie eine Anzahlung oder den Kaufpreis auf ein ausländisches Konto überweisen sollen, sagt Ermittler Walter. Im Ausland, auch im europäischen, sind der deutschen Polizei weitgehend die Hände gebunden. Mit der Amtshilfe der Kollegen ist es meist nicht weit her. Die Bobbys in England werden, wenn überhaupt, erst ab einer bestimmten Schadenshöhe tätig. Walter: „Die Betrüger wissen das und bleiben darunter. Das Opfer wurde aber um mehrere Tausend Euro geprellt.“ Aber auch wenn auf ein deutsches Konto Geld transferiert wird, ist der eigentlich Begünstigte nicht ohne weiteres zu ermitteln. Betrüger schalten oft Strohmänner ein, im Polizeijargon „Finanzagenten“ genannt: Personen stellen für den Empfang von Überweisungen ihr Konto zur Verfügung. Abzüglich einer gewissen Provision überweisen sie dann die Summe weiter an den Betrüger.

Auf jeden Fall vom Kauf abgesehen werden sollte, wenn die Zahlung beispielsweise per „U-Cash“ oder „Western Union“ erfolgen soll. Dabei kann – etwa an Tankstellen – Geld eingezahlt werden. Dafür erhält der Einzahler eine Code-Nummer. Diese Code-Nummer übermittelt er dann an den angeblichen Verkäufer, der damit problemlos – etwa an einer Tankstelle im Ausland – an das Geld kommt.

Oft ist das Konto längst leer geräumt

Dass ein Bürger Opfer geworden ist, erfährt er nicht selten erst spät, die Polizei erfährt es dann noch später. Beispielsweise gaukeln Gauner beim Autokauf vor, der Wagen werde von einer Spedition geliefert. Um den Käufer in vorläufiger Sicherheit zu wiegen, erhält er vom Betrüger bei Zahlungseingang eine täuschend echt aussehende gefälschte E-Mail mit dem Briefkopf eines Transportunternehmens mit dem Datum der Lieferung.

Wenn der Geprellte sich dann an die Polizei wendet, ist es fast immer zu spät. Helmut Walter: „Auf jeden Fall ist dann das Konto, auf das der Kaufpreis überwiesen wurde, längst leer geräumt.“

Dass in der konsumorientierten Weihnachtszeit die Opferzahlen sprunghaft ansteigen werden, nehmen die beiden Polizisten nicht an. „Das ist ein ganzjähriges Problem. Im Internet wird nach einem Schnäppchen gesucht – und zugeschlagen.“

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