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Festival

14.10.2014

Die Entfesselung am Klavier

Am zweiten Konzertabend des Festivals begeisterte Alexei Gorlatch das Publikum mit klassischen Klavierwerken. Der Gewinner des ARD-Musikwettbewerbs gastierte bereits vor zwei Jahren in Illertissen.
Bild: Regina Langhans

Bei Chopin blüht Alexej Gorlatch auf. Das Publikum ist hochbegeistert

In üppiger Besetzung und mit begeistertem Publikum hatte das Festival „Junge Künstler – Stars von morgen“ am Wochenende in der Festhalle des Kollegs begonnen. Nun lag es in den Händen des Pianisten Alexej Gorlatch, am zweiten Abend, diesen Geist fortzuführen.

Gorlatch, dem der Ruf des Ausnahmepianisten vorauseilt, ließ sich dazu Zeit. Ein paar Stuhlreihen waren auch leer geblieben, am Ende wurden aber die dennoch zahlreichen Besucher mit genialer Musik belohnt. Der Künstler hatte erst im Laufe des Abends sein wahres Temperament entfesselt.

Gorlatch begann mit der Fantasie in c-Moll, dem vielleicht bedeutendsten Soloklavierwerk von Wolfgang Amadeus Mozart (1751- 1796). Dazu setzte er mit entschiedener Bewegung ein, um vergleichsweise nüchtern in technischer Perfektion die vier Sätze zu präsentieren. Die Fantasie gilt mit ihren teils höchst virtuosen Passagen als einzigartig im Klavierschaffen Mozarts und lässt bereits seine Not durch beginnende wirtschaftliche Schwierigkeiten anklingen.

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Sodann setzte Gorlatch mit der Sonate in d-Moll von Ludwig van Beethoven (1770-1827), Sturmsonate genannt, die Reihe der Werke mit tragischer Grundstimmung fort. Beethoven soll dabei Shakespeares Drama „Der Sturm“, aber auch das Bild von der Naturgewalt vor Augen gehabt haben. Gorlatch ließ sich von den Herausforderungen der Komposition führen, steigerte sich in die komplexen Akkordfolgen hinein und empfand auch physisch das Auf und Ab der Fingerläufe nach.

Mehr als die Hälfte des Abends war aber der Musik von Frédéric Chopin gewidmet. Das Publikum spürte, der Interpret ist in seiner Musik angekommen. Zunächst exerzierte er in technischer Perfektion eine Auswahl an Übungen aus „Prélludes op. 28“ (1836-1839 entstanden) vor. Gorlatch fegte über die Tasten, die einzelnen Töne der Fingerläufe schienen im Ohr der Zuhörer zu verwischen. Oder er verstieg sich in die Doppelgriffe, indem seine Finger stempelartig und sekundenschnell das Manual abgriffen. Beim letzten Präludium, ein Allegro appassionato, trafen die Töne wie Blitzgewitter, die Finger rasten wie von Automaten gesteuert.

Als Gorlatch schließlich für die Chopin-Sonate in b-Moll (1836/37, 1839) in die Tasten griff, ist der Mozart-Interpret vom Beginn kaum wiederzuerkennen. Das Werk zählt zu den größten Dramen der Klaviermusik. Das Thema als gepaarte Achtel gleich zu Anfang zieht sich über alle vier Sätze, mal forte, mal piano. Gorlatch jagte durch synkopierte Sext- und Septakkorde, ließ Akzente und Phrasierungen anklingen, um nach kurzem Innehalten den Schlussakkord zu setzen. Lächelnd und gelöst bedankte er sich mit zwei Zugaben – ebenfalls Chopin – für den riesigen Applaus. Er schien derart in Stimmung, er hätte wohl auch weiterspielen können.

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