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Veronika Eberle

15.04.2013

Die Hohe Schule des Violinspiels

Brillante Kostprobe ihres virtuosen Könnens: Die erst 24-jährige Veronika Eberle aus Donauwörth gab im Vöhlinschloss ein herausragendes Violinkonzert für musikalische Feinschmecker.
Bild: Otto Mittelbach

Solorecital mit Bach und Milstein

Illertissen In den großen Konzertsälen Europas, Amerikas und Asiens wird sie als herausragende Künstlerin gefeiert, bei ihren Gastspielen im hiesigen Schloss aber fühlt sie sich besonders wohl, die junge, aus Donauwörth stammende Weltklassegeigerin Veronika Eberle. Diesmal trat sie auf eigenen Wunsch ohne begleitende Partner auf und servierte den Feinschmeckern unter den Kammermusikfreunden besondere Spezialitäten. Das Konzert, das terminlich verlegt werden musste, fand, wie ursprünglich geplant, im Bacchussaal des Hochschulschlosses statt, der sich bei dieser Gelegenheit als weitere Spielstätte für Kultur im Schloss erwies.

Jugendliche, elanvolle Interpretation

Im Mittelpunkt des Konzerts stand Bach mit zwei Meisterwerken für Solovioline. Die Sonate Nr. 1 in g-Moll eröffnet mit ihrem farbschillernden Figurenwerk, das sich zwischen den vierstimmigen Klangsäulen des Adagios entfaltet, die Reihe von sechs Sonaten und Partiten. Die Interpretin hat nicht den Ehrgeiz, die heute vielfach übliche, barocke Spielweise nachzuvollziehen, die mit dem damals üblichen Bogen das gleichzeitige Erklingen von vierstimmigen Akkorden ermöglichte. Ihre jugendlich elanvolle Interpretation – mit gebrochenen Akkorden – ist hingegen gekennzeichnet von energischem Zupacken, wodurch sich Bachs erstaunlich kontrastreiche Klangwelt mit glasklarer Prägnanz offenbart. Grundlage ihres Spiels ist natürlich eine überlegen beherrschte Technik, die freier Gestaltung viel Raum gibt. Wie gestochen arbeitet sie die Thematik der langen Fuge heraus, um danach in der Siciliana, die sie auch als Zugabe wählte, zwei verschiedene Klangebenen gleichzeitig kontrastreich darzustellen. In atemberaubendem Tempo und mit kraftvoller Tongebung nimmt sie die Akkordfolgen des Presto unter den Bogen.

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Der russische Geiger Nathan Milstein (1904 bis 1992), einer der größten Virtuosen des 20. Jahrhunderts, hat in seinem Hauptwerk „Paganiniana“, ausgehend von der 24. Caprice, viele Themen des „Teufelsgeigers“ variiert und dabei dessen Hexenkünste mit noch höheren Schwierigkeiten übertrumpft. Mit ihrer technischen Perfektion meistert Veronika Eberle selbst unerhörte Herausforderungen, wie beispielsweise Triller innerhalb der Akkordfolgen und vieles andere. Besonderes hervorzuheben ist die kolossale Bandbreite der Tongebung, die kaum zu überbieten sein dürfte.

Und wieder lässt die sorgfältig durchdachte Gliederung des Vortrags erstaunen. Nach der Pause ist Bachs Partita Nr. 2 in d-Moll Höhepunkt des Abends. Auch hier hat jeder Satz sein charakteristisches Gepräge. In der Allemande lässt die Geigerin die Herkunft der Tanzform spüren und auch in der frisch servierten Courante die zum Teil ausgesparte Harmonik latent herauszuhören. Die wunderbar sonor ausgespielte Sarabande nimmt das Thema der abschließenden Chaconne vorweg, und die Giga schließt sich in wirbelndem Tempo an.

Ein Thema variiert und zum Ausgangspunkt zurückgeführt

Mit der berühmten Chaconne, Bachs großartigstem Beitrag zur Gattung, schließt das denkwürdige Konzert. 13 Minuten lang wird ein Thema nach allen denkbaren Möglichkeiten variiert, schließlich unerwartet nach Dur gewandelt, wiederum kunstvoll verändert und dann auf langen Wegen zum Ausgangspunkt zurückgeführt. Veronika Eberle gliedert sinnvoll innerhalb der miteinander verbundenen Teile, steigert mit langem Atem, nimmt zurück zu neuen Anläufen und sorgt so für niemals abebbende Spannung. Eine Meisterleistung, ganz abgesehen von der physischen Anstrengung. Die Künstlerin, die mit ihrer Stradivari zaubert, wird lebhaft gefeiert.

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