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Kettershausen

20.12.2019

Die Kettershauser Orgel erklingt wieder

Pünktlich zum vierten Advent wird die Orgel in der Kettershauser Pfarrkirche St. Michael wieder ihren vollen Klang entfalten.
Bild: Claudia Bader

Das Instrument in der Kettershauser Kirche St. Michael ist komplett überholt worden. Ein Fachmann erklärt, wie aufwendig die Arbeiten waren.

Einige Monate lang musste die Orgel in der Kettershauser Pfarrkirche St. Michael stumm bleiben. Pünktlich zum vierten Advent am Sonntag, 22. Dezember, wird sie wieder ihren vollen Klang entfalten – und nach Abschluss einer größeren Maßnahme zum Erhalt des Instruments wird dieser sicher noch ausdrucksstärker sein. Innerhalb von rund vier Monaten haben Mitarbeiter der Firma Orgelbau Kubak das aus der Spätromantik stammende, überregional bedeutsame Instrument auf Vordermann gebracht.

Nach Aussage des Orgelsachverständigen der Diözese Augsburg, Pater Stefan Kling, war die Orgelsanierung im Jahr 1997 leider nicht ganz zufriedenstellend ausgeführt worden. Die nun abgeschlossene Maßnahme solle dazu beitragen, dass das königliche Instrument viele weitere Jahre zur Ehre Gottes und zur Freude der Gläubigen ertönen kann.

1534 Pfeifen mussten ausgebaut werden

Gefertigt und installiert wurde die unter Denkmalschutz stehende Kettershauser Orgel im Jahr 1912 als 179. Werk des Augsburger Orgelbauers Heinrich Koulen und dessen Sohnes. Das mit zwei dreifeldrigen Gehäusen und zwei Manualen – so heißen die Tastenfelder – ausgestattete Instrument in St. Michael besitzt 27 Register. Vom mittig stehenden Spieltisch aus kann der Organist zum Altar blicken. Zum Klingen gebracht wird das Instrument über einen großen Doppelfaltenmagazinbalg mit darunterliegenden Schöpfbälgen. Auch die für den Fall eines Stromausfalls installierte Tretanlage ist noch im Originalzustand erhalten.

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Bei der nun verwirklichten Sanierung musste jede einzelne der insgesamt 1534 Pfeifen – die kleinste ist gerade einmal zwei Zentimeter und die größte 5,40 Meter lang – ausgebaut und gereinigt werden, berichtet der Inhaber der Firma Koulen, Robert Knöpfler. Die Metallpfeifen seien trocken gesäubert und anschließend im Wasserbad mit Waschmittel gereinigt worden. Die weicheren Holzpfeifen wurden ihm zufolge mit Blick auf einen möglichen Holzwurmbefall oder Schimmel genau inspiziert. An manchen Pfeifen mussten Risse verleimt und Verwurmungen ersetzt werden. Eventuell vorhandene Wurmlöcher seien mit Spezialwachs verschlossen worden, informiert der Fachmann. Am Spieltisch der Orgel mussten beschädigte und falsch ersetzte Tastenbeläge erneuert sowie alle pneumatischen Teile überarbeitet werden. Damit auch die Optik des Instruments wieder passt, haben die Mitarbeiter der Firma einige Furniere, die im Laufe der Jahre abgenutzt oder beschädigt worden waren, ersetzt.

Als weitere wichtige Maßnahme nennt Knöpfler die Erneuerung des Gebläsemotors, der die Orgel mit der zum Spiel benötigten Luft versorgt. Dieser befand sich früher auf dem Kirchendachboden und wurde irgendwann auf die Empore geholt. Da das Gebläse dort nicht nur störende Geräusche verursachte, sondern auch viel Platz benötigte, wurde es jetzt wieder an seinen ursprünglichen Platz im Dachboden gebracht und mit einem noch vorhandenen Windkanal verbunden. „Damit das neue Gebläse die zum Betrieb der Orgel benötigte Luft aus dem Kirchenraum holen kann, wurde zusätzlich ein Ansaugkanal geschaffen“, erklärt der Fachmann. Jetzt befinde sich das Instrument für die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte wieder in bestem Zustand.

Der Kettershauser Kirchenpfleger Roland Dellner beziffert die Gesamtkosten samt der digitalen Liedanzeige, die erst im neuen Jahr eingebaut wird, auf rund 100 000 Euro. Zuschüsse erwartet er von der Gemeinde, dem Landesamt für Denkmalpflege und einer privaten Stiftung zum Erhalt von denkmalgeschützten Kirchenorgeln. Außerdem erhoffen sich die Mitglieder der Kettershauser Kirchenverwaltung Spenden von Pfarreiangehörigen sowie von Freunden und Gönnern.

Orgelkonzert: Am Sonntag, 22. Dezember, findet ein Orgelkonzert in der Kirche St. Michael statt. Beginn ist um 19 Uhr. Der Orgelsachverständige der Diözese Augsburg, Pater Stefan Kling vom Kloster Roggenburg, sowie Organist Ferdinand Schregle werden das Instrument in seiner Vielfalt vorstellen. Der Eintritt ist frei. Spenden fließen der Orgelrenovierung zu.

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