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Altenstadt

24.02.2018

„Die Menschen werden mir fehlen“: Altenstadter Pfarrer im Interview

Der Altenstadter Pfarrer Benjamin Beck verlässt die Gemeinde und wechselt nach Nördlingen

Pfarrer Benjamin Beck erzählt, was ihm von seiner Zeit in der Pfarreiengemeinschaft Altenstadt in Erinnerung bleiben wird und worauf er sich bei der neuen Aufgabe freut

Pfarrer Benjamin Beck verlässt die Pfarreiengemeinschaft Altenstadt in den kommenden Tagen. Wie berichtet, überraschte er die Gottesdienstbesucher vor rund einem Monat mit dieser Nachricht. Am Sonntag, 25. Februar, endet Becks Dienst in Altenstadt. Ab 1. März wird er als neuer Stadtpfarrer von Nördlingen tätig sein.

Frage: Für Sie sind es die letzten Tage hier in Altenstadt. Wie geht es Ihnen?

Pfarrer Benjamin Beck: Es sind für mich im Moment sehr gefüllte Tage. Denn zum einen möchte man hier in der lieb gewonnenen Pfarreiengemeinschaft Altenstadt die Dinge in guter Weise abschließen. Zum anderen muss man täglich Entscheidungen für den neuen Wirkungsort treffen. Da bleibt einem gar nicht so viel Zeit zum Nachdenken.

Frage: Sind die Umzugskartons schon gepackt?

Beck: Nein, noch kein einziger. Ich bin ehrlich gesagt schon ganz froh, dass ich inzwischen weiß, wo ich in den ersten Monaten in Nördlingen wohnen werde, weil – wie könnte es anders sein – das eigentliche Pfarrhaus dort gerade umgebaut wird (lacht).

Frage: Sie waren dreieinhalb Jahre lang Pfarrer in der hiesigen Pfarreiengemeinschaft. Wenn Sie zurückblicken: Wie war die Zeit in Altenstadt?

Beck: Sehr dankbar schaue ich darauf zurück, wie die katholischen Christen in der Pfarreiengemeinschaft mehr und mehr zusammengewachsen sind. Am Anfang meines Wirkens gab es nicht einmal einen gemeinsamen Gottesdienstanzeiger. Inzwischen ist es selbstverständlich, dass man den Glauben vor Ort lebt, aber sich auch für die katholischen Christen in den anderen Orten interessiert und sich bei besonderen Gottesdiensten sogar zu den Freunden dorthin auf den Weg macht. Ich denke an das besondere Jubiläumsjahr zu Beginn meiner Zeit hier, das Jahr der Barmherzigkeit, und an das aktuelle Jahr der Bibel. Ich denke an die schönen, großen Gottesdienste der Pfarreiengemeinschaft, die Sternwallfahrten, Jugendgottesdienste...Natürlich gab es auch Belastendes. Neben der Seelsorge hat mich die Verwaltung schon sehr gefordert. Man wird da auch leicht in bisher unbekannte Niederrungen hinuntergezogen: vom Denkmalschutz, Brandschutz, Bauausschuss, Gemeinderat, Zuschussgeber bis hin zur EU.

Frage: Von was fällt Ihnen der Abschied besonders schwer? Was werden Sie vermissen?

Beck: Am meisten werden mir die Menschen fehlen, mit denen ich tagtäglich zu tun hatte. Ich denke an unseren Kaplan Pater Mathäus und den Gemeindereferenten Thomas Kränzle, die beiden Pfarrsekretärinnen, die Verwaltungsleiterin und die Kindergartenverwalterin. Ich denke an die Mesner und Organisten, die Lektoren und Kommunionhelfer. Und dann an die Sänger in unseren Chören, die Mitglieder in den Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungen, die Besuchsdienste. Ich denke auch, dass man gemerkt hat, dass mir als jüngstem Pfarrer im Dekanat Neu-Ulm die Jugend am Herzen gelegen ist. Die Pfarrjugend – besonders die Ministranten und die Kolping-Jugend in Kellmünz – werde ich deshalb besonders vermissen. Schwer fällt mir, dass ich in den nächsten Wochen nicht mehr die ersten Schritte mit den Frauen und Männern gehen kann, die sich bereit erklärt haben, in den neuen Pfarrgemeinderäten mitzuarbeiten. Mich hat sehr beeindruckt, dass sich, außer in Kellmünz, in allen Orten eine größere Anzahl an Kandidaten als beim letzten Mal gefunden hat. Vielleicht ist es aber für diese Gremien sogar eine Chance, dass sie sich erst einmal ohne Pfarrer zusammenfinden. Ein Pfarrgemeinderat soll nicht die Pläne eines Pfarrers umsetzen, sondern eigene Ideen für das Glaubensleben vor Ort entwickeln.

Frage: Freuen Sie sich auf Ihre neue Aufgabe als Stadtpfarrer in Nördlingen?

Beck: So schmerzlich für mich der Abschied ist, bin ich dennoch davon überzeugt, dass der Wechsel nach Nördlingen sinnvoll ist. Wenn es nicht auch Punkte geben würde, die mich freuen, könnte ich dort wohl nicht antreten. Nördlingen ist eine wunderschöne Stadt. Ich freue mich, dass die deutlich größere Einheit andere Formen der Glaubensverkündigung ermöglicht, und dass das Pfarrhaus dort – ein ehemaliges Kloster – vielleicht auch ein anderes, gemeinschaftlicheres Leben für einen Pfarrer eröffnen könnte. Meine Eltern, Geschwister und Neffen und Nichten freuen sich übrigens auch, dass der Sohn, Bruder und Onkel zukünftig leichter einen Besuch bei ihnen machen kann.

Frage: Was für Aufgaben warten in Nördlingen auf Sie?

Beck: Das kann ich noch gar nicht genau einschätzen. Es werden wohl die üblichen Aufgaben eines Pfarrers sein: Seelsorge, Verwaltung, …

Frage: Gibt es noch etwas, das Sie zum Abschied mitteilen oder sagen möchten?

Beck: Vielen Dank für alles Wohlwollen, für alle Unterstützung und auch für alle Nachsicht mit meinen Begrenzungen. Bitte nehmen Sie meinen Nachfolger, Pfarrer Thomas Kleinle, gut auf. Das wird gut werden. Ich habe in Gesprächen mit ihm gemerkt, dass sein Herz schon für die Pfarreiengemeinschaft Altenstadt schlägt.

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