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Illertissen

28.06.2018

Die Schätze im Wald sind bedroht

Die Hügelgräber bei Kadeltshofen sind 2000 Jahre alt. Dass bis heute einige erhalten sind, ist nicht selbstverständlich – denn immer wieder werden Stätten zerstört.
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Die Hügelgräber bei Kadeltshofen sind 2000 Jahre alt. Dass bis heute einige erhalten sind, ist nicht selbstverständlich – denn immer wieder werden Stätten zerstört.

Tausende historisch bedeutsame Stätten sind in der Region versteckt. Sie sollen geschützt werden. Eine Ausstellung macht darauf aufmerksam.

Mehrere kleine Hügel wölben sich im Wald nahe Kadeltshofen, ein paar Fichten wachsen darauf und drumherum, Laub bedeckt den Boden. Eine unauffällige Erscheinung; die meisten würden wohl ohne einen zweiten Blick darauf zu werfen, weitergehen. Nicht so der forstliche Berater Peter Schaffner. Denn er weiß, dass es sich bei den Hügeln um jahrtausendealte Gräber handelt.

Am Freitag eröffnet die Wanderausstellung „DenkMal im Wald“ in Illertissen. Schaffner hat unterstützt, dass diese in die Region kommt. Warum? In Bayern gibt es rund 55000 bekannte Bodendenkmäler, einige Tausend von ihnen befinden sich im Wald. Bodendenkmäler können etwa Hügelgräber, Burgruinen oder Grenzsteine sein. Auch der Limes zählt dazu. Die ältesten Stätten haben 30 Baumgenerationen überlebt. Beim Blick in den Bayerischen Denkmal-Atlas wird deutlich: Auch im Landkreis Neu-Ulm wimmelt es nur so davon. Bei Jedesheim etwa sind Reihengräber des Frühmittelalters zu finden, Eisenverhüttungsplätze aus der Latènezeit bei Unterroth, Schürfgruben vorgeschichtlicher Zeitstellung bei Vöhringen und eine Straße aus der römischen Kaiserzeit bei Illerberg.

Ziel der Ausstellung, die sich aus 13 Schautafeln, einem Film und einem Waldmodel zusammensetzt, ist es, ein Bewusstsein für die Denkmäler zu schaffen. Denn nur durch Wissen könne verhindert werden, dass diese beschädigt werden, sagt Schaffner. Genau das passiere leider immer wieder, zum Beispiel, wenn große Fahrzeuge über Hügelgräber rollen. So sei 2010 die über 2000 Jahre alte Keltenschanze nahe Osterberg bei Waldarbeiten zerstört worden.

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Einige der Grabhügel bei Kadeltshofen sind noch vollständig erhalten. Sie stammen aus der Hallstattzeit, einem Abschnitt der Eisenzeit von 800 bis ungefähr 450 vor Christus. Der Kreisarchäologe von Neu-Ulm, Richard Ambs, hat dazu geforscht. Im 19. Jahrhundert hätten wohlsituierte Bürger, wie Förster, Pfarrer und Lehrer, viele Hügel geöffnet, die Funde geplündert und verkauft. Dabei seien einige Ruhestätten zerstört worden. Rund 250 Grabhügel habe es früher im Landkreis gegeben, so Ambs. Heute werde es meist vermieden, Gräber zu öffnen. Sie sollen erhalten bleiben. Wenn gegraben werde, dann sehr vorsichtig, um organische Überreste nicht zu beschädigen.

Was sich in den Hügeln bei Kadeltshofen befindet, kann sich der Archäologe gut vorstellen: „Oft wurden Keramikgefäße, Schmuck oder Teller mitgegeben.“ Die Beigaben richteten sich nach der Ranghöhe des Verstorbenen und dessen Geschlecht. Bei einem Grab nahe Illerberg habe man Schwerter und Pferdegeschirr gefunden – Hinweise darauf, dass dort einst ein angesehener Mann begraben wurde. Ambs findet es wichtig, dass insbesondere Forstarbeiter und Waldbesitzer sensibilisiert werden, denn: „Das Bewusstsein fehlt hier oft.“

Was man tun kann, um die Denkmäler zu erhalten, veranschaulicht die Ausstellung in einem Diorama. Das Modell zeigt einen Miniaturwald mit Grabhügeln, Förstern, Maschinen und Bäumen. Der forstwirtschaftliche Berater Schaffner erklärt: „Man soll seinen Wald bewirtschaften, dabei aber Rücksicht nehmen.“ Besonders beim Holzfällen und Transporten sei das wichtig. Diese Arbeiten werden heute meist mit schweren Maschinen bewerkstelligt. Damit diese zu den Bäumen fahren können, lege der Waldbesitzer Trassen an. Dabei kann es sein, dass er eine Fahrspur über eine vermeintlich bedeutungslose Erhebung zieht, die sich später als jahrtausendealtes Denkmal herausstellt.

Schaffner empfiehlt Waldbesitzern und -arbeitern, sich auf der Website des Bayerischen Denkmal-Atlas zu informieren. Dort sind Standorte von Gräbern, Wegsteinen und Ruinen eingezeichnet. Denn diese sollen noch lange Zeit erhalten bleiben, geht es nach Schaffner und den Organisatoren der Ausstellung. Nun hoffen sie erst einmal auf viele Besucher.

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