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Weißenhorn

29.01.2020

Die Stadt Weißenhorn forstet für den Klimaschutz auf

Die Stadt Weißenhorn will bestehende Waldflächen vergrößern oder miteinander verbinden. Das Konzept Klimawald sieht vor, dass sich Bürger, Firmen und andere Einrichtungen am Aufbau der neuen Wälder beteiligen.
Bild: Archivfoto Bernhard Weizenegger

Plus Der Weißenhorner Stadtförster stellt sein Konzept für den Klimawald vor. Dabei zeigt sich: Es wird zu Konflikten mit der Landwirtschaft kommen.

Zusätzliche Bäume pflanzen, die Kohlendioxid (CO2) binden und so einen Beitrag zur Reduzierung des Treibhausgases leisten – das ist die Grundidee eines Klimawaldes. Auf Beschluss des Stadtrates nimmt sich Weißenhorn eines solchen Projekts an. Der Mann, der das Vorhaben in Gang bringen soll, ist mit dem Begriff allerdings nicht ganz glücklich: „Eigentlich ist jeder Wald ein Klimawald“, sagte der Stadtförster Max Miller am Montagabend im Stadtrat, bevor er sein Konzept vorstellte.

Um die Pflanzung von „Placebo-Bäumchen“ geht es dabei nicht, wie Bürgermeister Wolfgang Fendt eingangs noch betont hatte. Es sollen keine Einzelwälder gepflanzt, sondern bestehende Waldflächen vergrößert oder miteinander verbunden werden. Bürger, Firmen und andere Einrichtungen sollen sich mit einbringen. Und: Auf die Landwirtschaft muss Rücksicht genommen werden. Denn – auch das sagte Fendt vorneweg – wenn für eine Aufforstung landwirtschaftliche Flächen herangezogen würden, dann würden die von Bauern bestellten Flächen kleiner. Landwirte könnten dann gezwungen sein, diese intensiver zu bewirtschaften.

Bürger und Firmen können ab 2021 Geld auf ein Spendenkonto überweisen

Auf die Konflikte mit der Landwirtschaft ging Stadtförster Miller später noch näher ein. Zunächst aber sprach er über seine Arbeitsgrundlage: Schon ein vor Jahrzehnten beschlossener Flächennutzungsplan habe sogenannte Aufforstungsgewanne vorgesehen. Miller konzentrierte sich in seinem Konzept auf Waldflächen, die ohnehin der Stadt gehören oder für die in den nächsten Jahren der Pachtvertrag ausläuft. Und er bezog bereits geplante Aufforstungen mit ein. Auf insgesamt zehn Jahre ist das Konzept zunächst angelegt. Bei einer jährlichen Aufforstung von zweieinhalb Hektar könnten Millers Berechnungen zufolge insgesamt 1100 Tonnen CO2 in Kohlenstoff und Sauerstoff umgewandelt werden.

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Auf 40.000 bis 50.000 Euro beziffert der Stadtförster die jährlichen Kosten der Klimawald-Aufforstungen. Heuer werden sie noch komplett von der Stadt übernommen. 2021 wird ein Sonderkonto eingerichtet, auf das Bürger und Firmen Beträge ab zehn Euro einzahlen können. Dafür erhalte man drei bis vier Forstpflanzen, sagte Miller.

In Wallenhausen wird um Flächen gebuhlt

So viel zur Theorie. In der Praxis werde es ohne Schmerzen für die Landwirtschaft nicht gehen, sagte Miller. Vor allem mehrere Hektar große Waldflächen lassen sich aus seiner Sicht nicht realisieren: „Wir finden kaum Flächen, die uninteressant sind für die Landwirtschaft. Die schlechten Flächen sind längst Wald.“ Zu guter Letzt richtete der Stadtförster, der bald in Ruhestand gehen wird, noch einen Appell an den Stadtrat: Er solle seine schützende Hand über den Wald halten, den es schon gibt.

Sprecher aller Fraktionen begrüßten das Konzept für den Klimawald. Einstimmig beauftragte das Gremium die Verwaltung, dieses umzusetzen. Franz-Josef Niebling (CSU) und Ulrich Fliegel (Grüne) wiesen allerdings auf einen schon bestehenden Konflikt zwischen Land- und Forstwirtschaft in Wallenhausen hin. So soll dort ein bislang landwirtschaftlich genutztes Flurstück aufgeforstet werden als Ausgleich für einen Wald, der für die Erweiterung des Weißenhorner Gewerbegebiets gerodet wurde. Außerdem gab Fliegel zu bedenken, dass Landwirte große Flächen benötigen, um Nutzpflanzen wie Mais anzubauen: „Da wird in Wallenhausen richtig gebuhlt um Flächen.“

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