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07.09.2009

Die Synagoge war nicht alles

Altenstadt Die deutlichste Spur jüdischen Lebens in Altenstadt ist der Platz, an dem einst die Synagoge stand. Sie wurde in den Jahren 1802/03 von dem Baumeister Johann Nepomuk Salzgeber aus Buch erbaut und ersetzte die erste hölzerne aus dem Jahre 1725. Im Jahre 1938 verwüstet und 1955 abgerissen, erinnern ein Gedenkstein und Steinsäulen an das Gebäude. Sie markieren die Außenmaße des Gebetshauses.

"Man muss genauere Informationen haben, um die Spuren der jüdischen Siedlung zu erkennen." Und die lieferte der Heimatkundler Günther Backhaus etwa 50 Interessenten in seiner Führung anlässlich des Europäischen Tages der Jüdischen Kultur am vergangenen Sonntag.

Zunächst nur fünf Familien

Die erste Ansiedlung jüdischer Familien geht auf das Jahr 1651 zurück. "Fünf Familien ließen sich auf Einladung der Herren von Rechberg im Bereich von Illereichen nieder", informierte Backhaus. Die zweite Besiedlung erfolgte im Jahre 1751 entlang der jetzigen Memminger Straße in Altenstadt. Der Graf von Limburg Styrum, damaliger Besitzer der Herrschaft Illereichen, habe hier Häuser gebaut und an jüdische Familien vermietet.

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Zu erkennen seien diese Häuser vor allem an den niedrigen Türen und Fenstern. Ursprünglich führten zwei bis drei Stufen nach unten zur Haustüre. Auffällig sind die fehlenden Zäune hinter den Gebäuden. Der Bereich hinter den Häusern wurde laut Backhaus zum Allgemeinbesitz "Eruw" (gesprochen Eruff) erklärt. Mit diesem Kniff erweiterten streng gläubige Juden ihren Bewegungsspielraum am Sabbat, da viele Regeln nicht zu Hause galten.

Im Laufe der Jahre erwarben sich die Juden einen gewissen Wohlstand. "Und der zeigte sich auch in den von ihnen selbst errichteten Häusern ab 1800", informierte Backhaus. Während die alten Häuser von 1751 Satteldächer aufweisen, seien die jüngeren an Mansarddächer zu erkennen. Außerdem seien die Fassaden mit Ziergiebeln und Erkern über dem Eingang geschmückt.

Das Gebäude der koscheren Metzgerei mit dem dazu gehörigen Verkaufsraum ist noch vorhanden. Der Bedarf an koscherer Nahrung sei durchaus gegeben gewesen, so der Heimatkundler. Zur Blütezeit im Jahre 1834 zählte die jüdische Gemeinde 403 Einwohner. Doch bereits im Jahre 1900 hatte sich ihre Zahl durch Ab- und Auswanderung auf 100 reduziert. Zu Beginn der Nazi-Diktatur im Jahre 1933 waren noch 30 Juden in Altenstadt ansässig. Nur wenige flohen, sodass im Jahre 1942 insgesamt 24 Personen in Konzentrationslager deportiert wurden. Sie mussten ihre Fahrkarten zur Sammelstelle nach München selbst bezahlen. Nach dem Krieg ließen sich keine Juden mehr in Altenstadt nieder.

Bei uns im Internet

ein Video von der Führung

illertisser-zeitung.de/video

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