Illertissen

20.10.2013

Die glorreichen Sieben

Die sieben Tanzgeiger, von denen hier ausgerechnet die beiden Blechbläser (!) verdeckt sind, machen mehr Laune, als so manches Glaserl Wein.
Bild: Hinzpeter

Die Tanzgeiger in der ausverkauften Schranne: ein Genuss

Natürlich muss am Ende eines solchen Abends, der sich dem Trunk, beziehungsweise seinem musikalischen Begleiter dem „Heurigenlied“ ergibt, ein Stück stehen mit dem schönen Refrain: „I hob scho wieda Schädlweh.“ Denn der ausgiebige Genuss von jungem Wein geht an der „Gedächtnishalle“ nicht spurlos vorbei. Einen ganzen Abend lang hatten sich die Tanzgeiger wieder mal dem Rausch der Musik hingegeben, die beim „Heurigen“ auch ein Rauschbegleiter, wenn nicht gar -förderer ist.

Auch die Auftritte der glorreichen Sieben aus Österreich bleiben nicht folgenlos: Man möchte diesen „Wiener Heurigenabend“ immer und immer wieder haben. Deshalb waren die Tanzgeiger schon zum dritten Mal in Illertissen – und sollten entgegen den bisherigen Planungen des Veranstalters „Kultur im Schloss“ auch noch ein viertes, fünftes oder eben x-tes Mal kommen und aufspielen.

Die Tanzgeiger, bei denen in Wahrheit nur etwas mehr als die Hälfte des Ensembles die Saiten streicht, sind eigentlich alles andere als eine reine Stimmungskapelle. Ihre Auftritte wirken eher wie musikalische Plauderstündchen, in denen Chef-Geiger und Uni-Dozent Rudi Pietsch locker vom Stuhl über Gründe und Abgründe dieser ganz speziellen Wiener Melodien-Melange spricht. Heurigen-Lieder sind für die Musikanten in den einschlägigen Schenken eine echte Herausforderung, denn sie müssen Tausende davon beherrschen, versichert Rudi Pietsch – und sie müssen sofort die Melodie erkennen, die ihnen der Trinkgeld spendierende Gast vorlallt, weil er gerade jetzt dieses eine Stück für seine gehobene oder aber gedämpfte Stimmung braucht.

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Und so doziert, charmiert und violiniert sich Rudi Pietsch durch die Geschichte der alkohol- und festbegleitenden Gebrauchsmusik. Den Gästen in der wie immer voll besetzten Schranne hämmert er geradezu eine Jahreszahl ins Ohr: 1829. Damals wurde das „Accordion“ patentiert. Diese vier Ziffern hätte sich wohl kaum jemand im Saal merken können, wenn der Redner bei seinen Ausführungen nicht ständig die Jahreszahlen verwechselt hätte – und irgendwie landet er immer wieder bei 1829, was dann zum Running Gag des Auftritts wird.

Nicht so schlimm, denn das passt zu diesem Abend, der lustige Musik und launige Erzählungen meisterhaft verknüpft. Da beömmeln sich manchmal die Musiker selber über die trockenen Bemerkungen ihres Vor-Spielers.

Aber sie sind dann das einzig Trockene an diesem Abend, bei dem auch wunderbarer Wein gereicht wird, von dem man gerne noch ein Glaserl mehr getrunken hätte. Aber das hätte dann nur zu unerwünschten Begegnungen mit dem Dienst–Alkomat irgendeiner Streife geführt. Und im Kopf hätte es am nächsten Tag unablässig gesurrt: „I hob scho wieda Schädlweh, Schädlweh, Schädlweh ...“

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