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Illertissen

12.06.2019

Die schwebenden Glocken von Illertissen

Glocken-Aufzug in Illertissen
Video: Wilhelm Schmid

Das Glockenspiel im Turm der Martinskirche hat zwei neue Klangkörper erhalten. Um sie an Ort und Stelle zu bringen, war reichlich Fingerspitzengefühl gefragt.

Hier war Millimeterarbeit gefragt: Zwei neue Glocken mussten am Mittwochvormittag mithilfe eines Teleskopkrans durch ein Fenster in 22 Metern Höhe in den Turm der Illertisser Stadtpfarrkirche St. Martin gebracht werden. Keine leichte Aufgabe: Immerhin wiegen die Klangkörper 320 und 220 Klilogramm. Sie ergänzen nun das Carillon im Turm und werden demnächst zum ersten Mal zu hören sein. Wie die Anlieferung am Mittwoch ablief.

Sie sind es gewohnt, mit schweren Lasten umzugehen. Aber dass es dabei auch auf jeden Millimeter ankommt, das erleben sie nur selten: Der Holzbauer und Kranunternehmer Stefan Joser aus Jedesheim sowie Turmuhrenbauer Gordian Pechmann von der gleichnamigen Turmuhrenbaufirma in Meßhofen und sein Mitarbeiter Andreas Harder mussten Präzisionsarbeit leisten. Ihr Auftrag lautete, die zwei neuen Carillonglocken, die kürzlich im Festgottesdienst am Pfingstsonntag feierlich geweiht worden waren, nun in 22 Metern Höhe durch ein Fenster zum Carillon-Glockenstuhl hochzuhieven. Beim Einbau der bisherigen 49 Glocken im Jahr 2006 hatte man damals eigens am Fenster auf der Nordseite des Turmes Teile des seitlichen Mauerwerks heraus gebrochen, nun sollte es ohne diese Prozedur gehen.

Letzte Messungen am Boden – damit auch wirklich alles passt.

Obwohl die größere der beiden neuen Glocken nun die schwerste und auch die am tiefsten klingende Glocke im Carillon ist, waren diesmal keine Maurerarbeiten nötig. Denn die Glockengießer der renommierten Firma „Koninklijke Eijsbouts“ aus dem niederländischen Asten hatten sich etwas einfallen lassen. Die Glocke wurde dickwandiger – oder wie es Gordian Pechmann es auf schwäbisch ausdrückte: „gschtumpater“ – gegossen, sodass sie mit ihren Ausmaßen durch das bestehende Fenster passen sollte.

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Schnell war klar: "Hochkant" geht es nicht

Diesmal sollte der Transport durch das Fenster auf der dem Martinsplatz zugewandten Westseite gehen, weil die Glocken damit einfacher in den Glockenstuhl zu bringen waren – wenn sie denn erst einmal drin wären. Hochkant, also in der „normalen“ Position, würde es nicht funktionieren, so viel war klar. Pechmann hatte gemeinsam mit Manfred Nießner von der Kirchenverwaltung ausgerechnet, dass die größere der beiden Glocken nur waagrecht liegend durch das Fenster passen werde. Dazu bauten Pechmann und sein Mitarbeiter Harder eine kreisrunde Scheibe in die Glocke ein: So konnte eine stabile Verschraubung angebracht werden, über die nun Stefan Joser die Glocke waagrecht hängend hochziehen konnte. Per Fernbedienung vom Turmfenster aus bugsierte der Fachmann den 320 Kilo schweren Klangkörper so nahe an das Fenster in 22 Metern Höhe heran, dass die beiden Monteure schließlich die Glocke herein ziehen konnten.

Präzisionsarbeit: Vorsichtig wird die Glocke ins Innere gezogen.

„Da ging es um die letzten paar Millimeter, aber die haben das geschafft“ freute sich Kirchenmusik-Förderkreisvorsitzender Hans Scherrer, der das Ganze oben im Turm mit verfolgte. Die zweite, kleinere Glocke stellte dann kein Problem mehr dar: Sie wurde „normal“ hängend hoch und ins Fenster gezogen. In den kommenden Wochen wird Pechmann die beiden neuen Glocken in den Carillon-Glockenstuhl einbauen und die Fachleute des Herstellers Eijsbouts werden sie dann in das Instrument integrieren. Dann erklingen sie erstmals im Konzert am Sonntag, 21. Juli, um 16 Uhr.

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23 Bilder
Neue Glocken für das Carillon in Illertissen
Bild: Dr. Hans Scherrer (im Turm) und Wilhelm Schmid (alle übrigen Aufnahmen)

Die Spielmöglichkeiten des Illertisser Instruments haben mit den neuen Klangkörpern eine deutliche Erweiterung erfahren: Mit den beiden Basstönen in B1 und Es kann nun vielseitiger mit Blasinstrumenten zusammen gespielt werden, die meist in B-Tonarten gestimmt sind. Dank der im Vorjahr neu eingebauten Technik kann das Carillon auch vom Orgeltisch auf der Empore aus gespielt und über große Lautsprecherboxen in den Kirchenraum übertragen werden. Bläser, die dazu musizieren, können so direkt neben dem Orgelspieltisch in direktem Kontakt mit dem Carillonneur und Organisten stehen. Damit dürfte die Illertisser Stadtpfarrkirche eine Rarität besitzen. Wie das Carillon selbst, wurde auch seine Erweiterung vom Illertisser Unternehmer Josef Kränzle mit seiner Stiftung finanziert.

Musikfreunde bekamen etwas zu sehen

Mehrere interessierte Musikfreunde hatten das Schauspiel am Mittwoch vom Brunnenhof und vom Martinsplatz aus verfolgt: Einen solchen Glockenaufzug gibt es eben nur selten zu erleben.

Mehr über das Illertisser Carillon lesen Sie hier:

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