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Jedesheim

13.09.2019

Diese Jedesheimerin verpasst keinen Gottesdienst

Seit 62 Jahren begleitet Luise Ries die Gottesdienste in Jedesheim mit der Orgel. Professionellen Unterricht hat sie nie erhalten.
Bild: Claudia Bader

Luise Ries hat sich das Orgelspiel selbst beigebracht. Inzwischen begleitet sie seit mehr als 60 Jahren die Messen in Jedesheim.

Als sie zehn Jahre alt war, hat sie von ihrem Vater die ersten Noten gelernt. „Wir hatten zu Hause ein altes Harmonium, auf dem ich Melodien und Liedchen aus einem kleinen Heftchen eingeübt habe“, erinnert sich Luise Ries: „Damals hätte ich nie gedacht, dass ich später einmal regelmäßig die Orgel in unserer Pfarrkirche St. Meinrad spielen würde“, sagt die 84-jährige. Das tut sie seit mittlerweile 62 Jahren. Seit 38 Jahren sitzt sie außerdem jeden Freitag am königlichen Instrument in der Matzenhofer Wallfahrtskirche „Zur Schmerzhaften Muttergottes.“

Auch ihr liebstes Mozart-Stück lernte sie ohne Lehrer

Professionellen Unterricht hat gebürtige Jedesheimerin nie erhalten. „Das hätte Geld gekostet, das unsere Familie damals nicht hatte“, berichtet sie. Deshalb habe sie sich das Orgelspiel selbst beigebracht. Als sie die 7. Klasse der Volksschule besuchte, umrahmte Luise Ries die damals noch an jedem Sonntagnachmittag in der heimischen Pfarrkirche abgehaltenen Andachten. Als junge Frau wohnte sie sechs Jahre lang in Untereichen. Von dort ist sie regelmäßig nach Jedesheim geradelt, um auf einem alten Klavier zu üben. „Früher haben die jeweiligen Lehrer im Dorf am Sonntag die Orgel in der Kirche gespielt“, erinnert sie sich. Als im Jahr 1957 kein geeigneter Pädagoge im Ort wohnte, habe sie kurzerhand dieses Amt übernommen. „Orgelmusik gehört einfach zum Gottesdienst“, sagt sie. Damals habe der Kirchenchor jeden Sonntag eine vierstimmige Messe gesungen, die sie begleiten musste. Nacheinander habe sie alle Lieder eingeübt – darunter ihren Favoriten, die Spatzenmesse von Wolfgang Amadeus Mozart.

Die Kirche steht für Luise Ries an erster Stelle

Auch nach ihrer Heirat und der Geburt ihrer sechs Kinder hat Luise Ries dem Orgelspiel die Treue gehalten. „Obwohl ich mit meinem Mann damals ein Geschäft gegründet habe, stand die Kirche für mich immer an erster Stelle“, sagt sie. Auf Bitte des damaligen Unterrother Pfarrers Richard Fischer hat die Jedesheimerin im Jahr 1981 auch in der Wallfahrtskirche Matzenhofen das Organistenamt übernommen. Seitdem fährt sie jeden Freitag mit ihrem Auto zu dem Kirchlein, steigt trotz zunehmender Knieprobleme die Treppen zur Empore hoch und lässt das königliche Instrument zu Ehren Gottes erklingen.

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Mehr zu den Wallfahrtsgottesdiensten in Matzenhofen lesen Sie hier: Alle pilgern nach Matzenhofen

Urlaub kennt die Seniorin nicht. Und wenn sie doch einmal einen Ausflug ins Allgäu unternimmt, um wandern zu gehen und die Bergluft zu genießen, legt sie die Tour ganz bewusst auf einen Tag, an dem sie keinen Organisten-Dienst hat. „Solange der liebe Gott mir bewegliche Finger und einen klaren Kopf schenkt, werde ich dieses Amt ausüben“, sagt Luise Ries.

Langeweile kennt die rüstige und agile Frau nicht. „Auch der Jedesheimer Seniorenkreis ist eine Leidenschaft von mir“, sagt sie. Seit der Ortspfarrer Renz diese regelmäßigen Treffen der älteren Bürger im Dorf 1991 ins Leben gerufen hatte, wirkt Luise Ries als Leiterin. Sowohl die Zusammenstellung des Programms mit religiösen Impulsen, Singen und Musizieren sowie manchmal auch Theaterspiel als auch die Dekoration des Kaffeetisches bereiten ihr bis heute große Freude. Aber in zwei Jahren möchte sie dieses Amt abgeben, hat sie sich vorgenommen: „Drei Jahrzehnte sind dann genug.“ Schließlich habe sie mit ihrem Haushalt sowie Gartenarbeit und einem weiteren Hobby, dem Stricken, noch genügend zu tun.

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