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Untereichen

05.07.2020

Diese Polizisten prüfen Motorräder auf Herz und Nieren

Polizeihauptmeister Florian Götz (vorne), Fachmann der Kontrollgruppe Motorrad, erklärt Kollegen von der Polizeiinspektion Illertissen, auf welche Details zu achten ist.
Bild: Wilhelm Schmid

Plus Auch Fachsimpeln gehört dazu: Wie die Polizisten der Kontrollgruppe Motorrad arbeiten.

Normalerweise ist an einem Samstagnachmittag auf dem Parkplatz an der Staatsstraße 2031 zwischen Illertissen und Altenstadt nördlich von Untereichen nicht viel los. Heute aber herrscht dort Hochbetrieb. Schon aus mehreren hundert Metern Entfernung ist ein Polizist mit Warnweste zu sehen, der ein Motorrad nach dem anderen auf den Parkplatz winkt.

Dort stehen drei Beamte der Kontrollgruppe Motorrad (KGM) des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West und mehrere Kollegen von der Polizeiinspektion Illertissen. Die Biker werden freundlich in Empfang genommen: „Allgemeine Verkehrskontrolle; Ihren Führerschein und die Fahrzeugpapiere bitte.“ Sind diese in Ordnung, geht es zur Technikprüfung. Polizeihauptmeister Florian Götz von der KGM erklärt seinen Illertisser Kollegen, was zu beachten ist. Zu hören ist beispielsweise, dass der „dB-Killer“ eine „ABE“ braucht, wenn er nicht serienmäßig verbaut ist. Für den Nicht-Biker bedeuten diese Worte: Der Schalldämpfer benötigt eine „Allgemeine Betriebserlaubnis“, und nun wird das gesamte Motorrad „auf Herz und Nieren“ geprüft. Der Zustand der Reifen spielt eine ebenso wichtige Rolle wie technische Veränderungen, die aus optischen Gründen nachträglich eingebaut wurden und damit ebenfalls eine „ABE“ benötigen. Im „Servicemobil“ hat Polizeihauptmeister Christian Stark eine halbe Werkstatt dabei, um technische Veränderungen im Detail untersuchen zu können.

„Dankeschön, alles in Ordnung, ich wünsche Ihnen eine gute Weiterfahrt!“ - Diesen Satz hört man im Laufe der fünfstündigen Kontrolle auf dem Parkplatz an der Staatsstraße 2031 vor Untereichen am häufigsten.
Bild: Wilhelm Schmid

Kollege Götz hat sich auf die Kultmarke Harley Davidson spezialisiert – und wenn alles in Ordnung ist, kommt er auch gerne einmal ins Fachsimpeln mit den Bikern. Diese zeigen meistens Verständnis für die Kontrollen. Sie schimpfen höchstens einmal über die aktuelle Diskussion um die Frage, ob das Motorradfahren an Wochenenden verboten werden sollte. „Wann soll man dann noch fahren, wenn man die ganze Woche arbeitet?“, fragt einer. Er findet durchaus Zustimmung. „Wir wollen ja keinem den Spaß am Fahren nehmen, solange es in geordneten Bahnen verläuft“, sagt Hauptkommissar Michael Laugwitz als Leiter der KGM.

Kontrollgruppe ist die ganze Motorradsaison über aktiv

Seine Gruppe wurde vor zwei Jahren gegründet und die drei Fachleute sind die gesamte Saison über aktiv. Nicht nur auf bekannten Motorradstrecken wie dem Jochpass oder am „Paradies“ bei Oberstaufen, sondern eben auch auf der Landstraße. Zu Saisonbeginn sei die Unfallgefahr am größten, berichtet Laugwitz. Der Allgäuer zieht einen Vergleich: „Wie die Schumpen, wenn sie das erste Mal aus dem Stall dürfen“ würden manche Biker dann loslegen.

„Heuer war es nach der Corona-Beschränkung besonders schlimm“, erzählt er. Gleich am ersten Wochenende danach haben sich mehrere schwere Unfälle in seinem Dienstbereich ereignet, der das gesamte Gebiet des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West umfasst. „Da fährt man noch mit den alten abgefahrenen Reifen vom Vorjahr nach dem Motto, die tun’s schon noch.“

Polizeihauptkommissar Michael Laugwitz von der Kontrollgruppe Motorrad des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West weist Motorradfahrer in die Kontrollstelle auf dem Parkplatz bei Untereichen ein.
Bild: Wilhelm Schmid

Als ob er es geahnt hätte, gerät ein Biker in die Kontrolle, dessen Vorderrad völlig glatt ist. Nach der Anzeigenaufnahme darf der Mann, weil die Straße trocken ist, noch eine kurze Strecke und direkt heimfahren. „Wenn es jetzt regnen würde, müssten wir die Weiterfahrt sofort unterbinden“, erklärt der KGM-Leiter. Ein junger Mann aus Wiesbaden wiederum fährt mit abgesägtem „dB-Killer“, was ebenfalls beanstandet wird. Insgesamt werden im Laufe des Nachmittags 68 Motorräder kontrolliert. Bei 16, also fast einem Viertel, werden Regelverstöße festgestellt, davon vier abgefahrene Reifen.

Bei der gleichzeitig von Illertisser Beamten durchgeführten Geschwindigkeitskontrolle mit der Laserpistole fallen erfreulich wenige Raser auf. Nur einer, der anstelle der maximal erlaubten 100 Stundenkilometer mit Tempo 144 unterwegs ist, muss mit einer Geldbuße, einem Fahrverbot und einem Punkt in Flensburg rechnen – und das, obwohl in Bayern seit wenigen Tagen wieder der „alte“ Bußgeldkatalog gilt. Eine Motorradfahrerin erkennt die Kontrollstelle zu spät und bremst so sehr, dass sie stürzt, aber nicht verletzt wird.

Nach fünf Stunden Kontrolle bleibt beim außenstehenden Beobachter der Eindruck zurück, dass die große Mehrheit der Motorradfahrer vorschriftsgemäß unterwegs ist und dass es wohl nur einige „schwarze Schafe“ sind, durch die die Biker-Zunft gelegentlich in Verruf gerät.

Lesen Sie außerdem: Tetris-Challenge: Was ist drin im Polizeiauto?


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