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Senden

08.03.2018

Diskussion um Gummi und Holz unter Spielgeräten

Hackschnitzel und Rindenmulch sind auf Sendener Splelplätzen bislang ein gewohntes Bild. Doch das soll sich künftig ändern. Der Bauausschuss sprach sich im Februar für Kunststoffmatten unter den Spielgeräten aus.
Bild: Daniel Naupold/dpa

Naturschützer protestieren gegen künstlichen Fallschutz auf Sendener Freizeitanlagen und Pausenhöfen.

Fallschutz unter Spielgeräten soll in Senden künftig nicht mehr aus Hackschnitzeln, sondern aus Kunststoff bestehen. Das hat der städtische Bauausschuss im Februar beschlossen. Dagegen kommt jetzt Kritik vom Bund Naturschutz. Ganz neu ist das Thema aber nicht: Schon im September wurde im Stadtrat heiß darüber diskutiert.

Noch sind Hackschnitzel und Rindenmulch unter Schaukeln, Rutschen oder Klettergeräten auf Sendener Spielplätzen und Pausenhöfen ein gewohntes Bild. Doch das soll sich künftig ändern, darauf einigten sich die Räte, als es um die Neugestaltung des Außenbereichs am Kindergarten Witzighausen ging. Der Grund: Naturmaterialien seien anfällig für Schimmelpilze und würden die Umgebung verunreinigen, wie etwa Grünen-Stadtrat Helmut Meisel in Bezug auf die Engelhartschule bereits bemerkt hatte. Auch holten sich manche Kinder Spreißel an den Holzteilchen. Die Schnitzel würden zudem an den Schuhen ins Haus getragen und beschädigten dort den Parkettboden. Diese Gefahr bestehe auch bei Kies- und Splittbelägen. In Zukunft sollen es Matten aus recyceltem Kunststoff sowie Pflasterungen sein, die an den Schulen die Holz-Variante ersetzen. 140000 Euro sind aktuell für die Umgestaltungen im städtischen Haushalt eingeplant.

Gummi statt Holz, das stößt Bernd Kurus-Nägele, Geschäftsführer des Bund Naturschutz in Neu-Ulm, auf: „Es ist mittlerweile erforderlich, massiv Position für ‚normale Denkweisen‘ zu beziehen, nachdem offensichtlich sogar in Natursubstrat wie Hackschnitzeln Gefahren erkannt werden, die nicht real existent sind“, kommentiert er die Idee. Der Kontakt mit solchen Naturstoffen sei für die körperliche Entwicklung von Kindern nicht schädlich, sondern vorteilhaft. „Der vermeintliche Schutz vor Kontakt mit Naturstoffen ist gänzlich kontraproduktiv“, schreibt der Biologe an Bürgermeister Raphael Bögge und die Stadträte. Hackschnitzelsubstrat sei vielfach erprobt und werde in ganz Deutschland eingesetzt. Und Pilze in Hackschnitzeln seien für Kinder keine Gefahr.

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Dazu komme, dass Kunststoffplatten in Herstellung und Entsorgung Schadstoffbelastungen verursachen. „Wir appellieren an eine zukunftsfähige Denkweise mit Naturbezug“, schreibt Kurus-Nägele, „sonst kommen wir irgendwann in den Konflikt, einen Waldboden oder einen Wiesenboden berühren zu dürfen oder nicht“. Dort lebten schließlich unzählige Bodenpilze und Bakterien.

Kurus-Nägele untermauert seinen Standpunkt mit der schriftlichen Stellungnahme eines Sachverständigen für Innenraumbelastungen aus Weißenhorn, Wolfgang Döring. Dieser berichtet, dass, anders als in Innenräumen, das Auftreten von Pilzen auf Holz im Außenbereich die Atemluft nicht gesundheitsgefährdend belaste. Messungen belegten, dass die Sporenbelastung der Luft über Hackschnitzel-Flächen nicht höher sei als auf anderen Belägen. Zudem seien Hackschnitzel in Bezug auf den Fallschutz viel wirkungsvoller als Kunststoffmatten.

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