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Babenhausen

19.05.2020

Drei Schulen, drei Wege in die „neue Normalität“

Unter Leitung von Lehrerin Dietlinde Frömel steht in einer neunten Klasse der Anton-Fugger-Realschule sogenannter gespiegelter Online-Unterricht auf dem Stundenplan. Die Klasse ist in zwei Gruppen eingeteilt – ein Teil der Schüler sitzt im Klassenzimmer, der andere kann sich von den heimischen Schreibtischen aus zuschalten.
Bild: Claudia Bader

Plus In Babenhausen befinden sich – wenige Schritte voneinander entfernt – drei unterschiedliche Schulen. Wie der Unterricht für die Kinder derzeit aussieht und wie die Lehrer mit der Situation zurechtkommen.

Langsam fährt der Bus an der Haltestelle vor dem Babenhauser Schulzentrum ein. Die Lehrer, die dort bereits warten, achten darauf, dass die hintereinander aussteigenden Schüler Abstand zueinander halten. Ermahnungen sind nicht notwendig. Statt sich wie noch vor wenigen Wochen lebhaft zu unterhalten, laufen die Kinder ruhig und diszipliniert zum Schulhaus. Ihre Gesichter sind zur Hälfte mit Schutzmasken bedeckt, aber viele Augen leuchten. Die Freude, in die Schule zurückkehren zu dürfen, ist den Grundschülern anzumerken. Was sich für sie und für die Mittel- und Realschüler in Babenhausen alles geändert hat.

Hinter den Kindern liegen ungewöhnliche Wochen, in denen sie aufgrund der Corona-Beschränkungen und der Osterferien daheim bleiben mussten. „Am Anfang war es zu Hause voll cool, aber dann wurde es langweilig“, sagt Schülerin Melanie. Neben den Klassenkameraden habe sie auch ihren Lehrer vermisst. Dieser hat während der Zeit des Homeschooling wie seine Kollegen den Kontakt mit den Schülern auf vielfältige Weise gepflegt – mit Telefonaten, mit Briefen und auch anhand digitaler Möglichkeiten wie Videokonferenzen. „Aber alleine macht das Lernen keinen Spaß“, hat die zehnjährige Melanie festgestellt. „Wenn ich etwas nicht gewusst habe, musste ich meine Eltern fragen, die mir aber auch nicht immer helfen konnten.“

Schülerin: „Alleine macht das Lernen keinen Spaß“

Als Melanie und weitere Erst- und Viertklässler an der Schulhaustür von Lehrkräften empfangen werden, ist vieles anders als sonst. Die normalerweise zwischen 22 und 28 Schüler zählenden Klassen sind in zwei Gruppen aufgeteilt. „Unterrichtet wird je Woche nur die Hälfte einer Klasse“, erklärt der Rektor der Grundschule Wolfgang Schiersner. „Nur in diesen verkleinerten Gruppen können die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen und Hygienemaßnahmen umgesetzt werden.“

Auch in den Pausen wird improvisiert. Nachdem sich die Mädchen und Buben im Klassenzimmer mit der Brotzeit gestärkt haben, dürfen sie zwar unter Aufsicht in den Pausenhof. Sie müssen aber wieder Schutzmasken tragen und darauf achten, den Mindestabstand einzuhalten. Wie da Fangen spielen?

Ein paar Schritte von der Grundschule entfernt befindet sich die Babenhauser Mittelschule. Für deren Praxisklasse sowie die neunten und zehnten Jahrgangsstufen, die im Sommer ihre Abschlussprüfung beziehungsweise den Quali oder die Mittlere Reife absolvieren, startete der Präsenzunterricht gleich nach den Osterferien wieder. Schwerpunktmäßig stehen die Prüfungsfächer auf dem Stundenplan. Die Schüler der fünften bis achten Jahrgangsstufe erhalten Online-Unterricht – sie büffeln also zu Hause. Die Hausaufgaben liefern die Jugendlichen digital ab, je nach den technischen Voraussetzungen, die in ihren Familien vorhanden sind.

Die Raumeinteilung ist eine Herausforderung

Während Fortbildungen in Kleingruppen und Online-Konferenzen haben sich die Mittelschullehrer intensiv auf die neue Situation vorbereitet, sagt Rektorin Catharina Freudling. So konnten die Mittelschüler während der vergangenen Wochen über das Internet kontinuierlich mit Unterrichts- und Lernmaterial versorgt werden. Einige hätten den „Schulmanager“, eine Web-Plattform für die Schulorganisation, oder die vom Kultusministerium bereitgestellte Lernplattform „Mebis“ genutzt. Manche richteten auch eigene E-Mail-Verteiler ein. „Einmal pro Woche haben die Lehrkräfte telefonischen Kontakt mit ihren Schülern aufgenommen, um sich über Lernfortschritte oder Probleme zu informieren“, berichtet Freudling. Auch die Eltern seien laufend mit aktuellen Informationen versorgt worden.

Bild: Claudia Bader

Ein wenig Kopfzerbrechen bereitet Freudling nun die Planung der Wochen nach den Pfingstferien, in denen alle Schüler ins Schulhaus zurückkehren. „Aufgrund der Teilung der Klassen benötigen wir zusätzliche Zimmer und werden dabei an die Grenzen unserer Raumkapazitäten gelangen“, befürchtet die Rektorin. Um diese Herausforderung zu bewältigen, sollen in Zusammenarbeit mit der benachbarten Realschule Synergien genutzt werden.

Die Anton-Fugger-Realschule sehe die Corona-Situation als Chance, den Unterricht in anderen Dimensionen zu gestalten, erklärt deren Direktor Martin Rister. Das Motto laute: „Was wir jetzt aufbauen, muss später nutzbar sein und auch genutzt werden dürfen.“ Für Rister stellen Internet-Plattformen wie Mebis das Herzstück des modernen Unterrichts dar. Die Realschullehrkräfte haben sich ihm zufolge zum Ziel gesetzt, möglichst viel Unterricht digital zu den Schülern nach Hause zu übertragen. „Dank einer strategisch langen und guten Vorbereitung wurden die drei Babenhauser Schulen rechtzeitig mit der nötigen Hard- und Software ausgestattet“, sagt der Direktor.

Während im derzeitigen Präsenzunterricht für die gesamte zehnte Jahrgangsstufe möglichst viel Lernzeit für die nahenden Abschlussprüfungen eingeräumt werde, sei von den Realschülern der fünften, sechsten und neunten Klassen nur je die Hälfte vor Ort an der Schule.

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