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Landkreis Neu-Ulm

30.06.2017

Ehefrau entlarvte Illertal-Einbrecher

Ein 22 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Neu-Ulm und ein 40-Jähriger aus dem Alb-Donau-Kreis müssen sich wegen gemeinschaftlichen schweren Bandendiebstahls vor dem Amtsgericht in Biberach verantworten.
Bild: Alexander Kaya

Zwei Männer sollen in mehreren Gemeinden auf Beutezug gegangen sein. Noch gibt es allerdings Unklarheiten.

Sie sollen in mehrere Wohnhäuser im Illertal eingebrochen sein: Ein 22-Jähriger aus dem Landkreis Neu-Ulm und ein 40-Jähriger aus dem Alb-Donau-Kreis müssen sich jetzt wegen gemeinschaftlichen schweren Bandendiebstahls vor dem Amtsgericht Biberach verantworten. Die Staatsanwaltschaft Ravensburg beschuldigt die seit Anfang des Jahres in Haft sitzenden Männer, Einbrüche in Erolzheim, Dettingen, Kirchdorf und Kirchberg begangen zu haben. Beim Prozessauftakt räumten die Angeklagten einen Teil der Taten ein, andere stritten sie ab.

Rückblick: Im November und Dezember des vergangenen Jahres häufen sich die Einbrüche in den Illertalgemeinden. Unbekannte versuchen Fenster und Terrassentüren aufzuhebeln, um in Häuser einzusteigen. Gelingt ihnen das Eindringen, durchwühlen sie unter anderem Schlafzimmer nach Bargeld und Schmuck. Bei ihrem Beutezug ist auch ein Wohnhaus in Kirchberg Ziel – bei diesem Einbruch werden zwei Männer gefilmt. Eine Überwachungskamera zeigt, wie ein Mann eine Schublade durchwühlt und eine Taschenlampe in der Hand hat. Ein Zweiter steht im Hintergrund.

Ende Januar veröffentlichten Polizei und Staatsanwaltschaft die Aufnahmen. Ein Wiedersehen mit diesen beiden Männern gab es jetzt. Justizvollzugsbeamte führten sie in Fußfesseln in den Gerichtssaal. Die öffentliche Fahndung hatte auf den 22-Jährigen einen so großen Druck ausgeübt, dass er sich der Polizei stellte. Genauer gesagt, hatte ihn seine Frau unter Druck gesetzt: Sie hatte ihn auf einem der Fahndungsfotos erkannt und drängte ihn daraufhin, zur Polizei zu gehen, wie der Angeklagte schilderte. Wenig später wurde dann auch der 40-Jährige festgenommen.

Staatsanwältin Tanja Kraemer geht laut Anklageschrift allerdings davon aus, dass es sich bei den beiden Tätern nicht um die vollständige Bande handelt. Zwei weitere Männer, die der Staatsanwaltschaft namentlich bekannt sind, könnten Komplizen sein. Wo sich diese derzeit aufhalten, ist unklar. Wie der 22-jährige Angeklagte vor Gericht sagte, könnte sich einer der beiden Männer auf dem Balkan befinden.

Der 22-Jährige und der 40-Jährige haben ebenfalls die Staatsangehörigkeit eines Balkanstaates. Der 22-Jährige räumte seine Taten am ersten Prozesstag teilweise ein. Er habe Streit mit seiner Frau gehabt und daraufhin zur Flasche gegriffen. Als er sich mit dem 40-jährigen Angeklagten und den beiden möglichen Komplizen traf, habe es sich so ergeben, dass er an einem Abend im Dezember mit auf Beutezug ging. Zudem sagte der 22-Jährige aus, an diesem Abend lediglich Schmiere gestanden und keinen Anteil an der Beute erhalten zu haben. Ganz ohne Zweifel blieb diese Aussage jedoch nicht. „Die Videobeweise zeigen, dass auch Sie in den Schubladen im Wohnzimmer gewühlt haben“, sagte Staatsanwältin Kraemer.

Ein als Zeuge vernommener Polizist sagte: „Es ist unglaubwürdig, dass sich der 22-Jährige zugesoffen hat.“ Auf den Filmaufnahmen vermittelte dieser einen solchen Eindruck nicht. Zudem gab der Beamte zu bedenken, dass die Angeklagten Zeit gehabt hätten, sich eine Geschichte auszudenken. Denn aufgrund der öffentlichen Fahndung hätten die beiden tatverdächtigen Männer gewusst, dass die Polizei ihnen auf der Spur sei.

Etwas schwieriger gestaltete sich die Befragung des 40-Jährigen, und das nicht, weil ein Dolmetscher übersetzen musste. Der 40-Jährige antwortete teilweise wirr und ohne Zusammenhang auf die von Richter Ralf Bürglen und Staatsanwältin Kraemer gestellten Fragen. Auch er gab an, an einem Teil der Taten beteiligt gewesen zu sein. Gleichzeitig versuchte er aber, sich als Mitläufer zu präsentieren.

Hauptaufgabe der Beweisaufnahme wird nun sein, den beiden Männern nachzuweisen, dass sie mehr als den aufgezeichneten Einbruch in Kirchberg begangen haben. Denn es gibt weder Tatzeugen noch brauchbare Spuren. Nächster Verhandlungstermin ist Donnerstag, 6. Juli, im Amtsgericht Biberach.

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