1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Ehrenamt: Aufschrei der Asyl-Helfer in Vöhringen

Vöhringen

24.01.2017

Ehrenamt: Aufschrei der Asyl-Helfer in Vöhringen

Das ist die Asylunterkunft in der Industriestraße in Vöhringen. Dort sind etwa 70 Männer untergebracht.

Dem Freundeskreis Asyl Vöhringen reichen lobende Worte nicht mehr aus. Sie fordern eine neue Stelle im Rathaus und Unterstützung durch den Freistaat Bayern.

Das sind klare Worte: „Den ehrenamtlich Tätigen im Freundeskreis Vöhringen reichen lobende Worte von amtlichen Vertretern auf die Unverzichtbarkeit des Ehrenamts im Flüchtlingsbereich mit gleichzeitigem Verweis auf angeblich ausreichende Beratungsstrukturen nicht mehr aus.“ Die in Sachen Asyl tätigen Menschen in Vöhringen fordern die Schaffung einer zu 50 Prozent geförderten Koordinationsstelle für ehrenamtlich arbeitende Helfer im Vöhringer Rathaus. Die SPD hat einen entsprechenden Antrag eingebracht, der bei der Stadtratssitzung am Donnerstag, 26. Januar, behandelt wird. Er ist Bestandteil der Tagesordnung.

Lucia Erdt vom Freundeskreis Asyl stellt in einer Pressemitteilung fest, „die existierenden Strukturen decken nicht alles ab, was Ehrenamtliche im Flüchtlingsbereich an Integrationshilfe leisten.“ Die augenblickliche Situation stelle sich so dar: Zwei zugezogene Familien, deren Asylantrag anerkannt worden ist, und Geflüchtete in Ausbildung können vom Freundeskreis nicht mehr betreut werden. „Und das deckt Betreuungsdefizite auf.“

In einer Mitteilung – überschrieben mit den Worten „Aufschrei des Freundeskreises Asyl Vöhringen – Koordinationsstelle gefordert“ – heißt es: „Die ehrenamtlich Tätigen wollen von den Amtsvertretern ernst genommen werden“ und fordern eine hauptamtliche Koordinationsstelle, die vom Freistaat Bayern noch bis Ende 2018 mit 50 Prozent fördert.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Seit dem Ansteigen der Flüchtlingszahlen im Herbst 2015 sind Ehrenamtliche in Vöhringen eine wichtige und sinnvolle Ergänzung zu den amtlichen Beratungsstrukturen. Damit leisten sie einen Beitrag zur Integration und füllen wichtige Lücken, die von professionellen Kräften alleine nicht abgedeckt werden können.

Besonders zeitaufwendig sei die Wohnungssuche, Familienpatenschaften, Hilfe bei Behörden- und Arztgängen und die Betreuung vor Ort in der großen dezentralen Unterkunft in Vöhringen, heißt es weiter in der Mitteilung. „Hier fühlen sich Ehrenamtliche als Lückenbüßer. Seit Bezug im November 2015 lässt das Landratsamt diese Unterkunft mit über 70 Geflüchteten in Vöhringen ohne Hausleitung“, so der Freundeskreis.

Ehrenamtliche in Vöhringen: Ihnen fehlt Unterstützung durch die Stadt

Ein Hausmeister besuche sporadisch das Haus und ersetze die Aufsicht vor Ort. „Dass das Zusammenleben von über 70 Männer aus verschiedenen Nationen überhaupt so lange vergleichsweise konfliktfrei verlaufen sei, verdankt das Landratsamt auch den wöchentlichen Besuchen und dem Engagement des Helferkreises.“ Eine ähnlich große Unterkunft der Regierung von Schwaben in der Nachbarstadt Senden habe eine Hausleitung vor Ort.

Kritik gibt es in dem der IZ zugeleiteten Schreiben an der Stadt Vöhringen. Während in Senden eine Vollzeitstelle für die Betreuung von Flüchtlingen geschaffen wurde und auch in Illertissen eine Stelle im Bereich Asyl zu 50 Prozent besetzt sei, „sind die Vöhringer Ehrenamtlichen bisher vonseiten der Stadt personell nicht in der direkten Arbeit mit Flüchtlingen unterstützt worden.“

Seit mehr als einem Monat bemängelt der Freundeskreis Asyl den nicht mehr frei zugänglichen Fluchtweg der Unterkunft. Was gebraucht werde, sei eine vom Landratsamt akzeptierte Person aufseiten der Stadt. Sie soll eine Schnittstelle sein, die die Unterstützung der Ehrenamtlichen und Geflüchteten im Blick hat, die Probleme vor Ort kennt und auch mal bei Landratsamt nach hakt. Davon wird sich mehr Wirkung versprochen, als wenn Ehrenamtliche dies tun.

Es werde behauptet, die Beratungskapazitäten im Landkreis reichten aus. Öffentlich werde nicht hinterfragt, ob dies daran liegt, dass die Beratungszeiten mittlerweile von Asylbewerbern nicht mehr besucht werden können, weil sie sich zum Beispiel in der Berufsschule aufhalten. Unbeachtet sei von Seiten der Stadt laut Mitteilung auch, dass Ehrenamtliche selbst personelle Unterstützung brauchen. Sie leisteten eine Menge unentgeltlich. Jetzt sei es an der Zeit, dass die Stadt Eigenmittel einbringt, um zusammen mit einer Förderung durch Bayern eine Koordinationsstelle zu schaffen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren