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Soziales

28.12.2018

Ein Abend der Begegnung von und mit Geflüchteten

Der Vöhringer Freundeskreis Asyl gestaltet im Januar einen „Winterzauber“ für alle Bürger

Nicht tatenlos auf gestrandete Menschen blicken, sondern helfen. Das hatte sich der Freundeskreis Asyl in Vöhringen im Jahr 2015 zum Ziel gesetzt, als eine Flüchtlingswelle Deutschland erreichte. Sehr schnell wurde aber das Wort Flüchtling zum Reizwort. Die Mitarbeiter des Vöhringer Freundeskreises sprechen deshalb nun nicht mehr von Flüchtlingen, sondern von Geflüchteten. Warum die Namensänderung? Das erklärt Silvia Gugler. „Der Begriff Flüchtling ist mittlerweile negativ besetzt. Wir sagen deshalb Geflüchtete, weil diese Menschen Krieg und Terror entkommen wollten. Aber auch, weil junge Menschen in ihrem Heimatland keine Perspektive für ihre Zukunft sehen.“

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Geflüchteten Hoffnung zu geben, ihnen behilflich zu sein, sich in neuer Umgebung und Kultur zurechtzufinden, praktizieren die Mitarbeiter dieses Freundeskreises wie andere auch schon seit Jahren. Deshalb gibt es am Freitag, 11. Januar, 18 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus einen Begegnungsabend von und mit Geflüchteten, aber auch mit den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern und Bürgern der Stadt.

Es soll ein Abend der Begegnung sein. Landestypische Gerichte werden angeboten. „Wir werden ganz international sein“, freut sich Silvia Gugler. Bei einem Gespräch ziehen sie und Lucia Erdt Bilanz. Nach dem starken Ansteigen der Flüchtlingszahlen im Herbst 2015 sei eine Kommunikation zwischen Geflüchteten und den ehrenamtlichen Helfern ohne Übersetzer nicht möglich gewesen. Nach mehr als drei Jahren habe sich das Bild deutlich gewandelt. Viele Geflüchtete sprechen passabel Deutsch, gehen einer Arbeit oder gar Ausbildung nach. Kinder der neuen Bürger würden an Martinsumzügen teilnehmen oder seien bereits Mitglied in Sportvereinen. Andere wurden nach Italien abgeschoben und hoffen wieder auf eine Beschäftigungserlaubnis.

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In der Gemeinschaftsunterkunft – zum Beispiel in der Industriestraße – verbleiben die Menschen, die keine bezahlbare Wohnung finden können, sich noch im Asylverfahren befinden oder nur den Status der Duldung ohne Beschäftigungserlaubnis haben. Deshalb sagt Lucia Erdt: „Integration ist weniger eine Frage des Wollens als des Dürfens.“ Sie zitierte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil: „Es kann keiner verstehen, dass wir Leute, die wir jahrelang in Deutschland geduldet haben, die Deutsch gelernt haben, die sich integriert und Arbeit haben, wieder zurückschicken oder die Beschäftigungserlaubnis entziehen, obwohl die Wirtschaft händeringend nach Arbeitskräften, zum Beispiel in der Bauwirtschaft, der Altenpflege oder im Handwerk ruft.“

„Beim Winterzauber“, so Silvia Gugler, „steht die Begegnung mit Geflüchteten in Vöhringen, aktiven oder ehemaligen Ehrenamtlichen und den Bürgern im Vordergrund.“ Es ist ein Brauch, den es bereits seit ein paar Jahren gibt und der bisher immer gut angenommen wurde. (ub)

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