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Illertissen

15.07.2020

Ein Baugebiet voller neuer Energie für Au

Heizen geht ins Geld – bei Anschaffung und Verbrauch. Für das neue Baugebiet in Au lagen zwei Konzepte auf dem Tisch, welche die Energieversorgung dort regeln könnten. Doch beide Vorschläge haben ihren Preis. Das spielte auch bei der Entscheidung durch den Bauausschuss eine entscheidende Rolle.
Bild: Patrick Pleul/dpa

Plus Die Nachfrage nach Bauplätzen im Illertisser Stadtteil Au ist groß. Doch bei der Gestaltung ist sich der Bauausschuss nicht einig. Innovative Konzepte sollen hier Wärme liefern.

Die Auer wollen bauen. Seit klar ist, dass die Stadt zwischen Brandenburger Straße und Illerweg ein Baugebiet ausweist, das Flächen in städtischem Besitz und Bauplätze in privater Hand umfasst, ist die Zahl der Interessenten in die Höhe geschnellt. CSU-Stadtrat Ewald Ott nannte im Bauausschuss die Zahl von mehr als 100 Bauwilligen, die bereits ihr Interesse an den Parzellen bekundet hatten. Jetzt hat das Gremium den Bebauungsplan für das Gelände beschlossen – und auch ein Energiekonzept für die neuen Häuser in Au auf den Weg gebracht. Dass die Bauplätze gebraucht werden, ist unter den Mitgliedern des Stadtrats unstrittig. Doch über die Gestaltung gibt es nach wie vor geteilte Meinungen.

Helga Sonntag (ÖDP/AB/Grüne) hatte bereits in der Vergangenheit den Zuschnitt des Baugebiets kritisiert – angesichts der knappen Flächen hatte sie darauf gedrungen, die Parzellen kleiner zuzuschneiden und den Bau von Doppelhäusern vorzusehen, anstatt hauptsächlich Einzelhäuser mit großzügigen Freiflächen. In der Sitzung des Bauausschusses am Dienstag wiederholte sie ihre Kritik. „Ein altmodisches, althergebrachtes Baugebiet“ werde das neue Areal, so Sonntag. „Einer so großzügigen Bebauung in einem so sensiblen Gebiet kann ich nicht zustimmen.“ Gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Gilbert Kammerlander stimmte Sonntag gegen den Bebauungsplan – doch die Mehrheit der Räte brachte die Planung auf den Weg.

Baugebiet in Au: So könnte die Wärmeversorgung klappen

Mit der Energieversorgung für das neue Baugebiet hatte sich Simon Ziegler, Klimaschutzmanager der Stadt, befasst. Denn ein Konzept lag bereits auf dem Tisch: Der Energieversorger LEW hatte untersucht, ob sich die etwa 24 Häuser, die hier entstehen könnten, mit dem Prinzip des kalten Wärmenetzes zentral mit Wärme versorgen lassen könnten. Das Prinzip: Als Heizsystem wird hier vollständig auf Wärmepumpentechnik gesetzt. Als Wärmequelle soll dabei das Grundwasser dienen, zentral für das Baugebiet erschlossen.

Der Vorteil: Im Vergleich der CO²-Emissionen liegt die Kalte Nahwärme weit unter den Werten von Öl und Gas. Doch das Konzept hat auch einige Nachteile, wie Simon Ziegler erläuterte: Für die Brunnenanlage müsste wahrscheinlich einer der Bauplätze geopfert werden. Investitionskosten von knapp 300 000 Euro müsste die Stadt auf die künftigen Hausbesitzer umlegen – die Bauherren müssten demnach mit Mehrkosten von 14 bis 20 Euro pro Quadratmeter ihres Grundstücks rechnen. Außerdem hätten diese dann keine freie Wahl bei der Art der Heizung für ihren Neubau.

Aus diesem Grund hatte Ziegler ein städtisches Gegenkonzept erstellt. Darin wird die Kombination aus Wärmepumpe, Fotovoltaikanlage und Batteriespeicher als ideal angesehen. Über eine Verpflichtung im Kaufvertrag für die Grundstücke oder finanzielle Anreize möchte die Stadt dafür sorgen, dass praktisch auf allen Dächern in dem neuen Baugebiet Solaranlagen installiert werden, um damit verschiedene Formen von Wärmepumpen betreiben zu können. Mit Erdgas werde das Gebiet ohnehin nicht erschlossen – und Ölheizungen sind in Neubauten ohnehin passé.

Fotovoltaikanlagen: Auch Stromtankstellen können versorgt werden

„Ich bin mir sicher, dass viele auch den zusätzlich erzeugten Strom nutzen werden, um damit ihre Elektro-Autos zu laden“, so Bürgermeister Jürgen Eisen. Für die Stadt entstehen durch das Konzept keine zusätzlichen Investitionen, und die Bauherren können selbst entscheiden, welche Wärmequelle sie nutzen. Einig sah sich der Bürgermeister mit Klimaschutzmanager Ziegler in der Einschätzung, dass das neue Baugebiet in Au für das Konzept der LEW eigentlich zu klein sei.

Ansgar Bauer (FW) sah das anders. Die Kosten für die Einrichtung der Wärmepumpen hielten sich in der zentralen wie der dezentralen Variante die Waage. Außerdem machte Bauer noch auf einen anderen Aspekt aufmerksam: „Wir werden künftig nicht nur zum Heizen, sondern auch zum Kühlen der Häuser Energie brauchen.“ Mit dem Prinzip des kalten Wärmenetzes sei beides möglich. Helga Sonntag schloss sich dieser Meinung an – und sie betonte, dass die Stadt eine große Chance verschenke, wenn sie eine innovative Technik wie diese nicht nutze. „Wir könnten Vorreiter sein, das Projekt wäre ein Aushängeschild für Illertissen.“

Andere Räte machte dagegen besonders der Wegfall eines Bauplatzes für die Anlage des LEW-Projektes nachdenklich. „Wenn wir hier einen Bauplatz verlieren, ist das bei der großen Nachfrage in Au nicht gut“, so Susanna Oberdorfer-Bögel (FW). Am Ende favorisierten nur Helga Sonntag, ihr Fraktionskollege Gilbert Kammerlander und Ansgar Bauer das Konzept der LEW – mehrheitlich votierte der Bauausschuss für das dezentrale städtische Konzept. Jetzt ist es an der Verwaltung, die Details auszuarbeiten.

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