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Illertissen

24.05.2019

Ein Ehrenbürger wird 75: Was Josef Kränzle für Illertissen geleistet hat

Ein Ehrenbürger wird 75: Was Josef Kränzle für Illertissen geleistet hat
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Der Illertisser Unternehmer Josef Kränzle hat Geburtstag. Als Mäzen und Kommunalpolitiker hat er viel bewegt. Als Torwartlegende schrieb er ein Stück Sportgeschichte.

Wenn es Josef Kränzle nicht gäbe, wäre einiges anders: Das Vöhlinschloss würde wohl heute noch ohne Turmuhr, Glocken und Barocksaal in einem Dornröschenschlaf dahindämmern, die Kirchenmauer vor der Stadtpfarrkirche St. Martin hätte keine originalgetreu nachgebauten kunstgeschmiedeten Tore, das Benefiziatenhaus als eines der ältesten Fachwerkgebäude der Stadt wäre womöglich verfallen, auf dem Kirchturm gäbe es kein Carillon, unweit davon keinen Friedensbrunnen, das Kloster Roggenburg hätte sich nicht zu einem hochkarätigen Bildungs- und Kulturzentrum entwickelt und der FV Illertissen würde vermutlich irgendwo in den unteren Kreisklassen kicken.

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Wenn es irgendwo mit den Finanzen klemmt: "Da fragen wir den Josef"

Die Aufzählung ließe sich ohne Weiteres fortsetzen. Der Unternehmer und Kommunalpolitiker Josef Kränzle hat in der Region sehr viel bewegt und vor allem seine Heimatstadt Illertissen nachhaltig mitgeprägt. Am Samstag, 25. Mai, feiert er seinen 75. Geburtstag. Wenn es in einer Kirchengemeinde oder einem Verein finanziell „klemmt“, lässt die rettende Idee nicht lange auf sich warten: „Da fragen wir den Josef“, heißt es dann, und wenn Kränzle überzeugt ist, etwas Gutes tun zu können, dann hilft er aus der Verlegenheit.

Dabei war es ihm gewiss nicht in die Wiege gelegt, dass er einmal mit vielen hohen Ehren bedacht würde – vom Ulrichskreuz der Diözese Augsburg über die „Sieben-Schwaben-Medaille“ und das Bundesverdienstkreuz bis hin zum Bayerischen Verdienstorden. Letzterer freut ihn besonders, weil es davon nie mehr als zweitausend lebende Inhaber geben darf und er aktuell der einzige Träger der Auszeichnung in Illertissen ist. Seine Heimatstadt hat ihn mit ihrer höchsten Ehrung, der Ernennung zum Ehrenbürger, gewürdigt.

Ein Ehrenbürger wird 75: Was Josef Kränzle für Illertissen geleistet hat

Vom Brotzeitholer zum Weltmarktführer

Als er ein Jahr vor Kriegsende hier geboren wurde, war noch nicht daran zu denken, dass er eine berufliche Laufbahn vom Brotzeitholer bei Wieland zum Weltmarktführer seiner Branche sowie eine sportliche Karriere als überregional bekannter Fußballtorwart „hinlegen“ und sich zum unbestritten größten Förderer von Kultur und Vereinen entwickeln würde, den die Vöhlinstadt je hatte. Sein Erfindergeist führte ihn über eine solide Berufsausbildung bis zum Lehrmeister, und weiter zur höchst erfolgreichen Selbstständigkeit als Hersteller langlebiger Hochdruckreiniger. Sein Motto: lieber perfekt als billig.

Sein geschäftlicher Erfolg bildete schließlich die Grundlage für sein Mäzenatentum, von dem zahllose Institutionen seit Jahren profitieren. Aus den mit schwäbischem Fleiß erwirtschafteten Gewinnen gründete Josef Kränzle eine Stiftung, die ihre Erträge aus Vermietungen bezieht und alljährlich rund dreihunderttausend Euro an Spenden vornehmlich im Altlandkreis Illertissen ausschüttet.

Kränzle machte als Torwart Karriere

Blickt man mit ihm auf seine bisherigen Lebensjahre zurück, so erzählt er besonders gern von seiner Fußballerzeit: „Bei Kolping haben wir auf dem damaligen Kollegssportplatz mit dem Kicken begonnen, und meine Eltern durften gar nicht wissen, dass ich meine Fußballschuhe beim FVI-Betreuer Majdan Alex versteckt hatte. Dann habe ich in der A-Jugend angefangen, und nach drei Spielen musste ich mitten in der Saison in die erste Mannschaft aufrücken, weil der erste Torwart aus beruflichen Gründen aufhörte und sein Vertreter verletzt war. Dann habe ich in der halben Saison sieben Elfmeter bekommen und alle gehalten – ich weiß bis heute nicht, warum!“

Josef Kränzle, Hersteller von Hochdruckreinigern mit Weltgeltung, wird morgen 75. Er ist nicht nur als Unternehmer erfolgreich, auch als Fußballtorwart feierte er Erfolge. In der Saison 1962/63 wurde er mit dem FV Illertissen württembergischer Pokalsieger. Das rechte Bild zeigt ihn mit Lebensgefährtin Andrea Stölzle bei den Vöhlin Classics 2013.

So begann eine Karriere, die dem FVI gleich den Aufstieg in die A-Klasse und im Jahr darauf den württembergischen Pokalsieg mit dem Einzug in die DFB-Hauptrunde brachte. Beim FVI hielt Josef Kränzle bis 1968 das Tor in seiner unnachahmlichen Art sauber. Es folgten vier Jahre beim SSV Ulm 1846 und schließlich weitere vier als Spielertrainer wieder bei „seinem“ FVI, dem er dann die finanzielle Basis für einen grandiosen Aufstieg legte. Dabei ist Kränzle stolz darauf, dass hier vor allem heimische Nachwuchskräfte und erfahrene Spieler aus der Region aktiv sind.

Über seine langjährigen Verdienste als Kommunalpolitiker – Stadtrat, Kreisrat und Zweiter Bürgermeister – erzählt Josef Kränzle nur, dass er „mit Herzblut“ dabei war und auch gerne über den Sitzungsbetrieb hinaus die Stadt in der eigenen Bürgerschaft und darüber hinaus repräsentiert hat, was er heute manchmal vermisst: „Es gibt Anlässe wie die Fronleichnamsprozession oder den Volkstrauertag, da gehört man als Stadtrat einfach hin.“

Kränzle will noch mehr tun für Illertissen

Die in seiner Amtszeit erreichten Erfolge freuen ihn; genau so, wie ihn manche Abstimmungsniederlage heute noch wurmt. Ein Beispiel dafür ist die abgelehnte Sicherheitswacht – „die hätte viel gebracht und nichts gekostet“ – und, dass es nach wie vor keine „König-Otto-Straße“ und keine „Herzog-Liutolf-Straße“ gibt. Den beiden wegen des „Friedens von Tussa“ im Jahr 954 so bedeutenden Persönlichkeiten für die Stadt und ganz Europa müssten eigentlich die Haupt- und die Bahnhofstraße gewidmet sein, davon ist Kränzle überzeugt. „Wir sind eine Stadt mit Geschichte“, betont er. Um dieses Andenken zu fördern, hat er noch viel vor. So will er zusammen mit älteren Mitbürgern seinen großen Bilderfundus archivieren und hofft, das noch viele Jahre tun zu können.

Die Kraft dafür holt er sich mit seiner Lebensgefährtin Andrea Stölzle bei Urlaubstagen im gemeinsamen Ferienhaus in Bardolino am Gardasee, wo beide gerade ihre historische Villa von 1727 renovieren.

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