Newsticker

Bayerns Ministerpräsident Söder will Corona-Regeln in Kommunen an Grenzwerte koppeln
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Ein Haushalt im Zeichen der Krise

20.06.2009

Ein Haushalt im Zeichen der Krise

Altenstadt Es ist ein Haushalt mit zwei Gesichtern, den Kämmerer Wolfgang Höß den Altenstadter Markträten in der Sitzung präsentierte. Auf der einen Seite glänzt er: Der Markt muss keine Schulden machen, kann Kredite sogar tilgen. Und das, obwohl er fast zwei Millionen Euro in Baumaßnahmen investiert. Das ist aber vor allen Dingen deshalb möglich, weil jetzt Zuschüsse für Projekte fließen, die der Markt bislang vorfinanziert hatte: unter anderem für die Illereicher Steige und für den Hochbehälter. Und auch für die Kinderkrippe gibt's Geld. Alles in allem rund 1,2 Millionen Euro.

Doch auf der anderen Seite sind die Zahlen deutlich gezeichnet von der Wirtschaftskrise. Voraussichtlich auf fast eine Million Euro an Steuern, vor allem Gewerbesteuer - muss der Markt im Vergleich zum Vorjahr verzichten. Und dieser immense Einbruch hat auch Auswirkungen auf den Überschuss im Verwaltungshaushalt, der die laufenden Kosten aber auch Einnahmen wie Steuern abbildet: Waren es 2008 (Höß: "ein enorm steuerstarkes Jahr") noch fast zwei Millionen Euro, die der Kämmerer davon für Investitionen dem Vermögenshaushalt zuführen konnte, so bleiben jetzt nur noch rund 760 000 Euro übrig.

Auch beim Gesamtvolumen ist der Haushalt auf das Niveau von 2006 geschrumpft: Für dieses Jahr sind gut 11,2 Millionen Euro veranschlagt. Davon entfallen 7,7 Millionen Euro auf den Verwaltungshaushalt und 3,5 Millionen Euro auf den Vermögenshaushalt. Vergangenes Jahr lag das Volumen noch bei fast 12,9 Millionen Euro. Das Resümee von Wolfgang Höß: "Passieren darf da nicht mehr viel bei einem solchen Haushalt."

Im vergangenen Jahr gab es mehr Einnahmen als erwartet

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wenn der Kämmerer das Jahresergebnis von 2008 präsentiert, dann glänzen wohl die Augen einiger Räte voller Wehmut: Bei der Gewerbesteuer gab es fast 500 000 mehr an Einnahmen als geplant, auch der Einkommensteueranteil spülte ein unerwartetes Plus von rund 100 000 Euro in die Kassen. Von diesem Rekordergebnis muss der Markt nun in diesem Jahr zehren. Denn nicht nur die Steuereinnahmen werden rapide sinken. Im Gegenzug gibt es auch nur eine geringfügig niedrigere Kreisumlage: Statt 1,98 Millionen Euro wie 2008 muss der Markt jetzt immerhin auch noch 1,91 Millionen Euro zahlen. Der Grund: Die Berechnung basiert auf den Werten von vor zwei Jahren. Doch es gibt auch bereits ein kleines Lichtlein am Horizont: Kalkulierte Höß anfangs noch mit 2,1 Millionen Euro an Gewerbesteuer, die er für 2009 erwartet, so konnte er den Ansatz jetzt sogar leicht nach oben korrigieren: 2,2 Millionen Euro stehen im Etat. Aber, das betont Höß, bei der Gewerbesteuer können sich die Schätzungen von heute auf morgen rapide verändern. Dennoch: "Wir haben eine sehr gesunde Streuung von Betrieben."

Beim Einkommensteueranteil zeigt sich die Krise hingegen kaum: Mit 1,9 Millionen Euro Einnahmen liegt die Zahl nahezu identisch beim Vorjahresergebnis - trotz einer vorsichtigen Kalkulation.

In diesem Jahr kommt der Markt Altenstadt durch eine Entnahme aus der Rücklage in Höhe von 286 500 Euro noch um eine Neuverschuldung herum. Doch im nächsten Jahr wird es damit vorbei sein. Kämmerer Höß rechnet 2010 mit einer Neuverschuldung von knapp einer halben Million Euro. Schließlich stehen die Straßenbauarbeiten an der Mühlbachstraße in Untereichen an. Und die verschlingen mehr als 300 000 Euro. Er hatte gehofft, den Überschuss von 2008 - immerhin rund 285 000 Euro - mit ins Jahr 2010 hinüberretten zu können. Der Einbruch der Gewerbesteuer hat ihm nun einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Als einziger Rat stimmte Helmfried Stölzle gegen den Haushalt. Seine Begründung: Der Schuldenabbau von 374 000 Euro sei nur durch einen Griff in die Rücklagen möglich, da habe es im vergangenen Jahr Versäumnisse gegeben. Zudem ist er der Meinung, dass die Kinderkrippe billiger hätte realisiert werden können: "Sie werden an mich und meine Worte noch denken."

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren