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Illertissen

10.02.2018

Ein Illertisser ist bei Olympia dabei

Der deutsche Profisnowboarder Johannes Höpfl in der Halfpipe am Copper Mountain in den USA. Höpfl wird in Südkorea für das deutsche Snowboardteam an den Start gehen – und vielleicht eine Medaille mit nach Hause bringen.
Bild: Julian Pfister

Für Julian Pfister geht ein Traum in Erfüllung: Der 31-Jährige ist momentan in Südkorea und unterstützt dort das deutsche Snowboardteam – allerdings nicht als Sportler.

Ja, einmal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, das sei schon sein Traum, sagt Julian Pfister aus Illertissen. Er ist fasziniert vom Wintersport – ganz besonders vom Snowboarden. Die Brettsportart habe es ihm einfach angetan. Und jetzt ist sein Traum in Erfüllung gegangen: Pfister darf bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang dabei sein. Allerdings steht Pfister nicht selbst auf dem Brett – er leistet aber einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Sportler fit an den Start gehen können. Denn der 31-Jährige ist ausgebildeter Physiotherapeut mit den Schwerpunkten Sportphysiotherapie und Säuglings- und Kindertherapie. Er kümmert sich also momentan darum, dass die Snowboardathleten möglichst verletzungsfrei durch die Wettkämpfe kommen.

Zu diesem Beruf ist Pfister – wie hätte es anders sein können – durchs Snowboarden gekommen: Er habe diesen Sport selbst „semi-professionell“ betrieben, sei Wettkämpfe gefahren und in Österreich, der Schweiz und natürlich Deutschland an den Start gegangen. Seine Disziplin: Freestyle. Darunter gibt es wieder einige Kategorien. Im Allgemeinen bedeutet es aber, über Rampen und Hindernisse zu fahren und dabei hohe Sprünge mit etwas Akrobatik zu verbinden. „Das war eben in der Zeit, in der Snowboarden voll im Trend war“, sagt er.

Heute hätten sich die Umstände für die Wintersportart gewandelt: Die Preise für die Pistennutzung stiegen und oft fehle einfach der Schnee. Dabei liebe es Pfister, auf dem Brett zu stehen, umgeben von Bergen, Schnee und der Natur, vor welcher er natürlich Respekt hat, wie er sagt. Beim Freestyle sei außerdem die Kreativität gefordert – jeder habe dabei seinen ganz eigenen Stil, das gefalle ihm besonders. Eigentlich wollte Pfister damit groß rauskommen, eines Tages Snowboardprofi werden. Doch es sollte nicht sein.

Olympia 2018: Julian Pfister ist nicht nur der therapeutische Ansprechpartner

Als Jugendlicher verletzte sich der Illertisser, der im Winter jede freie Minute für sein Hobby nutzt, an der Schulter. Sein Vater – ein Physiotherapeut – half ihm wieder auf die Beine. „Das hat mich fasziniert. Man braucht jemanden, der einen bei der Regeneration und Rehabilitation begleitet.“ Und jetzt, etliche Jahre später, ist Pfister selbst derjenige, der sich um solche „Fälle“ kümmert. Er wolle es aber gar nicht erst dazu kommen lassen, dass seinen Sportlern etwas passiert, erzählt er. Deshalb sei beispielsweise das Dehnen schon bei den jungen Nachwuchstalenten wichtig. Pfister ist über seinen Kumpel und Snowboardnachwuchstrainer Friedl May als Physiotherapeut zu den deutschen Nachwuchssportlern gekommen und dort – als medizinische Fachkraft – fürs olympische Team entdeckt worden. Das ist nun rund vier Jahre her. Er wollte sein Wissen weitergeben, sagt Pfister und hätte nie damit gerechnet, nun Freestyleprofis wie Silvia Mittermüller und Johannes Höpfl therapeutisch betreuen zu dürfen. „Man muss dann noch eine Fortbildung abschließen, damit man an den Olympischen Spielen teilnehmen darf“, erklärt er. „Das ist aber klar, man behandelt da ja die besten Sportler Deutschlands.“ Das sei eine tolle Erfahrung.

Ein typischer Tag vor einem Wettkampf sieht für den Illertisser so aus: Der Wecker klingelt vor 5.45 Uhr, denn um diese Uhrzeit steht schon der erste Athlet vor Pfisters Tür. Dann wird getapt, wie er sagt. Durch den Tapeverband sollen Gelenke oder Muskeln geschützt werden. Gegen 7.30 Uhr verlassen die Sportler das Haus und die Trainingszeit beginnt. Pfister geht mit auf die Piste – er ist nicht nur der physische Therapeut der Athleten, sondern auch der Assistet der Freestyletrainer Michael Dammert und Luka Gartner. „Ich motiviere die Sportler mental“, sagt er. Das heißt: Pfister versucht den Druck, der auf den Schultern der Profisportler lastet, zu lindern. „Ich bin da, wenn es Probleme gibt, auch private.“ Die Snowboarder seien schließlich monatelang ohne ihre Familien und Liebsten unterwegs. „Ich bin quasi die Zweigstelle zwischen Trainer und eine Art Vertrauensperson.“

Angst hat der Illertisser nicht

Während Pfister sich um die Topathleten des deutschen Freestyle-Snowboardteams kümmert, bekommt er von zu Hause volle Unterstützung. Denn in Illertissen muss die Praxis, in der er für gewöhnlich arbeitet, weiterlaufen. „Von November bis April betreue ich die Sportler weltweit und bin nicht in der Praxis“, sagt Pfister. Das gehe nicht ohne eine gut funktionierende Familie. Sowohl das Praxisteam, als auch seine Familie, Freunde und seine Freundin hielten ihm den Rücken frei.

Große Angst, in das Nachbarland des totalitär regierten Nordkorea zu reisen, hat der Hobbyfotograf übrigens nicht. „Ich versuche, diese Zeit zu genießen.“ Und ganz alleine ist er ja auch nicht: Deutschland schickt laut Pfister immerhin die meisten Sportler, die in der Sparte Snowboard antreten, nach Pyeongchang.

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