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Xavier de Maistre

14.05.2012

Ein Pionier vielseitigen Harfenspiels

Xavier de Maistre trat zusammen mit dem Kammerorchester „L’arte del mondo“ unter Leitung von Werner Ehrhardt in der Illertisser Kollegsaula auf.
Bild: Otto Mittelbach

Zum fünften Mal wurde er in Illertissen umjubelt

Illertissen Was hat er nicht schon alles für sein Instrument vereinnahmt, Klassisches, Modernes oder romantische Klaviermusik! Vielseitig wie wohl kein Zweiter ist Xavier de Maistre unermüdlich um weitestmögliche Ausweitung der Literatur für sein Instrument bemüht. So entstand vor zwei Jahren, nach einem Konzert in Illertissen die Idee, italienische Barockmusik zu adaptieren. Ihre unter dem Titel „Notte Veneziana“ erschienene CD-Einspielung bildete dann auch das Programm für den fünften Auftritt des Meisters bei „Kultur im Schloss“.

Und zum zweiten Mal war das von Werner Ehrhardt geleitete Kammerorchester „L’arte del mondo“ dabei, das in die voll besetzte Kollegsaula Originalklänge im Sinne venezianischer Doppelchörigkeit zauberte. Kraftvolles Zupacken und, dazu kontrastierend, federleichtes Saitenspiel kennzeichneten ein beschwingtes Musizieren, das sich durchaus auch emotional bestimmt zeigte. So erlebten die Zuhörer Antonio Vivaldis Ouvertüre zur Oper „L’Olimpiade“.

Sehr feinsinnig hat Stefan Klieme für den großen Harfen-Maestro gleich drei Konzerte von Antonio Vivaldi übertragen. In munterem Duettieren, mit Echowirkung und im gemeinsamen Fortspinnen der Thematik entwickelte sich im Konzert für Laute ein quicklebendiger Dialog, dem die Harfe mit meisterhaft interpretiertem filigranen Figurenwerk Glanzlichter aufsetzte. Ihren melodischen Glockengesang im Adagio begleiteten die hohen Streicher mit lang ausgehaltenen Tönen, während die Bässe pizzikato assistierten.

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In der Grande Fantaisie „La Mandoline“, einem Virtuosenstück des Engländers Elias Parish-Alvars, den Hector Berlioz einst „Liszt auf der Harfe“ genannt hatte, entfaltete de Maistre sein fulminantes technisches Können gepaart mit enormem musikalischen Ausdrucksvermögen. Den Solopart des Oboenkonzert in d von Alessandro Marcello, das auch Bach schon für Orgel adaptierte, adelte er durch die Würde des Vortrags. In den Figurenreichtum bezog er Passagen ein, die das Klangbild wie einen sanften Schleier umgaben. Und im langsamen Satz ergänzte er die prächtig herausgearbeitete Solostimme durch schlanke Begleitakkorde.

Von der Kirchenmusik und dem strengen Satz bestimmt war das den venezianischen Klängen deutlich gegenüberstehende Concerto a Quattro des Neapolitaners Francesco Durante, dessen kontrapunktische Verzweigungen das Orchester genüsslich auskostete.

Eine innige Melodie soll den Regen vergessen machen

Zwei weitere Konzerte für Harfe hat Vivaldi im Original der Violine zugeteilt, so auch das op. 8 „Die Jahreszeiten“ als Frühform für Programm-Musik. Dem rauen Winter, mit „gekratzten“ Tönen geschildert, setzt die Harfe eine innige Melodie entgegen, die, in der warmen Stube zu hören, den Regen draußen vergessen machen soll. Und als würde der Wind durch die Harfensaiten fächeln, entwickelt sich aus äußerstem Pianissimo das quirlige Thema des hier den prächtigen Abschluss eines großartigen Abends bildenden Allegros.

Danach dankten die Zuhörer, darunter gleich 35 Harfenschüler und -schülerinnen zwischen sechs und 19 Jahren, stehend für das Gebotene. Mit Felix Godefroids „Carnaval de Venise“ führte der Meister nochmals vor Augen, was alles auf der Harfe möglich ist, um sich danach mit dem Orchester und einschmeichelnden Klängen des Venezianers Tomaso Albinoni zu verabschieden.

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