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Festival II

20.10.2015

Ein Ton-Magier auf Stäben

Rotbekopfte Schlägel unterstützen das Erscheinungsbild des Ton-Magiers, der am Marimbafon eine meditative Komposition zu Ehren seiner gestorbenen Großmutter vorträgt.
Bild: Regina Langhans

Schlagzeuger Simone Rubino lässt sein Publikum staunen

Mit zwei Sticks bringt er die Schranne zum Pulsieren und vier Schlägel sind dem Italiener Simone Rubino gerade recht, um vierstimmig auf dem Marimbafon zu spielen. Der ARD-Preisträger und Masterstudent ließ das Festival „Junge Künstler – Stars von morgen“ am sechsten Veranstaltungstag eindrucksvoll mit wildem Trommelwirbel enden. Das Publikum staunte und klatschte begeistert, der Künstler ging von der Bühne nach Zugaben ab, wie er gekommen war, mit magischen Klängen der Sticks.

Einen ganzen Lastwagen voll Schlagwerk-Instrumenten hatte der Künstler für seine Performance aufgebaut, denn der frühere Opernsänger verstand es vorzüglich, neben dem Instrumentenpark sich selbst zu inszenieren. Dabei erwies sich der grazile Schlagzeuger durchaus als Meister der leisen Auftritte, Töne und dezenten Schallwellen.

Simone Rubino eröffnete sein Schlagzeugkonzert, indem er die Sticks zwischen den Fingern tanzen und klingen ließ, erst leise und schließlich laut mit finalem Wirbel auf der kleinen Trommel. Darauf unternahm der Künstler einen Spaziergang über die Bühne und durch die Klangwelt seiner Schlagwerke.

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Zum Beispiel Roberto Boccas Trilogie mit „Dialogo“ am Schlagzeug-Set, „Tangaccio“ am Marimbafon und einem verjazzten Bossa Nova, genannt „Esegesi“ auf dem im Jazz bevorzugten Vibrafon.

Theatralisch mutete an, wie Simone Rubino das Verdunkeln des Saals anordnete, um Casey Cangelosis „Bad Touch“ in Szene zu setzen: Die Musik, unterlegt mit Textfragmenten und verstörenden Geräuschen als Background, kam aus der Konserve. Dazu agierte der Künstler im Scheinwerferlicht, wobei er mit einem roten Stab die Klangkulisse zu erzeugen oder zu befehligen schien. Die Pantomime gelang derart perfekt und konnte Zweifel aufkommen lassen, ob Passagen teilweise doch live gespielt waren. Simone Rubino wirbelte, drehte, schob den Stab – eine akustisch wie ästhetisch gelungene Performance.

Neugierig darauf, was alles wie unterschiedlich klingen kann, hatte Rubino mit Schüsseln und Töpfen experimentiert. Mit der so erzeugten elektronischen Klangkulisse unterlegte er „One Study One Summary“ von John Psathas‘, um daraus auf der Marimba eine fast meditative Melodie zu komponieren.

Simone Rubino lebt in seiner Musikwelt und ließ die Zuhörer daran teilhaben. Den Tod der geliebten Großmutter verarbeitete er in einem sphärisch angelegten Stück auf der Marimba. Weich gespielte Melodiefolgen schienen im Nichts zu entschwinden. Temporeich gab er die arrangierte Improvisation über den Bossa Nova „Chega de saudade“ von Garry Burton, ebenso wie zuletzt Iannis Xenakis‘ Klassiker „Rebonds B“ am Schlagzeug-Set. Beim Spiel von großer Trommel, Tom-Tom, Konga und Holzblocktreppe ging Rubino richtig auf. Den Abend hat er virtuos ohne Noten gemeistert. „Die stören“, versichert er, doch alles sei genau notiert. Großen Respekt vor so viel Talent. (lor)

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