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Vöhringen

19.01.2019

Ein Vöhringer findet seine Erfüllung in der elterlichen Backstube

Teig kneten, daraus ein Brot zu formen – ganz einfach Bäcker sein. Darin hat David Wiedenmayer seine berufliche Bestimmung gefunden.
Bild: Ursula Katharina Balken

Der Vöhringer David Wiedenmayer machte an vielen beruflichen Stationen halt, ehe er seine eigentliche Bestimmung fand. Geholfen hat ihm dabei auch der Jakobsweg.

Es ist müßig, zu fragen, wer sich mehr freut – Bäckermeister Kurt Wiedenmayer, weil sein Betrieb in der vierten Generation weitergeführt werden kann oder Sohn David, der nach Jahren des Suchens seine berufliche Bestimmung gefunden hat und in die Fußstapfen seines Vaters treten kann. Die Freude ist auf beiden Seiten groß. „Es ist gut, wenn man weiß, was einen ausfüllt, zufrieden stellt und beruflich glücklich macht“, sagt David Wiedenmayer. Seine Entscheidung, Bäcker zu werden, hat sich der 34-Jährige nicht leicht gemacht. „Aber einen Laib Brot mit Herzblut zu formen, ist für mich direkte Berührung mit der Natur. Das empfinde ich als etwas Wertvolles.“

Was die Eltern aufgebaut haben, will er weiterführen

David Wiedenmayer ist aber kein romantischer Schwärmer, er sieht die Situation des Handwerks durchaus realistisch. Und er ist bodenständig, fühlt sich dem Erbe seiner Eltern verbunden, die mit viel Arbeit ihre Bäckerei in der Wannengasse in Vöhringen aufgebaut haben, bekannt als „Der Dinkelbeck“.

Sein Weg zum Bäckermeister, den er in wenigen Monaten beendet, um den Betrieb seines Vaters zu übernehmen, war ziemlich kurvig. Nach Haupt- und Wirtschaftsschule, Abitur an der Fachoberschule war sein Ziel eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann. Wenn er so von seinem Werdegang berichtet, sagt er lachend, „ich bin analog geboren und digital aufgewachsen“. Vorher jedoch ging es um die Frage: Bundeswehr oder Zivildienst. „Ich entschied mich, als Zivi zu arbeiten, wollte aber nicht in die Pflege. Ich ging in ein Obdachlosenwohnheim.“ Was er dort sah und erlebte, prägte den jungen Mann. Seine Erkenntnis, die er aus dieser Zeit zog, hieß: keine Vorurteile, keine Pauschalisierung. Er traf auf Menschen, die durch Schicksalsschläge aus ihrer geordneten Bahn geworfen wurden. „Wenn jemand zum Alkoholiker wird, braucht er keine Verurteilung, sondern Zuwendung.“

Der heutige Bäcker arbeitete auch schon für Daimler

Nach dem Zivi-Jahr entschloss sich David Wiedenmayer für das Studium des Design- und Projektmanagements. Das interessierte ihn. Er arbeitete in der Forschung für Daimler, war bei einer Agentur in Österreich beschäftigt, flog durch die Welt. „Ich hatte ein gutes Einkommen, hätte zufrieden sein können, war es aber nicht. Ich kam an einen Punkt, an dem ich mich fragte: ’Will ich fortwährend dem beruflichen und pekuniären Erfolg nachjagen – kann das der Sinn meines Lebens sein? Oder will ich zurück zu anderen Werten?‘“ Nachdenklich fügt er an, man könne auch ein innerer Millionär sein.

So stellte er sich die Frage, ob er nach Vöhringen zurück in den Familienbetrieb, den es immerhin schon seit 1908 gibt, kehren und Bäcker werden soll. Oder ob er so weiter machen wolle, wie bisher.

Was er in dieser Zeit sehr schätzte, war die Toleranz seiner Eltern. „Sie sagten immer, schau dich in der Welt um. Du sollst das tun, was dich innerlich erfüllt.“ Für diese Großherzigkeit war er sehr dankbar, weil er so keinem Druck ausgesetzt war. Aber David Wiedenmayer wusste auch, dass er zu einer Entscheidung kommen musste. Sein Vater war damals knapp 70 Jahre alt und dachte langsam daran, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. Was würde dann aus dem Betrieb, aus dem Geschäft und dem kleinen Café werden, das seine Mutter Elisabeth mit viel Liebe zum Detail eingerichtet hatte?

Der Jakobsweg ist für Wiedenmayer der Weg zur Entscheidung

David Wiedenmayer machte sich auf den Jakobsweg. „Ein Weg zur Entscheidungsfindung“, wie er sagt. 780 Kilometer Natur begleiteten ihn, gedanklich näherte er sich immer mehr dem Entschluss, aus seinem Beruf auszusteigen und Bäcker zu werden.

Nach seiner Rückkehr ging er nach Berlin und arbeitete in einer Bäckerei. Neu war das für ihn nicht. Schließlich war ihm eine Backstube vertraut, hatte er doch als Kind selbst Plätzchen gebacken. „In Berlin war das eine besondere Bäckerei, jeder Mitarbeiter war auch Besitzer des Betriebs.“ Ein Geschäftsmodell, das er interessant fand.

Dann stand sein Entschluss fest: „Ich werde Bäcker.“ Er durchlief eine Lehre im väterlichen Betrieb, wurde Geselle und strebt jetzt die Meisterprüfung an. Dafür fährt er nach Stuttgart. In einem halben Jahr ist auch das geschafft. „Ich lernte Praxis, Theorie, Betriebswirtschaft und machte die Ausbildereignungsprüfung.“ Um sich Meister nennen zu dürfen wird verlangt, Brot, Semmel und feines Backwerk herzustellen, aber auch Torten.

Zurück zu Wertigkeit und Qualität in der Backkunst

„Es ist ein gutes Gefühl, etwas mit den Händen zu schaffen, das den Kunden zusagt, die das Engagement des Bäckers schätzen.“ Für David Wiedenmayer steht der Mensch im Mittelpunkt und er verknüpft damit seine Philosophie. „Wir vermitteln mit unseren Produkten ein Stück Natur.“

Und wie schätzt er die Zukunft ein, nachdem viele Handwerksbetriebe schließen und die Kunden ihr Glück im Supermarkt suchen? „Wenn Wertigkeit und Qualität wieder mehr geschätzt werden und das zeichnet sich bereits ab, dann ist mir nicht bange.“

Mit einem guten Konzept kann man überleben. Das heißt für ihn, weiter auf Dinkelprodukte zu setzen. Denn damit ist die Bäckerei seit 1991 erfolgreich.

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