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Festival

12.10.2016

Ein Zwiegespräch auf zwei Flügeln

Alina und Nikolay Shalamov eroberten als junge Künstler am Klavier die Herzen ihres Publikums in der Festhalle des Kollegs. Sie haben 2009 ihr Klavier-Duo gegründet und sind nicht nur beim entsprechenden Masterstudiengang in Rostock ein Paar, sondern auch im wirklichen Leben.
Bild: Regina Langhans

Alina und Nikolay Shalamov beherrschen die Musik im Duett

Der glänzenden Eröffnung des Festivals für Nachwuchs-Stars mit Solisten und Orchester im Kollegs-Festsaal in Illertissen folgte am Sonntag ein besonderer Klavierabend: Das Konzert mit dem Pianisten-Duo Alina und Nikolay Shalamov. Sie nehmen am deutschlandweit nur an der Hochschule in Rostock angebotenen Masterstudiengang für Klavier-Duo teil. Sie präsentierten Klaviermusik vielerlei Art, auch vierhändig. Nach über zwei Stunden hatte sich das junge Paar in die Herzen der Zuhörer gespielt und großen Beifall erhalten.

Schon die Bühne war ein Hingucker, indem der 30 Jahre alten Steinway-Flügel sein baugleiches Pendant gegenübergestellt bekam. Nicht von ungefähr hatte Freundeskreis-Vorsitzender Fritz Unglert derartigen Aufwand betrieben und das Instrument aus München kommen lassen. Auch der vor jedem Konzert bestellte Klavierstimmer hatte doppelte Arbeit zu verrichten.

So waren die Erwartungen groß, als Alina und Nikolay Shalamov an den Instrumenten gegenübersitzend Platz nahmen. Im Auftreten wirkten sie entschlossen, Nikolay Shalamov jungenhaft motiviert, Partnerin Alina beherrscht und konzentriert. Interessant war, wie sie Blickkontakt hielten, die Einsätze koordinierten.

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Sie begannen mit der „Fantasie für eine Orgelwalze“ in f-Moll für zwei Klaviere von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Die für mechanische Orgeln geschriebene Trauermusik ist heute in Kirchen zu hören. Beim Vortrag überraschten die Pianisten mit dem imposanten Zusammenklang zweier Flügel. Sodann gab es Klaviermusik von György Kurtág (geboren 1926) auf witzig-spielerische Art, indem das Paar einen Musikzyklus, etwa „Blumen die Menschen...“ mit dem Verweis „sich umschlingende Töne, Version 1“ vierhändig ineinandergreifend auf einem Instrument vortrug.

Abwechslungsreiche komplexe Klaviermusik war geboten bei der Sonate für zwei Klaviere von Paul Hindemith (1895-1963). Das Opus mit fünf Sätzen begann als klangvolles, mal vom einen, mal vom anderen Flügel dominierten „Glockenspiel“. Sehr poetisch, wie aus einem Klangkörper, gelang ihnen das Rezitativ des altenglischen Gedichts eines Anonymus um 1300. Die Sonate endete mit einer Fuge, wobei vier Hände die nebeneinander laufenden Tonfolgen kunstvoll ineinander verwoben. Für Introduction und Allegro für Klaviere von Maurice Ravel (1875-1937) wechselte das Paar die Seiten, wobei von der einen der impulsive Auftakt, von der anderen perlende Melodien einsetzen.

Virtuosität war gefragt beim vierhändigen Vortrag von Johannes Brahms (1833-1897) Walzer, opus 39. Denn es galt, im Zuge der 16 Variationen jeweils andere Vorzeichen je nach Dur- oder Moll-Tonart zu beherzigen. Mit Alexander Skrjabins Fantasie in a-Moll, opus posthum, galt es wiederum, schwere Notenkost zu verarbeiten. Die Pianisten schien das nicht zu stören.

Sie hatten sich vielmehr freigespielt und, sichtbar glücklich über reichen Applaus, ließen sie sich von einer Zugabe zur anderen tragen. Schade nur, dass die hinteren Sitzreihen leer geblieben waren.

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