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Jedesheim

08.01.2021

Ein altes Fachwerkhaus in Jedesheim verschwindet

Beginn der Abbrucharbeiten an dem markanten historischen Gebäude in der Bayernstraße in Jedesheim.
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Beginn der Abbrucharbeiten an dem markanten historischen Gebäude in der Bayernstraße in Jedesheim.

Plus An der Bayernstraße ist ein markantes Gebäude abgerissen worden. Es ist damit für immer aus dem Ortsbild verschwunden. Der Besitzer nennt die Hintergründe.

Eines der ältesten Jedesheimer Häuser ist abgerissen worden und damit auch für immer aus dem Ortsbild verschwunden. Erwähnt wird das Gebäude, das den Hofnamen „Beim Kräner“ und später auch „Beim Sattler“ trug, im Buch „Jedesheimer Häusergeschichten“, das der Heimatverein Jedesheim herausgegeben hat und das von Valentin Mayer, Wilfried Läbe und Reinhold Kornegger gestaltet wurde. Der Dorfchronist und Altbürgermeister Valentin Mayer geht davon aus, dass es sich bei der im Urkataster im Jahr 1587 erstmals erwähnten Hofstelle sogar um das älteste Haus in Jedesheim gehandelt hat.

Früher wurde dort Gerste gehandelt

Die Bausubstanz war letztlich bereits so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass eine Sanierung des markanten Fachwerkgebäudes an der Bayernstraße im Hinblick auf den Kostenaufwand keinen Sinn mehr ergeben hätte. Dies berichtet der Besitzer Helmut Strang.

Blick ins Innere: Die landwirtschaftliche Hofstelle war stark einsturzgefährdet.
Bild: Armin Schmid

Das Fachwerkgebäude, das nach Auskunft des Besitzers nicht unter Denkmalschutz stand, lag zentral im Ortsmittelpunkt im Bereich des ehemaligen Rathauses, des ehemaligen Dorfgasthauses „Zum Löwen“, und auch unweit vom Dorfladen. Bekannt ist, dass der Gerstenhändler Hans Gschwilm das Anwesen im Jahr 1772 gekauft hat. 1779 führt sein Sohn Xaver den Gerstenhandel fort, der bis ins Jahr 1851 aufrechterhalten wird. In diesem Jahr erwerben der Sattler Michael Schmid und seine Frau Magdalena die Hofstelle, die neben der 13,43 Tagwerk großen Landwirtschaft noch eine Sattlerei betreiben. Das Sattlergeschäft wird bis circa 1920 betrieben und von der Witwe Franziska Langenwalter, deren Mann Michael Schmid im Krieg gefallen war, nach Illertissen verlegt.

Pläne: Werden an dieser Stelle bald alte Autos repariert?

Einen Meilenstein in der Geschichte stellt das Jahr 1930 dar. Der Schmiedemeister Johann Selg tauscht sein Anwesen in der Pfarrer-Steiner-Straße 10 gegen die Hofstelle an der Bayernstraße ein. Die danebenliegende Dorfschmiede ist heute noch erhalten und laut Helmut Strang auch funktionsfähig. Nach einer Zwangsversteigerung erwirbt Martha Selg die Hofstelle und betreibt darin eine Ziegenzucht.

Vor rund 15 Jahren hat Helmut Strang das baufällige Gebäude erworben. Wegen der bestehenden Einsturzgefahr hat der Besitzer den Fachwerkbau abreißen lassen müssen. Die ehemalige Schmiede nutzt Helmut Strang vorrangig für sein Hobby, das Sammeln und Instandsetzen von Oldtimern. Wie es nun mit dem freien Grundstücksbereich an der Bayernstraße weitergeht, ist noch nicht endgültig geklärt. Helmut Strang würde gern eine Fahrzeughalle errichten. Eine entsprechende Planung gibt es schon. Ob sich dies verwirklichen lässt, hängt vor allem davon ab, ob sich das Projekt für den Besitzer wirtschaftlich gestalten lässt und ob entsprechende Fördermittel aus der Dorferneuerung gewährt werden können.

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