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Unterroth

06.04.2019

Ein neuer alter Treffpunkt für das Dorf

Bianca Hämmerle will in ihrem Dorfladen auch einen Ort zum gemütlichen Kaffeetrinken und ratschen anbieten.
Bild: Franziska Wolfinger

Bianca Hämmerle gibt ihren Job auf und übernimmt den Dorfladen in Unterroth. Kindheitserinnerungen haben sie dazu inspiriert.  

Die Glastür öffnet sich, eine Frau betritt den noch leeren Verkaufsraum. „Das finde ich echt toll, dass du das jetzt machst!“, sagt sie zu Bianca Hämmerle, die den Dorfladen in Unterroth wieder eröffnen wird. Derzeit steckt Hämmerle aber noch mitten in den Vorbereitungen. Gerade wurden die neuen Regale geliefert, die nun aufgebaut werden müssen. Ihre Besucherin Luise Walser hindert das allerdings nicht daran, schon mal eine Bestellung aufzugeben. Zehn Brezen würde sie am Donnerstag nächste Woche gerne abholen.

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Für Hämmerle scheint das Geschäft gut anzulaufen. Die 42-jährige gelernte Einzelhandelskauffrau hat ihren Job bei einer bekannten Discounterkette aufgegeben, um sich voll und ganz dem „kleinen Laden“ in Unterroth widmen zu können. Von dem Gerede darüber, wie schwer es Dorfläden in der heutigen Zeit haben, lässt sie sich nicht abschrecken. Im Gegenteil: Sie sieht großes Potenzial in dem Geschäft. Die Lage an der Unterrother Ortsdurchfahrtsstraße sei sehr gut. „Es ist der letzte Laden vor der Autobahn, an dem die Autofahrer direkt vorbeikommen“, erklärt sie. Für die Pendler, die auf dem Weg zur Arbeit noch Brotzeit holen wollen, wird Hämmerle künftig schon um sechs Uhr morgens öffnen. Das erste Mal am 9. April. Nervös sei sie angesichts des nahenden Termins und des derzeit noch fast leeren Ladens nicht. In ihrer Zeit als Marktleiterin bei einer Discounterkette hat sie schon viele Neueröffnungen miterlebt. „Irgendwo hat es da immer gehakt“, sagt Hämmerle. Aber am Ende gehe es dann doch immer gut.

Das Regal mit regionalem Honig steht schon für die Kunden bereit.

Hämmerle lebt seit neun Jahren in Unterroth und war von Anfang an fasziniert von dem Dorfladen, der damals noch Ute’s Lädele hieß. „Damals habe ich zu meinem Freund gesagt, dass ich irgendwann dort arbeiten werde.“ Als Anfang März bekannt wurde, dass Hämmerles Vorpächterin das Geschäft aus gesundheitlichen Gründen nicht weiterführen kann, ermutigte ihr Freund sie, den Laden zu übernehmen. Das Paar arbeitet derzeit gemeinsam daran, dass zur Eröffnung nächste Woche alles bereit ist.

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Der Laden soll kein unpersönlicher Ort sein

Die 42-Jährige hat genaue Vorstellungen davon, wie ihr Laden sein soll: kein unpersönlicher Ort, an dem sich die Leute nur kurz das Nötigste besorgen. Die Kunden sollen ratschen, sich über die Neuigkeiten im Ort austauschen. An zwei kleinen Tischen sollen sie sich setzen und Kaffee trinken oder eine Kleinigkeit essen können. Vorbild für ihr Konzept ist die Bäckerei in ihrem Heimatdorf Eggenthal im Allgäu. An die hat Hämmerle nur beste Kindheitserinnerungen – an Mohrenkopfsemmeln und Eis, das sie sich mit ihren Freundinnen dort ab und zu geholt hat.

Gerade wurden die letzten Möbel für den Dorfladen angeliefert.

In dem Dorfladen sollen die Unterrother künftig verschiedene regionale Produkte finden, wie etwa Honig von einem Imker aus dem Ort, Pralinen von La Pralina aus Oberroth oder Semmeln von der Bäckerei Miller aus Edelstetten. Außerdem soll es Geschenkkörbe geben. Hämmerle will ihre Kunden auch mit Dingen locken, die es im typischen Supermarkt nicht gibt. Klar ist jedoch auch, dass sie kein allzu umfassendes Sortiment anbieten kann. Wenn jemand etwas Bestimmtes braucht, beispielsweise einen Hosengummi, werde sie das gern besorgen, kündigt Hämmerle an. Dass die Leute bei ihr nicht ihren Wocheneinkauf erledigen werden, sei klar. Die Einzelhandelskauffrau will in ihrem Laden den täglichen Bedarf abdecken, Semmeln für das Frühstück oder Milch, die plötzlich leer wird. Wie wichtig der Laden für die Unterrother ist, bestätigt auch Kundin Luise Walser: „Die älteren Leute müssen auch hier im Ort einkaufen können“, sagt sie. „Alle warten schon sehnsüchtig auf die Eröffnung.“

Öffnungszeiten: Der kleine Laden in Unterroth wird ab Dienstag, 9. April, werktags von 6 bis 13 Uhr geöffnet sein. Samstags schließt das Geschäft dann etwas früher.

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