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Religion

19.05.2018

Eine Kirche im Dornröschenschlaf

Die Martinskirche in Illerberg ist ausgeräumt, die Innenrenovierung in vollem Gange. Bis Ostern 2019, so hofft Kirchenpfleger Martin Lieble, könnte das Gotteshaus in neuem Glanz erstrahlen.
Bild: Ursula Katharina Balken

Das Gotteshaus in Illerberg wird derzeit saniert. Bänke und Figuren sind mittlerweile ausgeräumt. Bis zur Wiedereröffnung ist noch einiges zu tun

Die Martinskirche in Illerberg steht vor dem letzten Schritt ihrer umfangreichen Restaurierung. Wie berichtet, wird in den kommenden Monaten der Innenraum des Bauwerks komplett renoviert. Ein Jahr lang werden die Pforten der Kirche deshalb geschlossen bleiben. Kirchenpfleger Martin Lieble gibt sich optimistisch, dass voraussichtlich das Osterfest 2019 wieder in der Pfarrkirche begangen werden kann.

Der Weiße Sonntag wurde noch in der Martinskirche gefeiert, danach begann das große Ausräumen. Zuvor wurde in einer Prozession das Allerheiligste in den Pfarrhof getragen. „Viele Menschen waren gekommen, die Kinderkirche war auch dabei und Pfarrer Antony Pullokaran spendete seinen Segen. Es sollte ein Ereignis werden, an dem alle Menschen teilhaben sollten als Zeichen der Gemeinsamkeit“, sagt Lieble.

Eine Woche habe es gedauert, die Kirche auszukernen. Im Einzelnen habe das so ausgesehen: Die Beichtstühle wurden im Chorraum aufgestellt und mit Plastik eingehüllt. Bebilderte Kreuzwegstationen, Figuren und sonstige Gemälde wurden privat untergebracht. Die Kirchenbänke samt Podesten fanden eine Unterkunft bei einem Schreiner in Pfuhl.

Einige große Bilder von den Seitenaltären wie auch die prächtig mit Gold verzierte Kanzel werden von Fachleuten an Ort und Stelle restauriert und wieder auf Hochglanz gebracht. Zum Säubern des Innenraums wird ein besonderes Verfahren angewandt. Es soll Zeit sparen und dabei auch effektiv sein. Latex wird dabei auf die Wände aufgesprüht. Es wirkt ein und kann später wieder abgezogen werden. „Damit wird der Schmutz an den Wänden einfach abgezogen“, erklärt Lieble. Doch nicht in allen Ecken kann Latex eingesetzt werden: Dann muss der Schmutz aus den Ecken manuell abgekratzt werden. Der Putz an der Westwand der Kirche werde außerdem abgeschlagen, weil dort mit falschen Materialien gearbeitet worden sei. „Als man vor mehr als 30 Jahren die Kirche zum letzten Mal restaurierte, wurde mit einem Material an der Westwand gearbeitet, das keine Feuchtigkeit aufnahm, was man damals nicht wusste“, erklärt der Kirchenpfleger. Die Entwicklung neuer Techniken beim Renovieren ist in den vergangenen Jahrzehnten weiter vorangekommen. Man habe neue Erkenntnisse gewonnen.

Für Probleme sorgt in der Martinskirche vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit. Ursachen dafür gebe es viele. Wenn sich viele Menschen im Gotteshaus versammelt haben, entstand feuchte Luft, die dem Innenraum geschadet hat. Schmutz habe sich abgelagert, weil die Feuchtigkeit nicht entweichen konnte. Die Fenster werden deshalb künftig mit einem Mechanismus ausgestattet sein, der sie bei zu hoher Feuchtigkeit automatisch öffnet. Gemessen werden die Werte außerhalb und im Kirchenraum. Auch die Luke oberhalb des Altarraumes wird sich automatisch öffnen und schließen. „Es wird nicht ziehen“, beruhigt Lieble die Kirchenbesucher, „weil erst nach dem Gottesdienst die Luke geöffnet wird.“ Die Maßnahmen seien ein erster Schritt. „Reicht das nicht aus, werden wir eine Absaugpumpe installieren.“

Der Innenraum wird in Weiß gehalten. Dazu habe es bereits Proben gegeben, die aufgebracht wurden und allgemein Zustimmung fanden. Zum Schluss habe der Schreiner die Aufgabe, Podeste und Bänke zu montieren. Die Kosten für die Komplettrenovierung und Sanierung, die rund um die Kirche nötig war, belaufen sich auf rund 1,1 Millionen Euro. Um die Standsicherheit des Dachstuhls zu gewährleisten, waren außerdem umfangreiche Arbeiten notwendig. Das Dach wurde neu eingedeckt.

Schon bevor die Illerberger Kirche in ihrer jetzigen Form entstand, gab es laut Konrad-Chronik ein Gotteshaus aus der vorbarocken Zeit. Von diesem Gotteshaus zeugt heute noch das gotische Viereck des Turms. Eine Generalvisitation, die 1687 stattfand, brachte das Ergebnis, dass ein Jahr später ein neuer Bau „ex fundus“ – von Grund auf – neu errichtet werden sollte. Geweiht wurde die Kirche am 16. März 1694.

Wenn im nächsten Jahr die feierliche Wiedereröffnung der Kirche stattfindet, hofft Martin Lieble, dass die Menschen wieder mehr Gottesdienste besuchen. Ein Gedanke, der ihn alle Mühen um die Renovierung vergessen lasse. Zu hoch schraube er seine Hoffnungen zwar nicht, aber „man weiß ja nie“, sagt er und lächelt.

Während der Renovierungsarbeiten können Gläubige die Vorabendmessen im Pfarrheim feiern. An hohen kirchlichen Festtagen kann die Aula der Grundschule genutzt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Messen innerhalb der Pfarreiengemeinschaft Vöhringen zu besuchen.

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