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Vöhringen

07.07.2020

Eine pensionierte Lehrerin heißt Yumna in Deutschland willkommen

Die pensionierte Lehrerin Rosi Lustig aus Vöhringen bringt Yumna Khaled-Dakakni Deutsch bei. Lustig wurde durch einen Bericht unserer Zeitung auf die junge Frau aufmerksam, die wie ihr Mann aus Syrien geflohen war.
Bild: Ursula Katharina Balken

Plus Ein Bericht der Illertisser Zeitung inspirierte Rosi Lustig dazu, sich als Deutschlehrerin für eine junge Syrerin zu engagieren.

Wie vielen Mädchen und Buben Rosi Lustig in den 27 Jahren ihrer beruflichen Tätigkeit das ABC beigebracht hat, weiß sie nicht mehr. Lehrerin zu sein war für sie eine erfüllende Lebensaufgabe. Dass sie jetzt mit 82 Jahren noch einmal einen jungen Menschen mit der deutschen Sprache vertraut machen kann, freut sie von Herzen.

Aber es ist nicht das Erinnern an einen schönen Lebensabschnitt, der schon viele Jahre zurückliegt. Rosi Lustig engagiert sich aus innerer Überzeugung für eine junge Frau aus Syrien, die sehr gerne die deutsche Sprache erlernen will. Und dabei will sie helfen.

Das Schicksal des jungen syrischen Ehepaares Yousef Dakakni und seiner Frau Yumna Khaled-Dakakni rührte sie. Aufmerksam wurde die Lehrerin auf das junge Ehepaar, nachdem unsere Redaktion über die beiden berichtet hatte (lesen Sie dazu: Nach langer Trennung ist das Ehepaar Dakakni wieder vereint). Sie waren nur wenige Wochen verheiratet, lebten in Damaskus und wurden durch den dort herrschenden Krieg getrennt. Yumna flüchtete während der Bombenangriffe zu Verwandten in einen Stadtteil der Hauptstadt, der dann plötzlich abgeriegelt wurde. Niemand kam rein, niemand durfte raus. So kam es zu einer Trennung des damals frisch vermählten Paares.

Ihr Mann konnte ihr die Sprache nicht beibringen

Yousef Dakakni floh nach Deutschland. Mit enormem Einsatz gelang es ihm, seine Frau nachzuholen. Aber bis es so weit war, vergingen Jahre. Yousef hatte das Glück, in Vöhringen eine Wohnung zu finden. Dann kam Yumna, machte ihre ersten Gehversuche in fremder Umgebung und fühlte sich wohl. Mittlerweile hat sich Nachwuchs angekündigt, sodass das Glück vollkommen ist. Einziger Schönheitsfehler – Yumna sprach kein Deutsch. So war der Anfang schwer.

Ihr Mann hatte sich in den Jahren des Alleinseins gute Sprachkenntnisse angeeignet. Aber als Lehrer für seine Frau kam er nicht infrage, denn er arbeitet den ganzen Tag. Lehrerin Rosi Lustig empfand tiefes Mitgefühl für das junge Paar, das sich hier gerne integrieren und zu Hause fühlen will.

Entschlossen nahm die ehemalige Lehrerin Kontakt zu dem syrischen Paar auf und lud die beiden spontan zu sich nach Hause zu Kaffee und Kuchen ein. Sie bot sich als Lehrerin für Yumna Khaled-Dakakni an, ein Geschenk für die 23-Jährige. Rosi Lustig sagt: „Das Paar war so sympathisch, da wollte ich helfen.“ Wenn das Baby da ist, möchte Yumna gerne an der Ulmer Universität ihr in Damaskus begonnenes Studium der Physik fortsetzen. Jetzt fährt Ehemann Yousef einmal in der Woche aus der Pfälzer Straße in Vöhringen in den Emershofer Weg und holt seine Frau nach einer Stunde wieder ab. Zunächst benutzte die Lehrerin alte Schulbücher, bis sie an das Arbeitsheft „Willkommen in Deutschland“ kam. „Das ist zum Erlernen der deutschen Sprache eine wunderbare Hilfe“, sagt Lustig.

Die Vöhringerin bewundert die Auffassungsgabe der 23-Jährigen

Am Anfang werden Bilder erklärt, was sie bedeuten, die schreibt Yumna zunächst als Lernhilfe in Deutsch ab. Dann wird gelesen, Verben und Substantive werden konjugiert und dekliniert. Dann gibt es Lückentexte in dem Heft, die Yumna mit dem bereits vorhandenen Wortschatz ausfüllt. Rosi Lustig ist überrascht, wie schnell die junge Frau lernt, „ihre Auffassungsgabe ist bewundernswert.“ Aber die alte Dame ist auch eine kluge Lehrerin, die – wenn es mal hakt – vorsichtig nachhilft. Die Stunde vergeht wie im Nu, beide Frauen mögen sich.

Dass Rosi Lustig ausgerechnet eine Palästinenserin unterrichtet, tue auch ihr gut. Sie hegt für die Menschen in Palästina besondere Sympathien, weil auch deren Schicksal nicht leicht sei, wie sie sagt. Dann klingelt es, Ehemann Yousef Dakakni steht vor der Tür. Es wird ein herzlicher Abschied mit der Gewissheit des Wiedersehens.

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