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Vöhringen

21.02.2019

Elternberatung: Was tun, wenn „Oskar“ in die Trotzphase kommt?

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Wenn Kinder nicht so wollen, wie ihre Eltern – das kann zu großem Ärger führen. dann sind Experten wie Annemarie Schmidt in Vöhringen gefragt. Die Erzieherin will Hilfestellung geben.

Eltern haben es manchmal nicht leicht – das weiß Erzieherin Annemarie Schmidt nur zu gut. In Vöhringen will sie Hilfe geben. Was es mit dem Angebot des Frauenbunds auf sich hat.

Nennen wir den Buben einfach Oskar. Noch nicht mal drei Jahre alt, weiß er genau was er will – und was er nicht will. Keinesfalls will er jetzt sein Spielzeug aufräumen. Der Bitte der Mama widersetzt sich der kleine Mann und wirft ein Feuerwehrauto durchs Zimmer, trifft dabei eine Vase, die geht zu Bruch. Scherben liegen überall herum. Was tun? Den Buben anschreien und schelten? Oder vielleicht ihm gut zureden, dass die Mama, die ihn doch lieb hat, über die zerbrochene Vase traurig ist.

Eltern müssen wissen, wie man mit der Trotzphase umgeht

Annemarie Schmidt, die 45 Jahre als Erzieherin tätig war, davon knapp 40 in Vöhringen, hat sich zum Ziel gesetzt, Eltern mit solchen Fragen zu helfen. „Oskars gibt es in der Trotzphase viele“, sagt sie lachend, „aber man muss wissen, wie man als Mutter oder Vater damit umgeht.“ Die Erzieherin, die die Kindertagesstätte in Vöhringen Nord 20 Jahre lang geleitet hat, ist eigentlich im Ruhestand. Aber sie will ihre Erfahrungen weitergeben und Eltern Hilfestellung anbieten. Damit schafft die 65-Jährige für den Katholischen Frauenbund, dessen Zweite Vorsitzende sie ist, eine neue Facette im Bereich der Eltern-Kind-Gruppen.

Schmidt will sich mit ihrem Erfahrungsschatz einbringen. „Ich weiß aus meiner Tätigkeit, wie schwer sich Eltern tun, wenn Kinder in die Trotzphase kommen. Ich möchte gerne helfen, Mama und Papa in ihrer Erziehungsfähigkeit zu begleiten.“ Das tut sie im Pfarrheim St. Michael. Dort haben die Eltern-Kind-Gruppen einen Raum, den sie für ihre Themenabende nutzt und dabei stets volles Haus hat. Als Beispiele nennt sie Bereiche, die für Eltern von Interesse sind: die verschiedenen Entwicklungsphasen eines Kindes, Mut zur Konsequenz oder der kindliche Umgang mit Tod und Trauer. Sie bleibt gleich beim letzten Beispiel.

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Mit Kindern richtig über den Tod sprechen

Wenn der Hamster stirbt, ist dem Kind nicht mit dem Satz geholfen, „ich kauf‘ dir einen neuen.“ Die Traurigkeit der Kinder müsse man ernst nehmen. „Stirbt gar Oma oder Opa, dann muss dem Kind erklärt werden, dass der Tod zum Leben gehört.“ Schmidt weiß, dass es keine einfache Aufgabe ist. „Man muss sich als Erwachsener zu seiner Trauer bekennen, auch vor dem Kind. Das heißt, man muss Gefühle zeigen und zulassen.“

Wenn das Kind älter ist und etwas getan hat, das keineswegs hinnehmbar ist, dann sei Strafe durchaus angebracht, „aber mit in Maßen und immer den Zusammenhang mit der Handlung sehen“, sagt sie. „Wird Fernseh-Verbot verhängt, dann muss das auch konsequent durchgezogen werden. Wird Hausarrest verordnet, dann sind 14 Tage keine Lösung.“ Mit Humor meint Schmidt: „14 Tage das Kind nur im Haus zu haben und es drängelt und quengelt, das hält ja keine Mutter aus. Also lieber für einen oder zwei Tage das Fernsehen verbieten, das aber dann konsequent durchhalten.“ Dem Kind gegenüber könne man durchaus sagen „ich weiß, du bist jetzt stinksauer auf mich“. Das bedeute Wertschätzung dem Kind gegenüber, denn man tue mit dem Satz kund, dass die Stimmung des Kindes mies sei und dass man dies auch wahrnehme.

Ein anderes Thema ist für die Erzieherin fehlendes Selbstbewusstsein bei Kindern. Wenn zu wenig Selbstbewusstsein vorhanden ist, dann würden Mädchen und Buben dazu neigen, auf sich selbst aufmerksam zu machen. „Und das geschieht dann in der Regel durch negatives Verhalten.“

Mit den Eltern sprechen hilft mehr als Ratgeber-Bücher

Schmidt ist überrascht, wie gerne Eltern diese Erziehungshilfen annehmen. Das lasse aber auch den Rückschluss zu, dass Eltern oft nicht wissen, wie sie sich richtig verhalten sollen. Es gebe ja genug Bücher über Kindererziehung und jede Menge Foren im Internet. Aber die Erfahrung aus den vergangenen Jahren habe gezeigt, dass eine Face-to-Face-Ansprache – also von Angesicht zu Angesicht – effektiver sei, als sich Theorie aus Büchern anzueignen. „Wichtig bei den Themenabenden ist der Gedankenaustausch, das Gespräch zwischen den Eltern wie auch mit der Erzieherin.“

Ein Anliegen ist Annemarie Schmidt die Kooperation mit dem Familienstützpunkt in der Grundschule-Nord. Konkurrenzdenken gibt es nicht. So gebe es bald eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Thema „Lernen mit allen Sinnen“.

Schmidt engagiert sich ehrenamtlich für ihre Sache. So nimmt sie – wie bereits in ihrer Berufszeit – an Fortbildungen teil. Hat sie alle Kurse abgeschlossen, darf sie sich Referentin zur Qualifizierung der Leiterinnen von Eltern-Kind-Gruppen nennen. Aber an diesem Titel liegt ihr wenig. Ganz klar sagt sie, „diese Gruppen sind keine Kaffeeklatsch-Treffen, bei denen Kinder unter Aufsicht am Boden herumkrabbeln. Es sind Gemeinschaften, in denen wertvolle pädagogische Arbeit geleistet werden soll.“ Für 2019 stehen folgende Themen an: Erste Hilfe im Kleinkindalter, Umgang mit Aggressionen und warum Aggression für die Entwicklung des Kindes wichtig ist sowie Emotionale Intelligenz. Schmidt freut sich darauf, weil sie weiß, dass Eltern gerne Anregungen mit nach Hause nehmen.

Mehr zum Thema Erziehung lesen Sie hier: Wie Babys in Babenhausen ihre Umwelt kennenlernen

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