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Altenstadt

09.11.2017

Er hält die Ortsgeschichte in der Hand

Alwin Müller hat die neue Faltbroschüre, als kompakter Wegweiser durch die Geschichte Altenstadts, angefertigt. Und diese komme gut bei den Menschen an, sagt der geschichtsinteressierte Mann.

Alwin Müller hat die erste Altenstadter Broschüre mit Sehenswürdigkeiten der Gemeinde zusammengestellt. Vieles dreht sich darin auch um die einstige jüdische Siedlung.

So begann eines der dunkelsten Kapitel in der deutschen Geschichte: Am 9. und am 10. November 1938 fanden deutschlandweit von den Nationalsozialisten organisierte Gewalttaten gegen Juden und jüdische Gebäude statt. Die Rede ist von der sogenannten Reichskristallnacht oder auch Reichspogrome genannt. Diese gelten historisch gesehen als Anfang der systematischen Verfolgung der Juden im nationalsozialistischen Deutschland, die kurze Zeit später im Holocaust mündete.

Hunderte Menschen wurden während der sogenannten Novemberpogrome ermordet, Synagogen, Friedhöfe und jüdische Geschäfte wurden zerstört. Auch in der Region fand die Hetze gegen Juden statt. Alwin Müller aus Altenstadt hat sich mit der Geschichte von damals genauer befasst. Er schreibt beispielsweise im Amtsblatt, dass am 10. November 1938 14 SA-Leute aus Vöhringen nach Altenstadt radelten und in der Synagoge gewütet, Fenster eingeworfen und Gebetsbücher verbrannt haben. Laut Müller wurden die letzten 23 Juden aus Altenstadt 1942 in ein Vernichtungslager deportiert, keiner von ihnen sei zurückgekehrt. Reste der ehemaligen jüdischen Siedlung sind heute noch im Ort erkennbar – und dank Müllers Faltbroschüre, die bereits diesen Sommer erschienen ist, auch übersichtlich dargestellt.

Zusammengelegt hat sie in etwa die Maße wie ein DIN-A-5-Heft. Ausgebreitet wird sie achtmal so groß. Teils viele Jahrhunderte alt ist ihr kompakt dargestellter, geschichtlicher Inhalt: Die Faltbroschüre, die Müller in den Händen hält, trägt den Titel „Historischer Ortsplan und Sehenswürdigkeiten“ und ist die erste dieser Art des Marktes Altenstadt. „Im Bürgerbüro gab es immer wieder Nachfragen“, berichtet Müller. Und zwar von geschichtsinteressierten Besuchern oder auch Radtouristen, die für ihre Erkundungen durch den Markt nach entsprechenden Informationen und Wegweisern in handlicher Form fragten. Da Müller sich schon seit mehreren Jahren intensiv mit der Geschichte des Ortes befasst, hat er sich der Sache angenommen. Wie viele Stunden er ehrenamtlich daran gearbeitet, Inhalte ausgewählt sowie Texte geschrieben hat, kann er nicht genau sagen. Doch er ist zufrieden mit dem Ergebnis. Die Broschüre, die seit Juli im Altenstadter Bürgerbüro und in verschiedenen Einrichtungen in der Umgebung ausliegt, komme bei den Menschen an, sagt er. Es ist ein Faltblatt, vor allem auch mit vielen Bildern, die teils von ihm selbst, aus Geschichtsarchiven und vom ortsansässigen Hobby-Fotografen Ernst Frommeld stammen. Ein Einblick: Eine Seite der beidseitig bedruckten Broschüre widmet sich ganz der jüdischen Geschichte als wesentlicher Teil der Heimatgeschichte. Der abgedruckte historische Ortsplan, den der Markt Altenstadt zur Verfügung gestellt hat, ist aus der Zeit von 1838 bis 1868. Darin ist die einstige jüdische Siedlung zwischen der heutigen Hindenburgstraße und Schillerstraße gut erkennbar. Die dem Plan hinzugefügten Zahlen finden sich auch bei den Fotos daneben wieder. So können sich auch nicht Ortskundige gut orientieren und ihren Streifzug durch die jüdische Geschichte beginnen. Die Ziffer eins etwa markiert das ehemalige jüdische Wohnhaus in der heutigen Hindenburgstraße, in der einst ein Verwandter von Albert Einstein wohnte. Das Foto dazu zeigt das Haus heute. Die Nummer zwei ist das ehemalige „Gasthaus zur Eisenbahn“ – heute das Hotel Fischer. Dessen früherer jüdischer Besitzer war Gründungsmitglied und Vorstand des TSV Altenstadt. Mit der einstigen Synagoge, die 1955 abgerissen wurde, bis zum Hermann-Rose-Platz, der vor einigen Jahren dem letzten jüdischen Lehrer des Ortes gewidmet wurde, kennzeichnet die Broschüre weitere Standorte jüdischer Geschichte.

Aber nicht nur das: Die andere Seite des Faltblattes ist Wegweiser durch die zehn Kirchen des Marktes. Die beiden ältesten Gotteshäuser sind die Filzinger Martinskirche (um 1200 gebaut) und die Altenstadter Mariä-Geburt-Kirche (um 1280/1300 entstanden). Wichtiger Anlaufpunkt bei dem Streifzug durch die Altenstadter Geschichte ist auch Illereichen. Hier bauten die Herren von Rechberg im 15. Jahrhundert das Schloss. Es wurde 1838 abgebrochen. Verschiedene Tore, die zur Schlossanlage gehörten, sind heute noch vorhanden und prägen das Ortsbild. Die Tore finden sich in der Broschüre wieder.

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