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Illereichen

15.08.2019

Er kochte für Polit-Promis und TV-Stars

Bei Sternekoch Aspacher finden Gespräche nicht im Wohnzimmer statt, sondern in der Küche. Der Gang zum Herd ist da naheliegend
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Bei Sternekoch Aspacher finden Gespräche nicht im Wohnzimmer statt, sondern in der Küche. Der Gang zum Herd ist da naheliegend
Bild: Regina Langhans

Plus Sterne-Cuisiner Eberhard Aspacher aus Illereichen wird am Freitag 70 Jahre alt. Er bewirtete viele bekannte Persönlichkeiten und hat viel zu erzählen. Ein Besuch.

Auf den Michelin-Stern habe er es abgesehen gehabt, seit er Koch ist, sagt Eberhard Aspacher aus Illereichen. Mit dem 1984 eröffneten Landhotel Schlosswirtschaft wurde ihm diese bekannte Auszeichnung für Restaurants erstmals zuteil. Er erhielt sie durchgehend bis 2003, als Aspacher den Gasthof mangels Nachfolgers verkaufte. Wenn der Koch am Freitag seinen 70. Geburtstag feiert, ist das auch Anlass für eine Bilanz: 37 Jahre lang war er selbstständig, bekochte Stars und Prominente, beriet Kollegen. Heute betreibt der ehemalige Sterne-Cusinier eine Kochschule im eigenen umgebauten Bauernhaus. Ein Besuch.

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Hans-Joachim Gauck zählte ebenfalls zu den Gästen von Aspacher.
Bild: Sammlung Aspacher

Schmunzelnd sagt er: „Ich habe genügend Anekdoten erlebt, einige sind brisant, andere privat oder ganz einfach unter Verschluss.“ Es sei immer schön gewesen, wenn seine Gäste während des Menüs zu ihm in die Küche kamen, um in die Töpfe und Pfannen zu schauen. Manches Mal sei das Lokal dann halb leer gewesen. Die verbliebenen Gäste hätten sich gefragt, wo die anderen wohl seien. (Lesen Sie dazu auch: Eberhard Aspacher brachte die Sterneküche ins Illertal )

Einmal kehrte der Baron ein

Nicht vergessen wird Aspacher einen Auftritt des Osterberger Barons Dieter von Malsen-Ponickau mit Reitergästen in Landhotel Illereichen. Tage zuvor habe der Baron ihn wissen lassen, dass es in Osterberg im Schlossgarten Steinchampignons zu holen gebe. Aspacher hatte davon Gebrauch gemacht. Als der Adelige das Essen im Illereicher Lokal bezahlen sollte, meinte der Koch nur, die Rechnung sei mit den Pilzen bereits beglichen.

Er kochte für Polit-Promis und TV-Stars
Händeschütteln: Eberhard Aspacher begrüßt Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Bild: Sammlung Aspacher

Dann waren da Aspachers Besuche auf dem Illertisser Wochenmarkt. Der Koch legte Wert auf regionale Erzeugnisse. Er verweilte an Gemüseständen, um zu schnuppern und zu vergleichen. Einmal wurde eine hinter ihm wartende Kundin ungeduldig. Sie habe nicht so viel Zeit wie er, denn sie müsse nach Hause und noch für vier Personen kochen. Worauf Aspacher geantwortet habe: „Das Kochen würde ich sofort übernehmen. Es wäre nur eine Frage der Gage.“

Er spielte bei den Stuttgarter Kickers

Aspacher wuchs in Backnang bei Stuttgart auf und musste sich wegen des frühen Todes seines Vaters bald wirtschaftlich auf eigene Beine stellen. Der Wunsch seiner Mutter war eine Lehrstelle mit Schlafplatz und Verköstigung. Die fand er als Koch in Stuttgart, wobei er noch Gelegenheit bekam, bei den Stuttgarter Kickers mitzuspielen. Fußball war von Anfang an seine Leidenschaft, das Kochen kam bald hinzu. 1972 wurde er jüngster Küchenmeister Westdeutschlands. Seine Frau Renate lernte er kennen, als sie sich, ebenfalls vom Fach, im „Maritim“ in Gelsenkirchen bewarb, wo er ab 1974 Küchendirektor war. „Ich wusste sofort, dass ich sie heiraten werde“, sagt er. Sechs Wochen später war Hochzeit. 1976 bis 1982 arbeitete Aspacher als Küchenchef im Bundesbahnhotel in Ulm. Dann eröffnete er ein Feinschmeckerlokal in Weyhausen in Niedersachsen. Er hatte vor, „möglichst bald selbstständig zu sein“. Danach ließ sich die Familie in Illereichen nieder, wo der Sternekoch an historischer Stätte die kulinarische Szene der Region aufmischte. 1986 gründete er das Aspacher Gourmet-Consulting und die Kochschule. 1989 bis 1991 war Aspacher geschäftsführender Direktor des Kurhotels Allgäuer Tor in Bad Grönenbach.

Karlheinz Böhm wurde von Aspacher im Landhotel Illereichen bekocht.
Bild: Sammling aspacher

Nach dem Ende der Schlosswirtschaft baute er seine Beziehungen in Stuttgart aus, er stieg beim Feinkosthandel Peter Böhm ein: „Es war spannend, in die Großgastronomie zu wechseln, zu beraten, als Einkäufer und im Catering tätig zu sein.“ Nach dem tragischen Tod des Junior-Partners arbeitete Aspacher für Lokale mit klangvollen Namen: Er betreute, leitete und beriet angesehene Häuser wie Kubus, Fresko, Arena und das Plenum im Stuttgarter Landtag. Und im Lago in Ulm war er 2004/05 geschäftsführender Gesellschafter. Die Stuttgarter Aktivitäten beendete er Anfang 2019. Die langen Wege seien mit der Zeit beschwerlich geworden.

Aspacher blickt zufrieden zurück

Zum 70. Geburtstag blickt er zufrieden zurück: „Ich würde wieder Koch werden, es ist ein toller Beruf, weil es um Lebensmittel geht.“ Sein Alter ist für den weltgewandten Koch, der das Bundesverdienstkreuz trägt und dritter Bürgermeister von Altenstadt ist, kein Grund zum Aufhören. Im Herbst soll es weitergehen – als Berater und in der Kochschule in Illereichen. Seine mit allen Raffinessen ausgestattete Küche bleibt noch lange nicht kalt.

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