1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Erfindung aus dem Unterallgäu: Eine Kuhbürste für die Artenvielfalt

Unterallgäu

26.06.2019

Erfindung aus dem Unterallgäu: Eine Kuhbürste für die Artenvielfalt

Der Amtschef des Staatsministeriums für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, Hubert Bittlmayer, Projektleiter Uwe Kießling, Jens Franke vom Landschaftspflegeverband und der stellvertretende Landrat Stephan Winter überzeugen sich vom Wiesefix.
Bild: Franz Kustermann

Im Unterallgäu entwickeltes Gerät Wiesefix sammelt Samen und säht sie anderswo wieder aus.

„Die Landwirtschaft braucht Brotwiesen – es gibt aber auch Ecken an Gewässern entlang, wo artenreiches Grünland unterzubringen ist!“ Mit dieser Aussage bekräftigte der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Hubert Bittlmayer, dass wirtschaftlich zu betreibende Landwirtschaft und Artenerhalt im Rahmen des Leader-Projektes „100 Auen – 100 Arten“ in Einklang gebracht werden können: Projektleiter Uwe Kießling vom Landschaftspflegeverband (LPV) Unterallgäu hat mit dem „Wiesefix“ einen Samensammler entwickelt, der mittels einer batteriebetriebenen Kuhbürste die Samen von Gräsern und Kräutern aus artenreichen Wiesen aufliest. Im Westerheimer Hundsmoor wurde das Gerät nun vorgestellt.

Samen werden gesammelt ohne Insekten zu töten

Mit dem „Wiesefix“ werden artenreiche Wiesen streifenförmig zur Hälfte abgefahren. Der beste Zeitpunkt dafür ist, wenn die Samen der Margerite reif sind. Laut Kießling wird das – abhängig von der Witterung – etwa Anfang Juli der Fall sein. Samen, Pflanzenteile, aber auch Insekten wie Schmetterlinge und Käfer landen auf einem Lochblech in einem großen Kasten. Die Schmetterlinge flattern davon, sobald der Deckel geöffnet wird. Samen und die feinen Pflanzenteile werden anschließend vor Ort per Notstromaggregat und Lüfter in einer kleinen Anlage auf einem Autoanhänger getrocknet.

Im September wird das so gewonnene Saatgut der artenreichen Wiesen auf einem „Empfängergrundstück“ ausgesät, das dem „Spendergrundstück“ hinsichtlich Bodenart und Wasserversorgung ähnelt: Dafür werden – quer zur Bewirtschaftungsrichtung – alle zehn Meter jeweils drei Meter breite Grünland-Streifen aufgefräst. Die lichtkeimenden Samen werden oben aufgebracht und leicht angewalzt. Damit die Saat aufgehen kann, muss der Boden später notfalls durch Gießen feucht gehalten werden, damit die Keimlinge nicht verdorren.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Ein Vorbild für andere Regionen?

Weil die Flächen längs bewirtschaftet werden, sollen sich die Samen im Laufe der Jahre auf der gesamten Fläche verteilen. Landwirten, die ihre artenreichen Flächen für das Samen-Sammeln zur Verfügung stellen bezahlt der LPV zehn Euro je Kilo. Laut Kießling ergibt sich für sie zudem der Vorteil, dass sie den Bewuchs trotz Samengewinnung anschließend auch in gewohnter Weise nutzen und als Pferdeheu verwenden können. Bittlmayer nannte die Leader-Förderung „sehr gut angelegt“. Im Unterallgäu entwickelt, könne der Samensammler vorbildhaft für andere Regionen sein.

Erste Versuche hätten zudem zum Ziel, artenreiche Wiesen auch als Rollrasen in dafür geeigneten Flächen einzubringen. Die Ideen entstünden bei den Menschen vor Ort, wie etwa bei den Versuchen des Unterallgäuer LPV. Das Staatsministerium arbeite daran, dass solche Maßnahmen mit weniger Bürokratie umgesetzt werden können.

Um funktionierende Technik und gut erprobte Verfahren auf ganz Bayern ausdehnen zu können, brauche es aber entschieden mehr Leader-Gelder, sagte Bittlmayer. Den Samensammler bezeichnete er als „ein Paradebeispiel“ dafür, „wie gut Leader funktioniert“.

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren