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Illertissen

25.01.2021

Erholung für die Menschen, Stress fürs Wild: Was im Wald zu beachten ist

Spaziergänger, die ihre Hunde im Wald ohne Leine umherrennen lassen, könnten, ebenso wie unvorsichtige Ausflügler oder Wintersportler, Wildtiere aufscheuchen.
Foto: Matthias Becker (Archivfoto)

Plus Experten mahnen verstärkt zur Rücksichtnahme bei Spaziergängen und beim Gassigehen mit Hunden im Wald. Sie schildern mehrere negative Beispiele.

In eingeschränkten Corona-Zeiten scheint auch in der freien Natur plötzlich nicht mehr alles so frei zu sein. Die Menschen zieht es in die Natur hinaus, zum Beispiel mit Spaziergängen in den Wald, den nun viele als neuen Freiraum entdecken. Doch eines wird da gerne übersehen: Für die sich dort aufhaltenden Tiere ist es der Lebensraum, in den uneinsichtige Spaziergänger eindringen und Schaden für die Bewohner anrichten.

Jäger, Förster, aber auch die bayerische Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) appellieren an die Erholungssuchenden, sich bei ihren Ausflügen an die Vorschriften zu halten. So mahnt Kaniber, auf den Wegen zu bleiben und „unnötige Lärm- und Lichtquellen wie etwa Stirnlampen“ zu vermeiden. Beim Blick in unseren Landkreis zeigt sich beides: Umsichtige Jogger wie im Osterberger Wald oder uneinsichtige Hundebesitzer, die beim Gassigehen im Untereicher Auwald ihre Vierbeiner nicht anleinen.

Frei laufende Hunde scheuchen Rehe im Wald auf

So kann Günther Schlüter aus Illertissen-Au, Jagdpächter in Untereichen, mit seinen Beobachtungen am neuen Dammbegleitweg zwischen Auwald und Illerkanal die Sorge der Experten bestätigen. „Die naturnahe Route ist beliebt und frequentiert, aber nicht alle Hundehalter sehen ein, warum sie ihre Tiere an der Leine lassen sollen“, sagt er. Manche seien so urbanisiert und hätten jegliches Naturverständnis verloren. Die Spaziergänger kämen von überall her und er wolle ihnen auch die Freude nicht verderben, doch er möchte Hundebesitzern das Anleinen ans Herz legen, etwa mit besonders langen, selbstaufrollenden Leinen, sagt Schlüter. „Damit käme jeder auf seine Kosten. Das Areal ist zwar als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, was aber nicht heißt, dass die darin wohnenden Tiere vom Schutz ausgenommen sind“, betont der Jagdpächter.

Es nützten alle Beteuerungen nichts: Frei laufende Hunde würden ihrem Instinkt folgen und die im Dickicht untergeschlupften Rehe aufscheuchen, sagt Schlüter. „Wenn Hunde im Spiel sind, werden Rehe kopflos und rennen blindlings drauf los.“ So sei es vergangenes Frühjahr viermal hintereinander zu tragischen Unfällen auf der Staatsstraße 2031 zwischen Jedesheim und Altenstadt gekommen, indem Geißen wie panisch von der Halde in Richtung Auwald flüchteten.

Auch ein Erlebnis von Christian Liebsch, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bayrischen Jagdverbands, mag zu denken geben. Er weiß sogar noch die Uhrzeit – kürzlich an einem Freitag um 21.30 Uhr –, als er beobachtete, wie sich ein Mann mit zwei Hunden, davon einer mit Kopfleuchte, den Weg quer durch den Wald bahnte. Liebsch: „Bei allem Verständnis für Abenteuerlust, der Betreffende macht sich keinen Begriff von dem angerichteten Schaden.“ Denn je 100 Meter links und rechts seiner Spur habe er alle Tiere in Panik versetzt. Wenn die Aufgescheuchten auf ihrer Nahrungssuche junge Baumtriebe anknabberten, würde das zudem zulasten der Waldverjüngung gehen, ergänzt der Jäger.

So lassen sich die Interessen von Mensch und Tier verbinden

Die Menschen sollten sich im Winter einfach an die eingezeichneten Wege halten, damit die in Winterruhe befindlichen Wildtiere nicht aus ihrem reduzierten Stoffwechsel gerissen werden, sagt Christoph Kohler, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Weißenhorn. So ließen sich beide Interessen, die der erholungssuchenden Menschen und die der Waldbewohner, durchaus verbinden. „Die Rehe kennen die Waldwege und rechnen dort mit Menschen, sie können sogar unterscheiden, ob sich der Jäger nähert, aber in ihren dichten Unterschlüpfen rechnen sie nicht mit Störungen.“ Seien sie einmal aufgeschreckt, müssten sie ihre Energie hochfahren und täten sich schwer, im Schnee zusätzliche Nahrung zu finden, um den Mangel auszugleichen. Kohler sagt: „So kommen Wildtiere in Lebensgefahr, obwohl sie die Natur für den Winter gut ausgestattet hat.“

Auch Axel Heiß, Leiter des Amts für Landwirtschaft und Forsten in Krumbach, appelliert an die Spaziergänger, die Waldwege einzuhalten. Doch vom Hineingehen in den verschneiten Wald, etwa von den Wintersportlern, sei abzuraten, denn manche Tiere, etwa am Boden lebende Vögel, würden sich in einer Mulde regelrecht einschneien lassen und so die Winterzeit überstehen. Dergleichen Ratschläge werden wohl in den Wäldern um Osterberg beherzigt, wie Georg Stölzle, Mitglied in der örtlichen Jagdgenossenschaft, beobachtet hat. Nahezu täglich ist er beim Spazieren gehen dort unterwegs und freut sich: „Ich sehe die von vielen Joggern regelrecht gespurten Wege Richtung Dattenhausen oder Illereichen, aber links und rechts bleibt es beim unberührten tief verschneiten Wald.“ Vermutlich hätten die umliegenden Bewohner das nötige Verständnis für die sie umgebende Natur, „und erholungssuchende Großstädter finden vielleicht nicht zu uns heraus“, ergänzt der Osterberger augenzwinkernd.

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