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Vöhringen

19.11.2018

Erich von Däniken in Vöhringen: Von Aliens und fragwürdigen Mysterien

Autor Erich von Däniken war zu Gast im Wolfgang-Eychmüller-Haus.
Bild: Ralph Manhalter

Der umstrittene Autor Erich von Däniken präsentiert in Vöhringen seine Thesen zur Existenz außerirdischen Lebens. Ein Vortrag, der polarisierte.

Woher kam Gott? Für diese elementare Frage der Menschheit hat Erich von Däniken eine ganz eigene Antwort: Aus dem Weltall, aus dem sogenannten extraterrestrischen Raum. Was ohne nähere Erläuterung der Beweiskette zunächst blasphemisch klingt, möchte der Schweizer Buchautor und Forscher außerirdischen Lebens mit einer Reihe von Hypothesen untermauern. So folgte ein bunt gemischtes Publikum – auch Kinder waren anwesend – der Einladung von Dänikens, den neuesten Forschungsergebnissen und Theorien beizuwohnen. Was sich in exakt 90 Minuten dem Besucher im Wolfgang-Eychmüller-Haus in Vöhringen bot, glich einer Gratwanderung zwischen seriöser Wissenschaft und fantastischer Utopie.

Man mag dem 83-jährigen Däniken unterstellen, was beliebt. Er verfügt allemal über ein breit gefächertes Allgemeinwissen in den Natur-, als auch in den Kulturwissenschaften. So weiß er über die Schriften des griechischen Geschichtsschreibers Herodot ebenso Bescheid wie er sich sicher in der jüdisch-christlichen Bibel bewegt. Letzteres verwundert nicht, bezeichnet sich der Schweizer doch selbst als einen tief gläubigen Menschen. Das landläufige Verständnis von Religiosität wird dann aber in der Folge bis an die Grenzen der Strapazierfähigkeit geführt. Als Beispiel erläutert von Däniken das Buch Ezechiel des Alten Testaments, wobei er die Vision des dortigen Propheten als dessen Kontakt mit Außerirdischen interpretiert. Diese hätten Ezechiel in einem Raumschiff entführt, um ihn in eine intergalaktische Forschungsstation zu bringen. Aus diesen spezifischen biblischen Deutungen entwickelten offenbar gleichgesinnte Wissenschaftler gar ein Modell derselben. Eigenartigerweise erinnerte das weiße Gebäude an die Bauhaus-Architektur des 20. Jahrhunderts. Das Publikum zeigte sich dennoch beeindruckt.

Kritik an den Theorien wurde vor Ort nicht laut

Kritische Stimmen waren, zumindest laut, nicht zu vernehmen. Es schien, als wäre in Vöhringen die Däniken-Fangemeinde zu einem konspirativen Treffen zusammengekommen. Leider beabsichtigte der Autor nicht, nach Vortragsende eine Diskussion zu führen. Ob hier negative Erfahrungen mit den Medien oder Anspruch, die alleinige Wahrheit zu besitzen ausschlaggebend waren, sei dahingestellt. Dabei hätten manche neue Erkenntnisse selbst eingefleischte Ufo-Fans interessiert: Was ist denn nun mit den Mumien von Außerirdischen, die von Däniken einst zum Kauf angeboten wurden? Zwar präsentierte der Schweizer mehrere Expertisen von Forschern, die – wie verwunderlich – alle die Echtheit der Körper bestätigten. Zugegeben, etwas seltsam sehen die weißen Männchen schon aus. Manch einer mag sich im besten Fall an eine Skulptur Giacomettis erinnert fühlen, im schlechtesten Fall an eine Gummipuppe.

Hingegen lamentierte der Referent, dass die Wissenschaften eine alternative Forschung oft nicht zuließen, lieferte aber sogleich eine Begründung dieses Mankos: Sowohl der wissenschaftliche, als auch der religiöse Mensch betrachtet seine Spezies als Spitze der Evolution, als deren Vervollkommnung. Sollte sich nun eines Tages tatsächlich erweisen, dass wir nicht alleine im All sind – was, gemäß von Dänikens, bei 4,5 Milliarden erdähnlichen Planeten in unserer Galaxie sehr wahrscheinlich ist – würde diese Erkenntnis alles auf den Kopf stellen. Die Forscher müssten zugeben, dass sie sich geirrt hätten, die Religion würde hinfällig, so der Autor weiter. Dem Laien fällt es schwer, den Erkenntnissen zu widersprechen; so stringent erscheinen die Beweisketten von Dänikens.

Am Ende des Vortrags, der mit ausgiebigem Applaus goutiert wurde, war die Frage aller Fragen dennoch nicht beantwortet. Selbst wenn die Götter aus dem All gekommen wären: Wie wurden jene geschaffen, wie entstand das All? Es schien, als würde der hochgebildete Schweizer selbst den Auslöser des Urknalls irgendwelchen außerirdischen Männchen in die Schuhe schieben.

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