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Illertissen

16.04.2015

Etliche Raser zur Räson gebracht

Roland Marz visiert mit der sogenannten Laserpistole Autos an, die von Obenhausen nach Illertissen unterwegs sind. 
Bild: Alexander Kaya

Trotz angekündigter Kontrollen haben auch beim Blitzmarathon viele Autofahrer ihren Bleifuß nicht gelupft. Von der Polizei bekamen sie die Quittung.

 So mancher lernt’s nie – nicht das Fahren mit Ski, sondern das Einhalten von Tempolimits. Anders ist kaum zu erklären, warum beim lang und breit angekündigten deutschland- und europaweiten Blitzmarathon wieder etliche Autofahrer schneller als die Polizei erlaubt unterwegs waren.

Kaum hatten die beiden Illertisser Hauptkommissare Roland Marz und Walter Hecker am Donnerstag gegen 7 Uhr beim Bauernhof „Tannenhärtle“ an der Staatsstraße 2018 ihr Messgerät aufs Stativ geschraubt, um den aus dem Bucher Ortsteil Obenhausen kommenden Verkehr zu lasern, ging ihnen schon der erste Schnellfahrer ins Netz. Danach ging es im morgendlichen Berufsverkehr Schlag auf Schlag: Bis 10 Uhr hatten die Beamten zehn Raser zur Räson gebracht, die mit mehr als den erlaubten 100 Stundenkilometern in Richtung Illertissen gebraust waren.

Acht dieser eiligen Zeitgenossen, die von Hecker und Marz gestoppt wurden, wurden lediglich verwarnt – allerdings kostenpflichtig. Sie wurden je nach Höhe der Überschreitung mit 20 oder 30 Euro zur Kasse gebeten. Tiefer in die Tasche greifen müssen dagegen drei motorisierte Mitmenschen, die den Polizisten am Donnerstagvormittag vor die Laserpistole fuhren: Einer war abzüglich der Messtoleranz von drei kmh 25ein anderer 27 Stundenkilometer über dem Limit. Die Schlechtmarke stellte ein Autofahrer auf, der wegen 131 gestoppt wurde. Sie werden angezeigt, müssen zwischen 70 und 80 Euro blechen – und erhalten je einen Punkt in der Verkehrssünderkartei.

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Richtig stichhaltige Gründe, warum sie oder er zu flott westwärts strebten, konnte aus Sicht der beiden Polizisten kein Temposünder nennen. Walter Hecker: „Eine Frau sagte, sie habe es eilig, weil sie ihr Kind in die Schule bringen müsse. Eine andere Frau hat angegeben, sie müsse zu einem Termin, bei dem sie einen Vortrag halten muss. Auch eine Rentnerin war anscheinend in so großer Zeitnot, dass sie zu stark aufs Gaspedal drückte.“

Zu rasch war auch eine junge Frau aus dem Rothtal, die mit ihrem kleinen Töchterchen im Kindersitz gen Illertissen fuhr. Dass sie kostenpflichtig verwarnt wurde, nahm sie mit Humor. Ihr einziges, nicht ernst gemeintes Problem war: „Wie erklär‘ ich das jetzt meinem Kind.“ Die 30 Euro, die sie berappen musste, hätten vermutlich binnen kürzester Zeit ohnehin den Besitzer gewechselt: Mutter und Tochter waren auf dem Weg zum Shoppen.

Zu schnell wurde auch auf der Straße zwischen Buch-Obenhausen und Krumbach gefahren. Dort nahmen die Polizisten wieder die Senke bei Rennertshofen ins Visier – erlaubt sind dort maximal 80 Stundenkilometer. Obwohl am Nachmittag der Verkehr lediglich „dahintröpfelte“ (Roland Marz), wurden innerhalb der ersten eineinhalb Stunden schon acht Temposünder angehalten. Dort stellte ein Mann aus Nordrhein-Westfalen mit 145 Stundenkilometern den illegalen Tagesrekord auf – beim Überholen trotz durchgezogener Mittellinie. Auf die Frage, ob es pressiere, erhielt Roland Marz die verblüffende Antwort: „Nein“. Aber die Straße habe sich für seine Fahrweise „halt so angeboten“. Jetzt bekommt er von den zuständigen Stellen ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: Ein einmonatiges Fahrverbot, 240 Euro Bußgeld und zwei Punkte.

Neben Rasern hatte es die Polizei aber auch mit Schleichern zu tun. Entweder mit aller Zeit der Welt ausgestattet oder schlicht übervorsichtig war ein Autofahrer, der dem Tannenhärtle regelrecht entgegen kroch. Die Messung ergab, dass der Wagen 46 Stundenkilometer langsam war. Die Polizisten ließen ihn passieren. Mehrere Verkehrsteilnehmer werden den entschleunigten Wagenlenker aber wohl nicht gerade in ihr Abendgebet einschließen: Hinter ihm hatte sich eine veritable Kolonne gebildet, die, da Überholen verkehrsbedingt nicht möglich war, in eher bedächtiger Geschwindigkeit nach Illertissen zuckelte.

Nicht alle waren am Donnerstag mit dem Vorgehen der Polizei beim Blitzmarathon einverstanden. Roland Marz wurde sogar Opfer eines geradezu heimtückischen Anschlags – durch den Hofkater im Tannenhärtle. Den Tatbestand schildert der Hauptkommissar folgendermaßen: „Die Katze ist neben mir gesessen und hat mich angeschaut. Als ich dann ein Auto anvisiert habe, hat mich der Baule plötzlich angesprungen.“ Bis auf den Schrecken trug der Beamte dank seiner kratzfesten Uniformjacke keine Blessuren davon. Einer sofortigen Festnahme wegen des Verdachts einer vorsätzlichen Körperverletzung hatte sich der vierbeinige Täter durch Flucht entzogen.

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