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03.11.2009

EvoBus-Affäre: Verdächtiger bricht Schweigen

Neu-Ulm/Memmingen Der Mitarbeiter der Firma EvoBus, der Firmengeld in beträchtlichem Umfang in die eigene Tasche gesteckt haben soll, hat ein Teilgeständnis abgelegt. "Er hat teilweise die Sachen eingeräumt, aber nicht alles", sagte gestern Leitender Oberstaatsanwalt Dr. Johannes Kreuzpointner. Dem Verdächtigen wird Untreue vorgeworfen. Er sitzt in Memmingen in Untersuchungshaft. Ein weiterer Beschuldigter soll in den nächsten Tagen von der Kripo vernommen werden. Laut Polizei ist dieser Mann kein Mitarbeiter der Firma EvoBus.

Bei dem Hauptverdächtigen soll es sich um einen 39-jährigen leitenden Mitarbeiter des Neu-Ulmer Busherstellers handeln. Laut Kreuzpointner gehört er nicht der obersten Führungsebene des Unternehmens an, "er ist aber auch kein Hausmeister. Er hat auf jeden Fall die Möglichkeiten gehabt." Es seien Rechnungen beglichen worden, "denen nicht das zugrunde lag, was draufstand" - also Luftrechnungen. Das Geld soll der Manager kassiert haben. Wie viel der Mann in die eigene Tasche gesteckt hat und wie lange das schon ging, dazu wollte Kreuzpointner gestern nichts sagen. "Wir müssen erst die beschlagnahmten Unterlagen auswerten." In jedem Fall handelt es sich um eine erhebliche Summe, die der Firma entzogen wurde - angeblich um die drei Millionen Euro. Diese Summe bestätigten die Behörden allerdings nicht.

Wie berichtet, waren vorige Woche in einer groß angelegten Aktion Büroräume von EvoBus sowie Privatwohnungen durchsucht worden. Die Polizei stellte umfangreiches Aktenmaterial und mehrere Computer sicher. Gegen den Verdächtigen war seit mehreren Monaten ermittelt worden. Auf die Spur gekommen war die Kripo dem Mann per Zufall - durch einen angeblichen Erpressungsversuch.

Der 39-Jährige hatte sich vor einigen Monaten bei der Ulmer Polizei gemeldet, bei ihm sei eingebrochen worden. Aus dem Tresor seien Unterlagen gestohlen worden. Kurz nach dem Diebstahl habe der Einbrecher angerufen und gefragt, was ihm die Dokumente wert seien. Die Polizei ging dem Erpressungsversuch nach, ermittelte den mutmaßlichen Einbrecher und stellte die Unterlagen sicher. Bei der Durchsicht der Papiere fielen ihnen Ungereimtheiten auf. Der 39-Jährige geriet selbst in Verdacht. Aus einem Fall von Erpressung wurde nun ein Fall von Untreue in großem Stil.

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Einbrecher suchte wohl gezielt nach brisanten Unterlagen

Zwischen dem 39-Jährigen und dem Einbrecher soll es eine "Beziehung über gemeinsame Bekannte" geben. Es liegt also der Verdacht nahe, dass bei dem Einbruch gezielt nach den kompromittierenden Papieren gesucht worden war und die Unterlagen nicht nur als "Abfallprodukt" für eine Erpressung genutzt wurden. Gegen den mutmaßlichen Einbrecher hat die Staatsanwaltschaft Ulm Haftbefehl beantragt. Dieser wurde gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Im Mutterkonzern Daimler ist der Fall bekannt. Das Unternehmen werde die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen unterstützen, sagte eine Sprecherin. Weitere Angaben macht Daimler mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht.

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