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Illertissen

30.08.2017

Farbenfrohe Blüten, auf die Insekten fliegen

Sie sorgen für ein farbenfrohes Blütenmeer im Garten: Die Dahlie ist ein Klassiker in vielen Beeten. Einfachblühende und halbgefüllte Sorten bieten Insekten auch im Spätsommer und Herbst Nahrung.
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Sie sorgen für ein farbenfrohes Blütenmeer im Garten: Die Dahlie ist ein Klassiker in vielen Beeten. Einfachblühende und halbgefüllte Sorten bieten Insekten auch im Spätsommer und Herbst Nahrung.
Bild: Madeleine Schuster

Im Spätsommerhaben es Bienen schwer, ausreichend Nahrung zu finden. Spät blühende Dahlien kommen gerade recht. Ein Rundgang zeigt, wie vielfältig die Pflanzen sind.

Die knallbunten Blüten sind auf der Jungviehweide schon von Weitem zu sehen. In einem zehn auf zehn Meter großen Feld schieben sich rote, gelbe, orange- oder pinkfarbene Blumen in die Höhe – und bringen nicht nur die Besucher der Themengärten ins Schwärmen. Im Sekundentakt fliegen Bienen und Hummeln aus und lassen sich auf den Dahlien nieder. Bis zum ersten Frost blüht die Pflanze in heimischen Gärten und ist für Insekten ein gefundenes Fressen. Im Spätsommer und Herbst haben es Sammelbienen schwer, noch pollen- und nektarreiche Blüten zu finden. Die spät blühenden Dahlien kommen den Tieren da gerade recht. Und die gibt es auf dem Gelände neben der Staudengärtnerei Gaissmayer in Illertissen derzeit in Hülle und Fülle.

Verteilt auf zwei Feldern haben Erna Wehrfeld und Karl-Heinz Ingber dort Dahlien gepflanzt. Die beiden Naturliebhaber sind nicht nur Mitglieder im Illertisser Verein Förderer der Gartenkultur, sondern haben auch die Patenschaft der beiden Themengärten übernommen. Die bepflanzten Felder sollen Besuchern der Jungviehweide zeigen, wie bunt und vielfältig die Welt der Stauden sein kann – und welchen Nutzen sie für Mensch und Natur bieten. „Wir wollen den Leuten etwas mit auf den Weg geben“, sagt Erna Wehrfeld und schwärmt: „Der Umgang mit Blumen besänftigt.“

Seit Mitte Mai steht nun die Dahlienpflege auf dem Programm der beiden Hobbygärtner. Da die Blumen keinen Frost vertragen, werden sie nach den Eisheiligen ausgesetzt – also ab dem 16. Mai. Ausgewählt werden kann aus Tausenden Sorten. „Die meisten Dahlien, die im Umlauf sind, sind allerdings gefüllte Pflanzen“, sagt Staudengärtner Dieter Gaißmayer, der die Gartenpaten auf der Jungviehweide bei Bedarf mit Fachwissen und Tipps versorgt. Auch auf der Jungviehweide sind die gefüllten Sorten gepflanzt: In der Parzelle, die Erna Wehrfeld pflegt, reihen sich Pflanzen mit malerischen Namen wie „Pink Pastelle“ oder „Austria Lace“ aneinander. Viele Insekten tummeln sich dort allerdings nicht. Denn bei den gefüllten Pflanzen wird den Tieren der Zutritt zum Inneren der Blüte verwehrt. Da die Pollen produzierenden Staubblätter in Blütenblätter umgewandelt wurden, schauen die Insekten dort in die Röhre. Anders sieht es da schon auf dem Feld nebenan aus.

Im Themengarten, um den sich Pate Karl-Heinz Ingber kümmert, schwirren Bienen, Hummeln und Co. von Pflanze zu Pflanze. Die Gartenfreunde haben dort eine Art Versuch unternommen. Die in diesem Fall einfachblühenden und halbgefüllten Dahliensorten wurden nicht als Knollen gepflanzt, sondern ausgesät. Das Ergebnis sei eine „Wundertüte“, sagt Ingber. Durch die Bestäubung von Insekten und durch Wind befruchten sich die Dahlien untereinander und bilden dabei neue Blütenformen aus. Welche Farben und Formen entstehen, gleiche einer Lotterie. Für Hummeln, Bienen und andere Insekten halten die einfachblühenden Pflanzen jedenfalls jede Menge Pollen und Nektar bereit. Ein Umstand, den die Gärtner auf eine Idee gebracht hat.

Das Saatgut einiger selbst ausgesäter Sorten wollen die Förderer der Gartenkultur sammeln, trocknen und im März kommenden Jahres auf einem Saatgutmarkt bei der Staudengärtnerei anbieten. „Unser Ziel ist es, ästhetische Sorten in Umlauf zu bringen, die insektenfreundlich sind“, sagt Gaißmayer, der noch einen weiteren Vorteil der bunten Blumen zeigt. Der Staudengärtner zupft ein rosafarbenes Blütenblatt ab und steckt es sich in den Mund. „Was viele nicht wissen: Dahlienblüten kann man essen“, sagt er und schiebt lächelnd hinterher: „Auch wenn diese Sorte vielleicht ein wenig bitter schmeckt.“

In ihrer Heimat Mexiko war die Dahlie laut Deutschem Naturschutzbund schon vor der Ankunft der Europäer eine beliebte Zierpflanze. Vor gut 200 Jahren startete sie dann von Spanien aus auch in Europa ihren Siegeszug. Zwischen 20000 und 30000 Dahliensorten gibt es laut Expertenschätzungen weltweit. Viele davon waren und sind nur eine Zeit lang in Züchtung und verschwinden dann wieder für neue.

Um die 80 Sorten wachsen in den Themengärten auf der Jungviehweide. Bis zu zweit Meter hoch können die „Kraftpakete“ laut Gaißmayer werden. Die Tipps des Experten: „Dahlien brauchen Zuwendung.“ Höhere Sorten sollten mit einem Pflanzstab abgestützt und verwelkte Blüten gleich abgeschnitten werden. Der Standort sollte die meiste Zeit des Tages in der Sonne liegen. Jungen Pflanzen machen vor allem Nacktschnecken zu schaffen. Die Tiere sollten deshalb rechtzeitig aufgesammelt werden.

Wenn der erste Frost einsetzt, wird das Kraut der Dahlien welk und braun. Spätestens dann sollten die Knollen ausgegraben und zum Überwintern eingelagert werden. Im Frühjahr können die Pflanzen dann wieder ausgesetzt werden – und spätestens zur Dahlienblüte geraten Betrachter und Insekten dann wieder ins Schwärmen.

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