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Illertissen

12.10.2015

Festival: Eine Teufelsgeigerin und ihr Begleiter

Diana Tishchenko und Joachim Carr überzeugten im ausverkauften Barocksaal in Illertissen durch virtuoses Spiel.
Bild: Regina Langhans

Diana Tishchenko und Joachim Carr machen zu zweit atemberaubend gute Musik. Nun waren sie im Illertisser Barocksaal zu Gast.

Diana Tishchenko vermag auf ihrer Violine von Camillius Camilli aus dem Jahr 1731 – eine Leihgabe der Stiftung Musikleben – gleich einer Teufelsgeigerin zu faszinieren. Dazu kann Joachim Carr dem Flügel unglaubliche Klangteppiche entlocken. Das sich brillant ergänzende Duo, im Jahr 2014 gewann es den ersten Preis für zeitgenössische Kammermusik in Lyon, bot im ausverkauften Barocksaal in Illertissen atemberaubende Musik.

Am Ende des Konzerts gab’s ein kurzes Innehalten, dann brach der Applaus los. Die jungen Stars dankten mit dem zweiten Satz aus Edvard Griegs dritter Sonate.

Der Abend begann mit der Sonate für Violine und Klavier in G-Dur (1812) von Ludvig van Beethoven, wozu die Geige mit Pralltriller den temperamentvollen Einsatz gab. Beim Scherzo sah sich die Geigerin zu spritzig-spitzen Bogenkünsten aufgefordert, wodurch ihr schon eingangs ein heiterer Gegenpol zur Grundstimmung gelang. Sie trug mit luftigen Bogenstrichen schwere Passagen vor, Carr reagierte mit überaus exakten Einsätzen und verstand es, sein Spiel auf rasante Schlussakkorde hin zu dramatisieren. Vom ersten Takt an herrschte tiefe Zwiesprache zwischen zwei gleichberechtigten Musikern.

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Mit Johannes Brahms Sonate in d-Moll (1886, 1888) wechselte das Duo in hochromantische Gefilde. Tishchenko ließ die Geigentöne dahinschmelzen oder ihre Finger für wehmütige Glissandi die Saiten entlang gleiten. Wie hingehaucht die Klänge beim Adagio und als Gegenpol ein Hagel von Tönen, der zum furiosen Ende der Sonate auf die lauschenden Zuhörer niederging.

Virtuoses Spiel mit sphärischen Anklängen kennzeichnete abschließend die Sonate in a-Moll (1926) des rumänischen Geigenkünstlers George Enescu. Das Werk beinhaltet Balkanweisen, erinnert an Zigeunermusik und ist gespickt mit Variationen des „Portamento“, dem Aneinanderhängen oder Hinüberziehen von Tönen auf der Geige. George Enescu beherrschte diese Spieltechnik wie kaum ein anderer.

Diana Tishchenko, gebürtig aus Kiew und Konzertmeisterin beim Kammerorchester München, meisterte die Vorgaben so temperamentvoll wie elegant. Mit dem in Bergen geborenen Joachim Carr hatte sie einen exzellenten Begleiter, der sein Spiel ihren über die Saiten fliegenden Bogen oder auf- und abturnenden Fingern geschickt anpasste. Ihre Musik floss ineinander, sie hätte auch aus einem einzigen Klangkörper stammen können.

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