Meistercellist

28.02.2011

Feuriges Musizieren

Mit Julian Steckel (Cello) und Paul Rivinius (Klavier) präsentierten sich zwei Ausnahmekünstler im Barocksaal.
Bild: Foto: ch

Großartige Kammermusik im Barocksaal

Illertissen Zwei Musiker der Sonderklasse waren der Einladung des Freundeskreises Kultur im Schloss gefolgt und beglückten einen Abend lang mit selten zu hörenden, exquisit aufbereiteten Klängen. Mit Spannung war das Auftreten von Julian Steckel, erster Preisträger im Fach Violoncello beim jüngsten ARD-Wettbewerb, erwartet worden. Partner Paul Rivinius am Flügel hatte schon bei einem der vorhergehenden ARD-Wettbewerb gewonnen.

Draufgängerisch, ganz im Sinne des jungen Feuerkopfes Beethoven, gingen die beiden Ausnahmekünstler die erste seiner beiden Cellosonaten op. 5 an. Rivinius brillierte in dem von zahlreichen Läufen, Dreiklangsbrechungen und Arabesken gekennzeichneten Klaviersatz, den Beethoven für sich selbst schrieb. Plastisch klar differenziert präsentierte Steckel den Streicherpart. Ihn hatte Beethoven während seines Berlin-Besuchs dem Cello-spielenden preußischen König Friedrich-Wilhelm II. zugedacht. Übrigens wurden dem Monarchen auch von Haydn das op. 50, sechs Streichquartette, und von Mozart die drei „Preußischen Quartette“ gewidmet.

Eine Fülle unterschiedlichster Klangcharaktere weiß Steckel, wie er in der Sonate von Francis Poulenc bewies, aus seinem, 2005 erbauten Mächler-Instrument zu zaubern. Grundlage ist dessen sonore Fülle. In allen Lagen formt der Könner breit dahin strömenden, da gedeckten, dort edelsüßen Kantilenenton. Ja selbst energischstes Zupacken wird nicht mit Verzicht auf Wohlklang erkauft.

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Mit Vehemenz ins Werk gestürzt

Poulenc hat an dieser Sonate einige Jahre lang gearbeitet. Dass er sie dann nochmals einer Revision unterzog, zeigt, wie wichtig sie ihm war. In den vier Sätzen spiegelt sich das ganze Vokabular des Komponisten, das von humorvollen Passagen über jazzige Rhythmen bis hin zu religiöser Andacht reicht. Die eigenwillige Harmonik zu den weit gespannten Melodiebögen scheint eine Artverwandtschaft zu Prokofieff aufzuzeigen. Abrupt reißen schneidende Klänge aus elegischer Stimmung, immer wieder wird in klangliches Neuland geführt, mitunter erfolgt kanonartige Fortentwicklung der Thematik, fülliger Instrumentalklang sprengt fast den kammermusikalischen Rahmen, überraschende Schlüsse beenden die einzelnen Sätze. Mit Vehemenz stürzten sich die Interpreten in das Werk, dessen zerklüfteten Inhalt sie nach allen Richtungen extrem ausloteten.

Auch Sergej Rachmaninow schrieb nur ein Werk für diese Besetzung, das er aber nicht Cellosonate genannt haben wollte. Verständlich bei dem großen Klaviervirtuosen. „Seinem“ Instrument teilte er einen Part zu, der durchaus dem der berühmten Klavierkonzerte entspricht, so bei den Monologen über weite Strecken. Überschäumende Romantik mit mächtigen Aufschwüngen vermittelt das Opus, das unmittelbar nach einer längeren physischen Krise des Komponisten entstand. Die Duopartner kosteten den klangsatten Inhalt mit geradezu sinfonischen Steigerungen voll aus ehe sie, mächtig auftrumpfend dem Schluss zujagten.

Donnernder Beifall dankte. Als Zugabe schlossen die Künstler das ätherische „Nach einem Traum“ von Gabriel Fauré an.

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