1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Filzingen in all seinen Facetten

Chronik

09.10.2014

Filzingen in all seinen Facetten

Copy%20of%20500JahreZollhaus1915.tif
4 Bilder

Markus Merkle kennt sich wie kein Zweiter in der Geschichte des Altenstadter Ortsteils aus

Geballtes Wissen bietet manches Buch seinem Leser. Umfangreiches Wissen präsentiert auch Markus Merkle. Allerdings (noch) nicht in gedruckter Form. „Ein Buch soll es einmal werden“, sagt der Filzinger und zeigt auf die prall gefüllten Ordner auf seinem Schreibtisch.

Seit 30 Jahren sammelt er nach eigenen Angaben Berichte, Fotos, geschichtliche Informationen und Gegebenheiten rund um seinen Heimatort, der örtlichen Kirche, der heimischen Land- und Holzwirtschaft. „Nun wird es Zeit, dass das alles unter die Leute gebracht wird“, sagt der 81-Jährige schmunzelnd und meint dies auch im Hinblick auf sein doch schon stolzes Alter.

Merkle ist ein gebürtiger Filzinger und engagiert sich schon seit Jahrzehnten für den kleinen, derzeit etwa 500 Einwohner zählenden, Ort. Aktiv in fast allen Vereinen des Ortes, dabei Ehren- oder Gründungsmitglied etwa im Schützenverein oder den Lindenbaumfreunden, war er auch insgesamt 24 Jahre kommunalpolitisch tätig. Zunächst von 1966 bis 1978 als Gemeinderat in Filzingen und anschließend – nach der Eingemeindung Filzingens zum Markt Altenstadt – insgesamt zwölf Jahre als Marktgemeinderat.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Als Vorstand der durch den Bau der Autobahn bedingten Flurbereinigung (1969 – 1979) erlebte er hautnah das Werden der heute nicht mehr wegzudenkenden Straßenverbindung. Ebenso wie die damit verbundene Entstehung der Filzinger Baggerseen und den Aufschwung, den die nahe Auffahrt zur A7 Filzingen und Altenstadt bescherte. „Ja, an 70 Jahre kann ich mich selber gut zurückerinnern“, sagt Merkle, in Filzingen schon seit Langem als Ortschronist bekannt.

So türmen sich in seinen Ordnern Geschichte und Geschichten. Eng verknüpft eben durch sein gemeindliches und vereinsmäßiges Engagement, ist es ein Stückchen weit auch seine eigene Lebensgeschichte. Gesammelt hat er aber auch ganz spezielle Begebenheiten, die wohl nur ein Filzinger wissen kann. Etwa, dass das Amtszimmer des letzten Filzinger Bürgermeisters Anton Lang in dessen privaten Wohnzimmer war. Anton Lang und seinen Stellvertreter Josef Kloss beschreibt Merkle in seinen Unterlagen als „unermüdliches und unzertrennliches Gespann zum Wohle der Gemeinde Filzingen“.

1978 verlor die Gemeinde Filzingen ihre Selbstständigkeit und wurde im Rahmen der Gebietsreform nach Altenstadt – so schreibt Merkle – „zwangseingemeindet“. Über 191000 Mark an Rücklagen und Kassenbestand der Gemeinde Filzingen sei damals Altenstadt übergeben worden. Dies geht aus einer fein säuberlichen, mit Schreibmaschine geschriebenen Aufstellung im Ordner hervor. „Wir waren also ein Segen für Altenstadt“, sagt er nicht ohne schelmischen Gesichtsausdruck.

1933 erblickte Markus Merkle als Sohn des Holzfuhrunternehmers Josef Merkle das Licht der Welt. Es war also vor seiner Zeit, als im Jahre 1914 etwa die Kirchturmglocken abgenommen und daraus Kanonen gegossen wurden. Wohl aber hat er auch dies in seinen historischen Recherchen aufgegriffen.

Ebenso der Bau der Filzinger Volksschule in den Jahren von 1920 bis 1923. Auch dass die Schüler in diesen drei Jahren des Baus – zuvor gingen sie „bei Wind und Wetter nach Illereichen zur Schule“ – in einem Filzinger Wirtshaus unterrichtet wurden.

Aufgeführt werden ebenso Zahlen, die man in Geschichtsbüchern nachlesen kann. Etwa die erste urkundliche Erwähnung Filzingens, datiert auf das Jahr 817. Den Verlauf der alten Römerstraße, die einst über den Wald zum Kellmünzer Kastell „Caelius Mons“ führte, hat er in seine Ordner aufgenommen und kann sie heute vor Ort noch bestimmen.

Vielleicht weniger bekannt, dennoch geschichtlich belegt ist der Umstand, dass Osterberg bis vor knapp 600 Jahren zur Pfarrei Filzingen gehörte. „Das hören die Osterberger nicht gerne“, sagte der Filzinger und wieder schmunzelt er.

Auf dem heute noch zum großen Teil begehbaren „Kirchsteig“, einem Fußweg von der Filzinger Kirche geradeaus durch den Wald nach Osterberg, seien die Osterberger damals jeden Sonntag zur Messe nach Filzingen gegangen, hat der Ortschronist nachgeforscht. Vom Bau der ersten Filzinger Wasserleitung 1907 über das drastische „Höfesterben“ und den Wandel in der Landwirtschaft oder der Geschichte der ortsbekannten Linde – stöbert man in seinen Ordern, taucht man ein in die Filzinger Dorfgeschichte mit all ihren Facetten.

Bevor aus diesem Sammelsurium jedoch ein Buch werden kann, muss dieses Wissen noch durch- und aufgearbeitet werden. So lange er fit ist, so sagt Markus Merkle, will er auch dies vorantreiben.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Hightech_live-Camp_PM.tif
Ausbildung

Hightech-Camp im Unterallgäu: Plätze sind frei

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden