Newsticker

Bei hohen Zahlen: Söder fordert eine bundesweite Maskenpflicht
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Fledermäuse hausen im Bierkeller

Buch

16.03.2015

Fledermäuse hausen im Bierkeller

Ein schlafendes großes Mausohr haust im Bierkeller in Buch
2 Bilder
Ein schlafendes großes Mausohr haust im Bierkeller in Buch

Fritz Singer zeigt, wo in Buch eine Population Großer Mausohren überwintert.

Fritz Singer aus Buch ist Heimatfreund und Naturschutzbeauftragter. Der 62-Jährige verfolgt seit drei Jahren, wie mehr und mehr Tiere den Erdkeller als Winterquartier beanspruchen. Durch die noch erhaltenen Belüftungslöcher und schrägen Fensteröffnungen, über die ursprünglich die Eisblöcke in den Keller rutschen konnten, ist der Luftaustausch geregelt.

Dass der alte Keller solche Geheimnisse bergen könnte, war eine Überlegung von Alfons Schreiber. Dem 84-Jährigen ist so manches von früher in Erinnerung geblieben. Vor Jahren hatte der Gemeindemitarbeiter bei Aufräumarbeiten im Keller erste Hinweise auf die geschützten Tiere gefunden und vermutet, dass sie durch den löchrig gewordenen Holzeingang in den Stollen gelangten. Darauf wurde der 36 Stufen lange Abstieg vom Schutt befreit und im Jahr 1996 bauten er und Arbeitskollege Richard Merkle ein neues Eingangstor. Dessen Gitterverzierung können die Fledermäuse zugleich als Einfluglöcher nützen.

Ein Rundgang durch die Gewölbe in der vergangenen Woche zeigt, dass etliche der Flugtiere ihren Winterschlaf schon beendet haben und bald in Dachböden oder Baumhöhlen ihre Sommerquartiere beziehen. Die Weibchen schließen sich für ihre Wochenstuben zusammen, die Männchen suchen sich einzeln ihre Unterkünfte.

Die imposanten Gewölbekeller von 1823 haben schon allerlei Zwecken gedient. Von der Zeit als Bräukeller zeugen noch Eisenrohre am Eingang, wo der Aufzug für die Bierfässer befestigt war, wie Alfons Schreiber zeigt. Die Eisblöcke zum Kühlen wurden aus dem benachbarten Dorfweiher beim heutigen Sportplatz herausgesägt. Beim Herunterrutschen durch die Schrägen zersplitterten sie in viele kleine Stücke, gerade passend, um die Fässer einzudecken. Als die Brauerei in Buch ihren Betrieb eingestellt hatte, waren auch die Bierkeller überflüssig geworden. Zudem haben moderne Kühlsysteme die herkömmlichen Keller überflüssig gemacht. Darauf wurden die Gewölbe als Käsekeller genützt und in Kriegszeiten sogar als Luftschutzbunker. Daran erinnern wiederum Eisenhaken an den Schachtöffnungen, die notfalls ein Nach-oben-Klettern ermöglichen sollten.

Um so erfreulicher ist, dass die insgesamt gut erhaltenen Gewölbe am Kellerberg neue Verwendung gefunden haben, findet auch Bürgermeister Roland Biesenberger. Die Marktgemeinde kümmert sich um den Unterhalt. Und den Naturfreund Singer freut’s, da der Verlust geeigneter Lebensräume weltweit zu den Hauptbedrohungen für Fledermäuse zählt. Nicht zuletzt ist damit die weitere Pflege der Anlage gerechtfertigt.

„Vielleicht“, so Singer, „gibt es ja auch mal ein Willkommensgruß-Schild an den neuen Kellereingang.“ Er kennt solche Schilder mit der Aufschrift: „Fledermäuse willkommen“ von Häusern, deren Besitzer es billigen, wenn die geschützten Tiere bei ihnen Quartier bezogen haben.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren