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Illertissen

28.06.2017

Fliegerei im Flüsterton: Die Maschinen sind leiser, der Ärger bleibt

In Illertissen wird mitunter viel geflogen – zu viel, sagen lärmgeplagte Bürger. Nun rüstet der Fallschirmsprungverein seine Maschinen nach.
Bild: Orla Finegan

Der Fallschirmsprungverein rüstet seine Flugzeuge nun doch nach – sie bekommen andere Propeller. Warum die Diskussion um Ruhestörungen in Illertissen trotzdem weiter geht.

Der Rosenstock blüht, der Kirschbaum spendet angenehmen Schatten über dem Liegestuhl und die Würsten auf dem Grill verströmen Brataroma. Eigentlich ein perfektes Gartenidyll. Würden nicht in regelmäßigen Abständen Flugzeuge über den Himmel knattern.

In Illertissen und den Nachbarorten häufen sich im Sommer die Beschwerden über den Lärm der vom Flugplatz der knapp drei Kilometer nordöstlich der Stadt liegt. Für die Anwohner scheint es nun eine gute Nachricht zu geben. Robert Fahrenschon, Berufspilot und stellvertretender Vorsitzender des Fallschirmsportvereins Paranodon, teilt mit, der Verein rüste derzeit seine Flugzeuge mit geräuschärmeren Propellern nach. In einer Maschine sei der neue Fünf-Blatt-Propeller schon eingebaut, bei einem zweiten Flieger werde das Teil kommenden Monat ausgetauscht. Die beiden Flugzeuge seien dann um gut sechs Dezibel leiser. Laut Fahrenschon entspricht das einer Abstandsverdopplung. Das bedeutet, das Flugzeug erscheint jetzt in einer Entfernung von 2000 Metern gerade einmal so laut, wie zuvor erst bei 4000 Metern. Das liege unter anderem an der Bauart der neuen Propeller, dem verwendeten Material, Holzverbundstoff statt Metall, und deren Durchmesser.

Nachdem der Stadtrat einen Antrag auf Verlängerung der Flugzeiten für die Fallschirmspringer abgelehnt hatte, wollte der Verein ursprünglich auf diese Nachrüstung verzichten (wir berichteten). Nun haben sich die Mitglieder von Paranodon doch umentschieden. Einerseits, weil der Verein laut Fahrenschon immer bemüht sei, der Öffentlichkeit entgegenzukommen. Andererseits stecke hinter der Investition auch die Hoffnung, dass der Stadtrat bei zukünftigen Anträgen das Entgegenkommen des Vereins in seine Entscheidung miteinbezieht.

Illertissens Bürgermeister Jürgen Eisen kann sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen, dass des eine Ausweitung der Flugzeiten geben könnte. Ein entsprechender neuer Antrag sei bei der Stadt noch nicht eingegangen. Eisen sagt: „Die Leute hier sind lärmgeplagt genug.“ Im lägen viele Beschwerden vor, auch von Bürgern aus Buch und Unterroth. Sollte der Verein einen erneuten Antrag stellen, wolle Eisen sich, im Zeichen der guten Nachbarschaft, auch mit den Bürgermeistern der umliegenden Ortschaften besprechen. Zuerst müsse ohnehin geprüft werden, ob sich die Voraussetzungen am Flugplatz geändert hätten.

Fahrenschon sagt, er könne nachvollziehen, dass sich die Nachbarn im Liegestuhl gestört fühlen können. Außer den Flugzeugen gebe es aber noch eine ganze Reihe anderer Geräusche, über die sich niemand beschwere, wie etwa vorbeifahrende Motorräder, die nahe Autobahn oder Kreissägen. Neben Paranodon nutzt auch der Luftsportverein Illertissen den Flugplatz, um von dort ihre Segelflieger, Motorsegler, Motorflieger und Ultraleichtflieger zu starten und zu landen. Alle Flugzeuge seien aber mit erhöhtem Lärmschutz ausgerüstet, sagt der Vereinsvorsitzende Philipp von Criegern. Die Grenzwerte würden auf jeden Fall eingehalten. Er erklärt, es sei gar nicht unbedingt die in Dezibel messbare Lautstärke, durch die ein Geräusch als Belastung empfunden werde. Ein Kolbentriebwerk könne bei eigentlich gleicher Lautstärke ganz anders klingen als ein Flugzeug mit Turbinenantrieb, sagt von Criegern.

Um die Geräuschbelastung möglichst gering zu halten, müssen die Piloten eine Mindestflughöhe einhalten. Außerdem würden die Flugstrecken abgewechselt, sodass die Maschinen nicht ständig über beziehungsweise in der Nähe der gleichen Ortschaft unterwegs sind, sagt von Criegern.

Beim Luftamt Südbayern kennt man die Konflikte, die es zwischen Anwohnern und den Flugplatznutzern gibt. Illertissen unterscheide sich diesbezüglich nicht von vergleichbaren Standorten. Lösungen seien nur dann möglich, so Pressesprecher Peter Fürnrohr, wenn sich beide Seiten „konstruktiv austauschen“. Piloten könnten, auch ohne gesetzliche Verpflichtung, aus Rücksicht gegenüber den Anwohnern zu bestimmten Zeiten auf bestimmte Flugmanöver verzichten. Fürnrohr schlägt Luftsportvereinen außerdem vor, die Bürger einzuladen, sich vor Ort ein Bild vom Flugbetrieb zu machen.

So sieht es auch von Criegern. Um mit der Bevölkerung positiv zusammenzuarbeiten sei er gern bereit, den Bürgern den Flugplatz zu zeigen, Fragen zu beantworten und die verschieden Geräuschquellen zu erklären, sagt er.

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