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Neu-Ulm/Unterallgäu

19.02.2021

Flirten in Corona-Zeiten: Wie schwer ist es für Singles, jemanden kennenzulernen?

Sich zu verlieben, ist in Corona-Zeiten schwerer als sonst.
Bild:  Christian Charisius, dpa (Symbolfoto)

Plus In der Corona-Zeit ist es schwerer, einen Partner zu finden. Nachgefragt bei Singles aus der Region und einem Dating-Veranstalter.

Wie jemandem nahekommen, wenn alle Welt auf Abstand geht? Die Partnersuche ist in Corona-Zeiten alles andere als einfach. Der Arbeitsplatz - bekanntlich einer der Orte, an denen die Deutschen am häufigsten anbandeln - hat sich bei vielen in die eigene Wohnung verlagert. Partys und Konzerte finden keine statt, Bars und Cafés haben geschlossen, auch Fitnessstudios und Sporthallen. Selbst Verkupplungsaktionen im Freundeskreis sind hinfällig, wenn sich nur ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen darf. Wie geht es Singles aus der Region damit?

Hey Du, ja genau Du! Du bist auf der Suche nach einem Mann mit Herz, Hirn und Humor? Du hast es satt, die verregneten Tage und Abende alleine zu verbringen? *

Sophia, 23, hat jetzt Tinder auf dem Smartphone. "Es bleiben ja nur Dating-Apps", sagt sie. Corona dränge Singles in diese Richtung, aus Mangel an Alternativen. Dabei sei sie eigentlich überhaupt kein "Tinder-Mensch" - zu oberflächlich. Denn beurteilt wird zunächst nach dem Profilbild; finden sich zwei gut, können sie sich schreiben. Bisher habe sie keine schlechten Erfahrungen mit der App gemacht, sagt die duale Studentin. Auch Dates kamen zustande.

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Doch da stellte sich die nächste Frage: Was tun? Sich auf einen Drink in einer Bar treffen, Essen gehen - das fällt fürs erste Date flach. "Ein Spaziergang ging bis zum Winter ganz gut", sagt Sophia. "Ansonsten: Essen bestellen, Filme schauen..." Doch es gebe auch eine Hemmschwelle, jemanden, den man nur aus einem Chat kennt, prompt zu Hause zu treffen. Und um 21 Uhr wäre sowieso Schluss. Ob da Frust über die Situation ist? "Ich bin niemand, der sich reinsteigert, in keiner Beziehung zu sein."

Interesse an Dating-Veranstaltungen in Ulm war nach dem ersten Lockdown groß

Gesucht wird eine Frau, mit der man auf Augenhöhe ist. Du solltest eine eigene Meinung [...] haben und nicht immer bei allem dem andern zustimmen. Du solltest einfach bereit sein für Neues.

Rico Hetzschold weiß aus erster Hand, dass es viele Singles gibt, die für Online-Dating nichts übrig haben. Gerade Frauen, sagt er. Als Gründer von "Face-to-Face-Dating" setzt er auf die altbekannte Art des Kennenlernens - offline. Er und sein Team organisieren seit 2013 Barhoppings in ganz Deutschland, auch in Ulm. Das Prinzip: Ein Single besucht mit einem Anmeldepartner - etwa der besten Freundin - insgesamt drei Bars pro Abend. In jeder lernen sie vier neue Leute kennen, wobei auf das Geschlechterverhältnis und Alter geachtet werde. Haben sich zwei Singles gefallen, wird am Ende ein Date geplant. Seit Herbst sind solche Veranstaltungen nicht mehr möglich. Aber im Sommer sei die Nachfrage riesig gewesen: "13 Prozent mehr als im Jahr davor", sagt Hetzschold. "Da gab es Nachholbedarf nach dem ersten Lockdown." Auch jetzt, im zweiten Lockdown, erreichen ihn schon Anmeldungen für die ersten Events in Ulm in der Zeit danach. "Das ist für manchen vielleicht ein Lichtblick."

Hallo liebe Frauen, ich bin auf der Suche nach der einen, 'die immer lacht', mit einem Lächeln läuft vieles einfacher im Leben. [...] Falls du dich von meiner Nachricht angesprochen fühlst, würde ich mich freuen, von dir zu hören.

Die jüngste Beziehung von Thomas, 27, endete im März - pünktlich zum Beginn der Pandemie. Wegen seiner beruflichen Selbstständigkeit sei die Partnersuche zwar schon vorher schwieriger gewesen, doch nun schränke Corona die Gelegenheiten, mit einer Frau ins Gespräch zu kommen, stark ein. Keine Dorffeste, keine Kneipenabende. "Man sieht die Familie, ab und zu einen Kumpel, mehr aber nicht", sagt er. "Normalerweise bin ich ganz gesellig."

Thomas ist nun wieder "im Online-Dating unterwegs". Über diesen Weg hatte er auch seine letzte Freundin kennengelernt. "Ich hätte eigentlich gedacht, dass da jetzt mehr Frauen aktiv sind. Aber den Eindruck habe ich nicht", sagt er. Eine weitere Beobachtung: Online-Dating sei in der Stadt verbreiteter als im ländlichen Gebiet.

Die Flirtlaune ist wegen der Corona-Krise gedämpft

Du bist kein glücklicher Single, aber zu stolz, um es zuzugeben? Sehnst dich nach Nähe, 'ner guten Unterhaltung, gemeinsamen Unternehmungen und 'ner Schulter zum Anlehnen?

Von den äußeren Umständen abgesehen: Verändert Corona auch die innere Einstellung? Rico Hetzschold beobachtet eine gewisse Anspannung bei Begegnungen: "Eine Flirtatmosphäre ist locker, witzig. Das ist gerade nicht möglich." Wird man beim Einkaufen spontan angesprochen, schrecke man tendenziell eher zurück, als sich auf ein Gespräch einzulassen. Und dann verstecke die Maske auch noch ein nettes Lächeln. Beim Online-Dating fehlen aus Hetzscholds Sicht Signale, die wichtig für die Ausstrahlung sind: "Wie jemand sich bewegt, wie jemand riecht oder spricht, auf solche Dinge kommt es ja eigentlich an."

* Diese Nachrichten wurden in den vergangenen Tagen anonym auf den „Spotted“-Facebook-Seiten aus der Region geteilt.

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